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Herzinfarkte enden seltener tödlich

Der neue Herzbericht hat gute Nachrichten – auch für Sachsen. Warum Mediziner trotzdem nicht zufrieden sind.

Jede Sekunde zählt für die Retter, wenn sie Herzinfarkt-Patienten ins Krankenhaus bringen. Laut Herzbericht sind 2018 weniger Menschen daran gestorben.
Jede Sekunde zählt für die Retter, wenn sie Herzinfarkt-Patienten ins Krankenhaus bringen. Laut Herzbericht sind 2018 weniger Menschen daran gestorben. © Gerhard Berger/dpa

Frankfurt/Dresden. Immer weniger Herzkranke müssen im Krankenhaus betreut werden. Das zeigen die Zahlen des aktuellen Deutschen Herzberichts, der am Donnerstag in Frankfurt/Main vorgestellt wurde. Danach kamen im Jahr 2018 rund 1,7 Millionen Menschen wegen Herzerkrankungen in eine Klinik, zwei Prozent weniger als 2016.

Für den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Professor Andreas Zeiler, ist das ein Zeichen besserer ambulanter Möglichkeiten und zunehmender Vernetzung von Kardiologen und Kliniken. „So können wir heute beispielsweise durch das ambulant durchführbare Coronar-CT – einer Schichtröntgenuntersuchung des Herzens – diagnostische Eingriffe mittels Herzkatheter vermeiden, die stationär erfolgen müssen.“

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Mit Abstand am häufigsten ist die koronare Herzerkrankung – eine Verengung der Herzkranzgefäße. Sie führt unbehandelt zu einer schlechteren Versorgung des Herzens und zum Absterben von Herzmuskelgewebe – die Folge ist ein Herzinfarkt. 2018 erkrankten 709 von 100.000 Einwohnern daran, 128 starben. Die Zahl der Infarktpatienten lag bei 237 auf 100.000 Einwohner, 49 überlebten ihn nicht.

Herzinfarkte in Sachsen überdurchschnittlich häufig

Diese Sterbeziffern sinken seit Jahren. Das gilt auch für Sachsen. Dennoch gehört der Freistaat neben Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu den Bundesländern mit den höchsten Todesraten bei koronarer Herzkrankheit und Herzinfarkt. So starben von 100.000 Sachsen 164 an verengten Gefäßen und 63 am Herzinfarkt.

Aus Sicht des Kardiologen Professor Stefan G. Spitzer, Ärztlicher Leiter der Praxisklinik Herz und Gefäße in Dresden, ist das zum einen auf den höheren Altersdurchschnitt zurückzuführen. Denn im Alter treten Herzerkrankungen häufiger auf und sind oft schlechter zu behandeln, da die Menschen meist nicht nur ein gesundheitliches Problem hätten. Auch die Mentalität der Sachsen wirke sich negativ aus. So warteten sie oft viel zu lange, bis sie den Notarzt verständigen – weil sie meinten, es sei nicht so schlimm. „Hier müssen wir weiterhin viel Aufklärungsarbeit leisten“, sagt Spitzer.

Positiv-Trend setzt sich nicht fort

Eine Zunahme – auch in der Sterblichkeit – zeigt sich indes bei Herzklappenerkrankungen und Herzrhythmusstörungen. Von 100.000 Einwohnern litten bundesweit 107 an Herzklappenerkrankungen, am häufigsten an einem Verschluss der Aortenklappe. Minimalinvasive Techniken erlaubten auch im höheren Alter noch einen operativen Ersatz, sagt Professor Jan Gummert, Präsident der Gesellschaft für Herzchirurgie. Etwa jeder Fünfte überstand die Erkrankung jedoch nicht. Herzrhythmusstörungen hingegen treten auch bei jüngeren Menschen auf. Knapp 80.000 Implantationen von Herzschrittmachern und Defibrillatoren erfolgten im Jahr 2018. Sachsen liegt bei diesen Erkrankungen unter dem Bundesdurchschnitt.

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Der positive Trend des Rückgangs der Sterberaten bei Herzkrankheiten werde sich aber im Jahr 2020 nicht fortsetzen, sagen die Experten voraus. Allein im Frühjahr, während der ersten Coronawelle, starben einer Studie aus Hessen zufolge drei bis vier Prozent mehr Herzpatienten, weil sie aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht oder zu spät ins Krankenhaus gingen. „Doch Herzkrankheiten sind um das 30-Fache tödlicher als Coronainfektionen“, betont Professor Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung.

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