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Künstliches Licht gegen die dunkle Jahreszeit

Die Wintermonate schlagen vielen Menschen aufs Gemüt. Therapeutisches Licht soll dann helfen. Aber wirkt es auch?

Tageslichtlampen können in den dunklen Wintermonaten helfen.
Tageslichtlampen können in den dunklen Wintermonaten helfen. © Christin Klose/dpa-tmn

Von Tom Nebe

Licht hellt die Stimmung auf und vertreibt trübe Gedanken, sagt man. Dass da etwas dran ist, spüren viele Menschen jeden Winter aufs Neue. Sie fühlen sich nicht so gut, sind antriebsarm, die Stimmung ist gedrückt. Umgangssprachlich hat sich dafür der Begriff „Winterblues“ eingebürgert.

„Das ist ein uraltes Thema und findet sich schon in der antiken Literatur“, sagt Psychiater Professor Andreas Hillert, Chefarzt für Psychosomatik und Psychotherapie an der Schön Klinik Roseneck am Chiemsee. „Wir würden bei ausgeprägten Fällen dieser Art heute von einer saisonal bedingten Depression sprechen.“ Wobei der saisonale Aspekt, in dem Fall also der Winter mit seiner Dunkelheit und Kälte, nur ein Nebenaspekt sei.

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Um zu beurteilen, ob eine Depression vorliegt und behandlungsbedürftig ist, schauen die Mediziner auf Symptome wie gedrückte Stimmung, Interessen- sowie Freudlosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit und weitere Anzeichen wie Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. „Es gibt aber auch nicht wenige Menschen, die fühlen sich in der dunklen Jahreszeit etwas weniger gut“, sagt Hillert. „Ohne, dass es Krankheitswert hätte oder behandlungsbedürftig wäre.“

Der Tag wird verlängert

Wenn fehlendes Licht eine Ursache für diesen Blues ist, könnten Therapieleuchten mit künstlichem Tageslicht doch helfen, oder? Tatsächlich wird die Lichttherapie bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt – und kann auch selbst ausprobiert werden. Zu viel darf man aber nicht erwarten. Damit es einen Effekt hat, ist außerdem eine gewisse Disziplin gefragt.

Dabei kommt eine Lichttherapielampe zum Einsatz, die recht helles weißes Licht abgibt. Dadurch soll möglichst intensives Tageslicht imitiert werden, sagt Hillert. Der Hintergedanke ist einleuchtend: Zu viel Dunkelheit sorgt dafür, dass der Körper größere Mengen des „Schlaf-Hormons“ Melatonin ausschüttet. Die Folge kann unter anderem anhaltende Müdigkeit sein, also das, was man möglicherweise als Winterblues empfindet.

Mithilfe des Lichts wird die Tageslichtdauer quasi künstlich verlängert. Die Ausschüttung von Melatonin soll damit am Morgen reduziert, Stimmung und Antrieb gleichzeitig besser werden. Bei sensiblen Menschen könnte schon nach einigen Tagen eine leichte Verbesserung der Befindlichkeit zu spüren sein, so Hillert.

Zugleich betont er aber: Wunderdinge seien von den Lampen nicht zu erwarten. „In den meisten Fällen, übrigens auch bei anderen Formen der Depression, ist Lichttherapie allenfalls eine ergänzende therapeutische Maßnahme, die für sich genommen meist nicht ausreicht, entsprechende Störungen zu behandeln.“

Kaum Nebenwirkungen

Wer die Melatonin-Ausschüttung des Körpers mithilfe der Lampe effektiv beeinflussen möchte, darf sich nicht nach Lust und Laune irgendwann tagsüber davor setzen. Man sollte es idealerweise am frühen Morgen machen, sagt Hillert. Und zwar für mindestens eine halbe Stunde täglich, über mehrere Wochen hinweg.

In Hillerts Klinik werden auch Lichttherapien angeboten. Viele Patienten stünden dem Angebot aber zwiegespalten gegenüber. Der Grund ist das frühe Aufstehen. „Sie müssen dann sieben Uhr, eben wenn es draußen noch dunkel ist, vor der Lampe sitzen und nicht erst um elf Uhr. Ein Spaziergang wäre im letzteren Fall absehbar die effektivere, weil aktivere Methode.“ Nach seinen Worten führe die Lichttherapie „derzeit eher ein Schattendasein im therapeutischen Kontext.“

Dennoch: Wer ausprobieren möchte, ob es einem hilft, kann das bedenkenlos tun. Lichttherapeutische Lampen gibt es in verschiedenen Preisklassen im Handel zu kaufen. „Das Nebenwirkungsrisiko ist gering“, sagt Hillert. „Man kann nicht viel falsch machen, schlimmstenfalls funktioniert es halt nicht.“ (dpa)

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