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Mehr Geld für weniger Patienten

In der Pandemie gerieten die Kliniken an ihre Grenzen. Krankenversicherungen warnen nun vor ausufernden Ausgaben – auch nach Corona.

Intensivbetten mussten für Corona-Patienten bereitstehen. Andere Behandlungen wurden verschoben.
Intensivbetten mussten für Corona-Patienten bereitstehen. Andere Behandlungen wurden verschoben. © SYmbolfoto: Jefferson Bernardes/AP/dpa

Von Hannes Koch

Berlin. Die Corona-Krise hat viele Krankenhäuser unter Stress gesetzt. Mit dem Abebben der Pandemie läuft nun die Debatte über Konsequenzen für die Zukunft. Als „goldenes Jahr der Krankenhaus-Finanzierung“ bezeichnete der Verband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) die Corona-Zeit. 2020 sei es zu einer „Überkompensation“ der tatsächlichen Kosten in der stationären Behandlung gekommen, sagte Vorständin Stefanie Stoff-Ahnis am Mittwoch. Der Verband forderte die „sinnvolle Begrenzung der Krankenhaus-Ausgaben“.

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Der GKV vertritt die gesetzlichen Krankenversicherungen, etwa die Allgemeinen Orts-, Betriebs- und Ersatzkassen, in die Millionen Beschäftigte ihre monatlichen Beiträge einzahlen. Diese Organisationen finanzieren damit einen guten Teil der Gesundheitsversorgung, auch die Krankenhäuser. Der Verband hat also ein Interesse, dass vernünftig mit dem Geld der Versicherten umgegangen wird und die Ausgaben nicht zu sehr steigen.

Stoff-Ahnis stellte zwei Größen gegenüber: Einerseits sei die Zahl der in Krankenhäusern behandelten Patienten 2020 um 13 Prozent im Vergleich zu 2019 gesunken. Andererseits stiegen die Ausgaben für die Häuser um 15 Prozent. Ersteres ist dadurch zu erklären, dass ab Frühjahr 2020 viele Behandlungen verschoben wurden, um Platz für eventuelle Corona-Kranke freizuhalten. Dafür flossen vom Bund elf Milliarden Euro zusätzlich an die Häuser, um deren entgangene Einnahmen und Kosten für zusätzliche Intensivbetten auszugleichen. Mehr Geld für weniger Fälle – so dürfe es nicht weitergehen, warnte der GKV.

„Unerwünschte Mitnahmeeffekte“

Den Betreibern der Häuser warf der Verband auch mangelnde Transparenz vor. Laut Stoff-Ahnis gibt es immer noch eine „ungeklärte Differenz“ zwischen der Zahl der gemeldeten Intensivbetten und den zur Verfügung gestellten Mitteln. Die Größenordnung könne man nur schätzen, so Stoff-Ahnis. Eigentlich müssten über 2.000 Betten mehr vorhanden sein, erklärte sie. Der Bundesrechnungshof hatte unlängst „unerwünschte Mitnahmeeffekte“ der Krankenhäuser bemängelt. Wulf-Dietrich Leber, der Krankenhaus-Experte des GKV, sagte, die Tendenz zu weniger stationären Behandlungen werde sich in Zukunft fortsetzen. „Wir werden nie wieder so viele Fälle haben wie 2019“, so Leber.

Begründung: Während Corona hätten einige Patienten gelernt, dass sie auch anders zurechtkämen. Ob diese Entwicklung wirklich eintritt, bleibt allerdings abzuwarten. Leber forderte trotzdem, das Angebot an eine niedrigere Nachfrage anzupassen. Mehr Kranke sollten ambulant und nicht stationär operiert werden. Das entlaste auch das Pflegepersonal, das sich dann um weniger Patienten in den Krankenhäusern kümmern müsse.

Weiterhin forderte der GKV die „Leistungskonzentration“ in größeren, spezialisierten Krankenhäusern. „Systemrelevante Versorger“ müssten gestärkt werden. „Nicht bedarfsnotwendige Krankenhäuser“ seien zu schließen. Der Verband betonte jedoch auch, dass es ihm „nicht um die Schließung kleiner Krankenhäuser auf dem Land geht“. 13 Prozent der Kliniken lagen im Jahr 2019 im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, hieß es in dem ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten „Krankenhaus Rating Report“ des RWI-Instituts für Wirtschaftsforschung.

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Auch die Zahl der Intensivbetten könne möglicherweise sinken, so der GKV. Diese Position steht in einem gewissen Widerspruch zur These der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems durch Corona. Im Gegensatz zu heute solle der Bund künftig die Krankenhausplanung von den Ländern übernehmen, sagte Leber.

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