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Pirnas Chef-Geburtshelfer geht in den Ruhestand

Gynäkologie-Chefarzt Dr. Klaus Haffner verabschiedet sich nach über 40 Dienstjahren. Sein Nachfolger leitet nun die Abteilungen in gleich zwei Häusern.

Der scheidende Gynäkologie-Chefarzt Dr. Klaus Haffner (l.) und sein Nachfolger Dr. Fakher Ismaeél: Es gibt nichts Schöneres, als ein Kind auf die Welt zu bringen.
Der scheidende Gynäkologie-Chefarzt Dr. Klaus Haffner (l.) und sein Nachfolger Dr. Fakher Ismaeél: Es gibt nichts Schöneres, als ein Kind auf die Welt zu bringen. © Daniel Schäfer

Gezählt hat er sie nicht, aber ein paar Tausend waren es mit Sicherheit. Mehrere Tausend Mal hat er das Wunder erlebt, wie sich neues Leben Bahn bricht, heraus aus dem Mutterschoß, heraus aus dem neunmonatigen Dauerquartier mit Vollpension, bis zum ersten Schrei, bis sich zum ersten Mal die Augen öffnen. "Es ist jedes Mal ein erhebendes Gefühl, bei einer Geburt dabei zu sein", sagt Dr. Klaus Haffner.

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Über Jahrzehnte hinweg war Haffner der Chef-Geburtshelfer und Chef-Gynäkologe im Pirnaer Klinikum, anfangs noch im alten Krankenhaus an der Schandauer Straße, später dann im Neubau auf dem Sonnenstein.

Doch nach über 40 Dienstjahren als Mediziner ist Schluss mit dem Arbeitsleben, Haffner geht nun in den Ruhestand. Er ist jetzt 68, er hat schon drei Jahre länger gearbeitet, als er eigentlich musste. "Ich bin freiwillig länger geblieben, weil ich noch so viele Erfahrungen weitergeben wollte und einfach Spaß an diesem Beruf habe", sagt er.

Verreisen, malen, fotografieren

Jetzt aber freut er sich auf andere Freuden. Angst vor dem Ruhestand, Angst davor, nach einem auch sehr zeitintensiven Arbeitsleben in ein Loch zu fallen, hat er nicht, dafür stehen zu viele Wünsche auf dem Programm.

Haffner will mit seinem Wohnmobil verreisen, malen, seine zehn Enkel besuchen, in der Natur fotografieren, mit dem Paddelboot über die Ostseewellen gleiten – und keineswegs mehr jeden Morgen 5 Uhr aufstehen müssen.

Langweilig wird im dabei gewiss nicht, es gilt, einiges nachzuholen und neu zu entdecken. "Denn ich hatte ja einen Beruf, bei dem vieles nebenher nicht geht", sagt er.

Das Physik-Studium ging in die Hose

Zu diesem Beruf kam Haffner, geboren in Weißenfels und aufgewachsen in Haldensleben, erst über einen naturwissenschaftlichen Umweg. Nach dem Abitur studierte er zunächst Physik. "Aber das ging voll in die Hose", sagt er.

So diente dann doch sein Vater, selbst seinerzeit Gynäkologie-Chefarzt, als Vorbild fürs Berufsleben. Haffner studierte Medizin und ließ sich von 1980 bis 1985 im Krankenhaus Schönebeck zum Facharzt ausbilden – natürlich in der Fachrichtung Frauenheilkunde.

Daran reizten ihn vor allem zwei Dinge: Zum einen operieren Gynäkologen sehr viel, vor allem frauenspezifische Krankheiten wie beispielsweise Brust- oder Gebärmutterhalskrebs. Zum anderen gab es da ja noch die Geburtshilfe. "Und es gibt nichts Schöneres, als Kinder auf die Welt zu bringen", sagt Haffner.

"Man könnte die ganze Welt umarmen"

Das tat er dann alsbald in Sachsen. 1985 kam er ans Krankenhaus nach Dippoldiswalde, bis 1991 war er dort Oberarzt, dann Chefarzt, dann Ärztlicher Direktor.

2004 ergab sich die Möglichkeit, nach Freital oder nach Pirna zu wechseln. Haffner entschied sich für die Stadt an der Elbe, weil sie mit einem Klinik-Neubau lockte, der 2007 auf dem Sonnenstein in Betrieb ging. Fortan war er nun in Pirna Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe – bis zu seinem Ruhestand.

Es war ein Beruf, eine Arbeit, die ihm stets viel Freude bereitete. Und eines wird er ganz besonders vermissen, ein ganz bestimmtes Gefühl.

Manchmal, sagt Haffner, ging es richtig knifflig und kompliziert zu, egal, ob bei einer Operation oder einer Entbindung. "Und wenn dann alles erfolgreich vollbracht war, hat man sich gefühlt, als könne man die ganze Welt umarmen", sagt Haffner. Das sei jedes Mal ein erhebendes Erlebnis gewesen.

