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Das erzwungene Geschenk

Eine Frau wünscht sich mehr Aufmerksamkeit von ihrem Partner. Tut er das, ist es ihr auch wieder nicht recht. Was nun? Das sagt ein Experte.

"In der Liebe kommt es darauf an, dass wir lernen, die Welt mit den Augen des Anderen zu sehen."
"In der Liebe kommt es darauf an, dass wir lernen, die Welt mit den Augen des Anderen zu sehen." © Diagentur/dpa/tmn

Von Christian Thiel

Mein Partner und ich haben scheinbar komplett unterschiedliche Bedürfnisse. So habe ich das in vergangenen Beziehungen noch nie erlebt. Er legt zum Beispiel keinen Wert auf Geschenke und Liebesbekundungen in Form von Worten. Mir sind diese allerdings wichtig, und ich habe versucht, ihm das auch mitzuteilen. Jedes Mal, wenn er diese Bedürfnisse versucht zu erfüllen, kommt bei mir nun aber der Gedanke auf, dass er dies ja nicht aus eigenem Willen tut. Ich bin dann fast noch unglücklicher. Wie kann ich damit umgehen?

Sie stellen da eine wirklich spannende Frage. Allerdings habe ich mich weniger gefragt, warum Ihr Partner Ihnen nichts schenken will (von sich aus) und Ihnen auch nichts Nettes sagen will (von sich aus). Das ist auch in meinen Augen zumindest erklärungsbedürftig und eher ungewöhnlich. Trotzdem habe ich mich mehr gefragt, warum Sie es nicht genießen können, wenn er es Ihnen zuliebe macht. Bei der Liebe kommt es darauf an, dass wir den anderen erreichen. Wenn meine Frau, wenn ich Blumen kaufe, auf Gerbera sehr negativ reagiert (sie mag sie nicht), aber auf Freesien positiv, dann sollte ich mir das merken. Und ihr zuliebe Freesien kaufen.

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Ich werde also „gezwungen“, Freesien zu kaufen. Ob ich mich dabei schlecht fühle? Nein. Ich will meiner Frau doch eine Freude machen! Also mache ich das, was sie freut. Wo ist das Problem?

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor.
Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. © Christian Juppe

In der Liebe kommt es darauf an, dass wir lernen, die Welt mit den Augen des Anderen zu sehen und mit den Ohren des Anderen zu hören. Und es kommt darauf an, die Blumen zu kaufen, die der andere sich wünscht. Gelingt das, dann ist eine Beziehung glücklich. Und stabil. In meinen Augen sollten Sie sich also in Zukunft doppelt so viele Liebesbekundungen wünschen und dreimal so viele Geschenke. Und Sie sollten lernen, das alles auch zu genießen.

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Das ist aber nur eine mögliche Antwort. Es gibt noch eine zweite, die für die Zukunft Ihrer Partnerschaft eher unangenehm ist. Gut möglich, dass Sie schlicht keinen Mann wollen, dem man das Schenken beibringen muss, und auch keinen Mann, der nicht vorhat, Ihnen zu sagen, dass er Sie liebt. Man nennt das, wie Ihr Mann sich beim Schenken und bei den Liebesbekundungen verhält, auch einen Mangel an Gebefreude. Nein, davon müssen Sie nicht begeistert sein. Und: ja, das gefährdet eine Beziehung möglicherweise. Ich persönlich würde ihm raten, möglichst schnell das Geben zu lernen. Ihnen zuliebe und seiner Partnerschaft zuliebe.

Haben Sie Fragen an Christian Thiel? Schicken Sie eine Mail an [email protected]

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