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Großpostwitz: So sehen die Pläne fürs Ortszentrum aus

Ärztehaus, Pflegeheim, Schulgelände, Gaststätte - die Gemeinde will eine ganze Reihe lange geplanter Vorhaben umsetzen. Profitieren sollen davon viele.

Wenn die Großpostwitzer Verwaltung in den umgebauten Bahnhof zieht, braucht das Gemeindeamt eine neue Nutzung. Bürgermeister Markus Michauk hat dafür eine konkrete Idee.
Wenn die Großpostwitzer Verwaltung in den umgebauten Bahnhof zieht, braucht das Gemeindeamt eine neue Nutzung. Bürgermeister Markus Michauk hat dafür eine konkrete Idee. © SZ/Uwe Soeder

Großpostwitz. Es lässt sich kaum leugnen: Durch Großpostwitz rollt der Verkehr meist nur hindurch. Das ist auch Bürgermeister Markus Michauk (OLG) bewusst, der das nicht einfach hinnehmen will und sagt: "Ich will wieder Publikum im Ort." Weil das nicht von alleine kommt, schmieden Bürgermeister und Gemeinderat derzeit Pläne, um Besuche in Großpostwitz wieder erstrebenswert zu machen.

Wie soll das gehen? Die Überlegungen der Gemeinde beginnen mit dem Bau eines längst geplanten Pflegeheimes. "Darüber reden wir schon viele Jahre und sind trotzdem noch nicht an dem Punkt, dass so eine Einrichtung hier steht", bedauert Markus Michauk, äußert aber eine vorsichtige Hoffnung: Derzeit gebe es intensive Verhandlungen mit einem potenziellen Investor, der nicht nur den Neubau finanzieren, sondern sich auch um den Betrieb kümmern will. Wirklich beeinflussen kann die Gemeinde dessen Pläne aber nicht: "Wir haben dieses Projekt leider aus der Hand gegeben und deshalb nur noch Beobachterstatus", erklärt Michauk.

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Gemeindeamt soll Ärztehaus werden

Anders sieht das bei der Frage nach der Zukunft des Gemeindeamtes aus. Derzeit wird der ehemalige Großpostwitzer Bahnhof zum neuen Verwaltungssitz umgebaut. Nach einigen Verzögerungen beim Bau würden die Arbeiten inzwischen gut vorankommen: "Wir liebäugeln mit einem Umzug im November", sagt der Bürgermeister. Dann steht das Verwaltungsgebäude am Gemeindeplatz leer - wenn es nach Michauk geht, aber nicht lange: "Wenn es hier mal ein Pflegeheim gibt, wäre es doch gut, wenn ein Arzt gleich um die Ecke wäre", überlegt er laut und macht kein Geheimnis daraus, welche Zukunft ihm für die Nachnutzung der Immobilie vorschwebt: Ein Ärztehaus soll im besten Falle daraus werden.

Aus heutiger Perspektive stehen die Chancen dafür gut: "Eine junge Ärztin, die im kommenden Jahr ihre Facharztausbildung abschließt, hat die Idee, sich hier anzusiedeln", sagt Michauk. Darüber hinaus denke ein Kinderarzt aus Singwitz darüber nach, seine Praxis nach Großpostwitz zu verlegen. Davon wiederum hätten drei junge Hebammen gehört, die mit dem Gedanken der Eröffnung einer Gemeinschaftspraxis in der Nähe eines Kinderarztes spielen. "Das passt", findet Michauk. Um Kinder sei es in Großpostwitz schließlich nicht schlecht bestellt.

Das gesamte Ortszentrum könnte profitieren

So günstig die Vorzeichen für das Vorhaben also stehen - scheitern könnte es noch an Kosten und Zeitrahmen. "Wir müssen im Herbst nächsten Jahres in den Praxisbetrieb gehen, sonst stirbt das Projekt", sagt Michauk mit Blick auf die Tatsache, dass die junge Ärztin im kommenden Jahr starten will.

Die größte Herausforderung dabei: Der zeitgemäße Umbau des Gemeindeamtes. Barrierefreie Zugänge müssen errichtet, der Brandschutz gewährleistet, Datenleitungen gelegt und die Raumzuschnitte angepasst werden. Das alles kostet: "Erste grobe Kostenschätzungen haben ergeben, dass ein Umbau aller drei Etagen rund 2,8 Millionen Euro kosten würde. Das ist eine Hausnummer, die für uns aktuell nicht darstellbar ist", rechnet Michauk vor und setzt stattdessen auf eine abgespeckte Variante und Fördermittel aus dem Programm "Vitale Dorfkerne". Wichtig für den Bürgermeister ist eine konsistente Planung, die die Gemeinde jetzt in Auftrag geben will: "Ich brauche planbare Kosten", so Michauk.

Ein Hauptargument, um das Vorhaben voranzutreiben, ist für Michauk dessen Wirkung auf das gesamte Ortszentrum: "Wir haben in unmittelbarer Nähe einen Bäcker und einen Fleischer, die ebenfalls von mehr Publikumsverkehr profitieren könnten", sagt er und leitet über zum nächsten Plan: Die Immobilie der ehemaligen Gaststätte an der Hauptstraße 4, in direkter Nähe zum Gemeindeamt, gehört ebenfalls der Kommune.

Neuer Pächter für alten Gasthof gesucht

Michauk wünscht sich, hierfür einen neuen Pächter zu finden. "Wir brauchen im Ort unbedingt wieder eine Gastronomie. Während Corona war es allerdings sinnlos, nach einem Interessenten zu suchen." Jetzt aber sei der Moment günstig - auch für einen potenziellen Gastwirt: Der, verspricht Michauk, hätte in der Gemeinde einen verständnisvollen Verpächter, dem es zuvorderst darum gehe, den alten Gasthof wieder zu beleben.

Ein weiteres Vorhaben Michauks liegt direkt nebenan: Das Gebäude, in dem einst ein Schlecker-Drogeriemarkt untergebracht war, soll abgerissen werden. "Die Bausubstanz ist so marode, dass eine Reaktivierung einfach keinen Sinn macht", sagt der Bürgermeister. Auch für dieses Areal, sagt er, gebe es einen Interessenten: Ein therapeutischer Dienstleister könnte hier bauen.

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Gebaut werden sollen außerdem zwei neue Spielplätze im Gemeindegebiet; das Außengelände der Grundschule soll umgestaltet werden. Die Vielzahl der Aktivitäten verdeutlicht, welcher Gedanke Michauk treibt, um seine Gemeinde zukunftsfest zu machen: "Wir versuchen mal, an alle gleichermaßen zu denken."

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