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Meinung: Die Kosten fürs Pflegeheim sind zu hoch

Pflegeheimplätze werden immer teurer. Viele können die Kosten nicht mehr stemmen. Nun sind radikale Schritte nötig.

Von Kornelia Noack
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Die Pflege braucht eine grundlegende Reform, kommentiert Kornelia Noack.
Die Pflege braucht eine grundlegende Reform, kommentiert Kornelia Noack. © dpa

Pro Monat 2.184 Euro! So viel muss ein Pflegeheimbewohner derzeit in Sachsen für seinen Platz dazu bezahlen. Im Durchschnitt. Wer bitte soll das leisten? Senioren beziehen hierzulande gerade mal monatlich 1.310 Euro Rente im Schnitt. Da sind also die Ersparnisse schnell aufgebraucht, und der Weg zum Sozialamt ist programmiert. Tatsächlich setzen Millionenausgaben für die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ erste Kommunen im Freistaat unter Druck.

Allein in Dresden wuchsen die Ausgaben für bedürftige Heimbewohner im vergangenen Jahr von 7,5 Millionen auf mehr als 9,4 Millionen Euro. 2018 waren es mal 3,5 Millionen Euro. Auch die Stadt Chemnitz registriert eine wachsende Zahl an Anträgen auf die Sozialleistung. Allein 561 Pflegebedürftige meldeten vergangenes Jahr Bedarf an der „Hilfe zur Pflege“ an. Ausbezahlt hat die Stadt immerhin rund 3,1 Millionen Euro.

Pflege in Sachsen: Wer soll das bezahlen?

Dabei sollte doch alles besser werden, als Union und SPD Mitte 2021 ihr Pflegereförmchen verabschiedet haben. Pflegekräfte sollten endlich nach Tariflohn bezahlt werden und den Bewohnern sollte durch Zuschüsse aus der Pflegekasse finanziell unter die Arme gegriffen werden. Nur die Frage der Finanzierung – die wurde geflissentlich ignoriert.

Dabei liegt es auf der Hand: Steigen die Pflegekosten, wirkt sich das unmittelbar auf die Zuzahlungen der Heimbewohner aus.

Den größten Batzen, den die Politik mit ihren Plänen den Trägern auferlegt hat, sind die Personalkosten. Dass Pflegekräfte in den Einrichtungen endlich fairer bezahlt werden mussten, steht außer Frage. Das sei vor allem auch nötig gewesen, um genügend Menschen für den anspruchsvollen Beruf zu gewinnen, wie Michael Junge, der Vorsitzende des Sächsischen Pflegerates, betont. Doch wenn nicht an die Bewohner, an wen sonst sollen die Heime die enormen Kostensteigerungen weitergeben?

Finanzielle Notlagen müssen verhindert werden

Oder nehmen wir die Zuschüsse, die vom ehemaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als Kostenbremse angepriesen wurden. Die Idee: Je länger jemand im Heim lebt, umso mehr wird er finanziell entlastet. Um bis zu 70 Prozent bei einer Wohndauer von mehr als drei Jahren. Allerdings wirkt die Bremse nicht. Warum? Der prozentuale Zuschuss bezieht sich lediglich auf den reinen Pflegeaufwand. Bewohner müssen aber auch für Unterkunft, die Verpflegung, Ausbildung und Investitionskosten aufkommen. Da diese Beträge ebenfalls weiter rasant steigen, hebt sich das Ganze unter Umständen am Ende auf. Das haben Analysen verschiedener Sozialverbände ergeben.

So funktioniert es also nicht. Die Gefahr, dass die selbst zu zahlenden Eigenanteile noch weiter überhandnehmen, ist groß. Nur wie dann? Nach wie vor im Raum steht die Diskussion um die Investitionskosten. Der Verband der Ersatzkassen fordert lange schon eine 100-prozentige Kostenübernahme durch die Länder. Es wäre zumindest ein erster kleiner Schritt und würde die Bewohner in Sachsen um durchschnittlich 415 Euro entlasten.

Noch besser wäre natürlich eine grundlegende Reform. Denn darin dürften sich alle einig sein: Pflegebedürftigkeit darf weder die Betroffenen noch deren Angehörige in finanzielle Notlagen bringen.

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