Chefarzt-Wechsel auch in Freital

Ganz ähnlich wird es auch Dr. Frank Stoermer ergangen sein, Haffners Pendant im Klinikum Freital. Seit 1985 arbeitete er in diesem Krankenhaus, 2005 wurde der dort Gynäkologie-Chefarzt.

Und wie es der Zufall so wollte, ging auch Stoermer vor Kurzen in den Ruhestand, beide Stellen waren damit vakant. Und weil die beiden Kliniken zum Helios-Konzern gehören, ersann man dort eine neue Variante. Ein Nachfolger wird nun die Kliniken für Gynäkologie und Geburtshilfe in beiden Häusern in Personalunion leiten.

Und der Neue ist auch schon längst gefunden, er kommt über langjährige berufliche Stationen in Berlin und Hannover in den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Von Jordanien nach Berlin-Köpenick

Der neue Chefarzt ist Dr. Fakher Ismaèel, 62, geboren und aufgewachsen in Jordanien. In seinem Heimatland studierte er auch Medizin, obwohl er diese Fachrichtung anfangs nicht unbedingt favorisierte. "Eigentlich wollte ich Ingenieur werden", sagt er. Doch seine Mutter wünschte sich unbedingt einen Arzt in der Familie – ein Wunsch, den ihr der Sohn nicht abschlagen mochte.

Und für Medizinstudenten in Jordanien galt seinerzeit quasi eine ungeschriebene Regel: Entweder man lässt sich in Großbritannien oder Deutschland zum Facharzt ausbilden.

Ismaèel entschied sich für Zweiteres, 1987 begann er seine Facharzt-Ausbildung im Krankenhaus Berlin-Köpenick. Es war der Beginn einer ziemlich erfolgreichen, aber auch arbeitsintensiven Mediziner-Karriere.

Fast Tag und Nacht gearbeitet

1993 war er mit seiner Facharzt-Ausbildung fertig, zwei Jahre später wurde er Oberarzt und leitete in Köpenick die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.

2007 wechselte Ismaèel an die Charité, war dort erst Oberarzt, dann leitender Oberarzt und Vertreter des Klinikdirektors. Das Arbeitsaufkommen an einem so großen Haus war gewaltig. "Neun Jahre lang habe ich beinahe Tag und Nacht gearbeitet", sagt der Mediziner.

In der Charité kommen zwischen 4.500 und 5.500 Kinder pro Jahr zur Welt, das sind im Schnitt täglich zwölf bis 15 Geburten, dabei pro Nacht mindestens sechs Kaiserschnitte. "Das war ein harter Job, aber ich habe dabei viel gelernt", sagt Ismaèel. Manchmal sah er zwei, drei Tage hintereinander seine Familie nicht, weil er gleich in der Klinik schlief.

Die Geburtsmedizin vermisst

Doch nach neun Jahren war der Zeitpunkt erreicht, dass der Mediziner endgültig weg wollte vom Dauer-Bereitschaftsdienst. Ismaèel wechselte ans Klinikum Siloah nach Hannover.

In der niedersächsischen Landeshauptstadt lag sein Arbeitsschwerpunkt auf einem Gebiet, für das er sich schon in Köpenick spezialisiert hatte: Onkologie, also Krebsleiden bei Frauen zu behandeln. Er operierte viel, Kinder entband Ismaèel in Hannover allerdings keine.

Doch irgendwann vermisste er die Geburtsmedizin an seiner Wirkungsstätte so sehr, dass er dem Ruf von Helios nach Pirna und Freital folgte.

Pendeln von Berlin nach Pirna

Am neuen Arbeitsort will er zunächst all das fortsetzen, was schon aufgebaut wurde. "Meine beiden scheidenden Vorgänger haben hier in den vergangenen Jahren ein hervorragendes Umfeld geschaffen", sagt Ismaèel.

Zudem will er ein Pirnaer Becken- und Kontinenzzentrum zertifizieren lassen, auch beabsichtigt er, von der Deutschen Krebsgesellschaft als gynäkologisches Krebszentrum zertifiziert zu werden. Das sei für beide Klinik-Standorte sehr wichtig. Zudem will er auch weiterhin mit dem Dresdner Uni-Klinikum kooperieren, diese Zusammenarbeit besteht schon seit vielen Jahren.

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Fakher Ismaèel ist erst seit Kurzem Chefarzt an den Weißeritztal-Kliniken. Zum Auftakt half er Filino und Maximilian auf die Welt.

Ismaèel freut sich sehr auf seine neue Arbeit, auch darauf, die Sächsische Schweiz zu besuchen, er mag die Gegend sehr.

Gleichwohl wird er weiter pendeln, die Familie wohnt weiterhin in Berlin. "Aber immerhin", sagt Ismaèel, "spare ich dann im Vergleich zum Fahrtweg nach Hannover ein paar Kilometer."

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