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Neue Studie belegt: Hautcheck senkt Sterblichkeit

Ärzte rechnen mit einem starken Anstieg der häufigsten Krebsart Hautkrebs. Mangelnde Vorsorge liegt nicht nur an Patienten.

Mit einem Dermatoskop werden Auffälligkeiten geprüft.
Mit einem Dermatoskop werden Auffälligkeiten geprüft. © Philip Benjamin/NCT

Es dauert kaum eine halbe Stunde, bis der Arzt die Haut auf Veränderungen untersucht hat. Muttermale und andere Unregelmäßigkeiten werden zusätzlich mit einem Dermatoskop – einem Auflichtmikroskop – angeschaut. Auch nach Hautkrebserkrankungen in der Familie und nach Sonnenbränden fragt der Arzt, denn das sind weitere Risikofaktoren für eine Hautkrebserkrankung.

Obwohl gesetzlich Versicherte ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre einen Anspruch darauf haben, und einige Krankenkassen auch schon bei Jüngeren die Untersuchungskosten übernehmen, nutzt deutschlandweit nur etwas mehr als ein Drittel dieses Früherkennungsangebot. Die Sachsen sind – wie bei vielen Früherkennungsuntersuchungen – etwas gesundheitsbewusster, zeigt der Hautkrebsreport der Techniker Krankenkasse. Demnach haben 25.062 Sachsen in den Jahren 2018 oder 2019 den Hautcheck machen lassen, das sind 43 Prozent aller Anspruchsberechtigten. 2020 gingen aber nur noch 41 Prozent zum Screening – ein Rückgang, der mit der Corona-Pandemie erklärt wird, denn viele Ärzte boten in dieser Zeit keine Vorsorgeuntersuchungen an.

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Studie aus Dresden zeigt positiven Effekt

Doch der Hautcheck ist nicht unumstritten, nicht nur aufgrund der vergleichsweise geringen Teilnahmequote. Es fehlten bislang wissenschaftliche Nachweise, dass durch das Screening Todesfälle am gefährlichen schwarzen Hautkrebs, dem Melanom, verhindert werden.

Doch das hat sich jetzt geändert: Eine aktuelle Studie aus Dresden zeigt nun, dass die vorsorgliche Untersuchung der Haut tatsächlich einen positiven Effekt auf das Überleben einer Hautkrebserkrankung hat. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass schwarzer Hautkrebs durch das Screening früher entdeckt werden konnte“, sagt Professor Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für wissenschaftsbasierte Gesundheitsversorgung der TU Dresden. Die Behandlung setzte demnach früher ein, die Befunde waren nicht so groß, und die Tumore hatten auch meist noch keine Metastasen gebildet, was die Überlebenschancen erhöht.

Mit der ABCD-Regel schwarzen Hautkrebs erkennen:

A wie Asymmetrie: Muttermale, die keine runde gleichmäßige Form haben, sondern asymmetrisch aussehen, sollte man ärztlich untersuchen lassen.
A wie Asymmetrie: Muttermale, die keine runde gleichmäßige Form haben, sondern asymmetrisch aussehen, sollte man ärztlich untersuchen lassen. © Deutsche Krebsgesellschaft
B wie Begrenzung: Die Ränder von harmlosen Muttermalen sind oft scharf begrenzt. Wirken die Ränder verwaschen oder gezackt, ist das ein Warnsignal.
B wie Begrenzung: Die Ränder von harmlosen Muttermalen sind oft scharf begrenzt. Wirken die Ränder verwaschen oder gezackt, ist das ein Warnsignal. © Deutsche Krebsgesellschaft
C wie Color: Die Farbe einer Hautveränderung ist ein wichtiges Kriterium. Auffällig ist der Wechsel zwischen hell und dunkel, rosa oder grau/schwarz.
C wie Color: Die Farbe einer Hautveränderung ist ein wichtiges Kriterium. Auffällig ist der Wechsel zwischen hell und dunkel, rosa oder grau/schwarz. © Deutsche Krebsgesellschaft
D wie Durchmesser: Verdächtig sind Muttermale, die größer als zwei bis sechs Millimeter und halbkugelig erhaben sind.
D wie Durchmesser: Verdächtig sind Muttermale, die größer als zwei bis sechs Millimeter und halbkugelig erhaben sind. © Deutsche Krebsgesellschaft

Für die Studie analysierten Forscher des Nationalen Centrums für Tumorkrankheiten und der Medizinischen Fakultät Dresden Krankenkassendaten von mehr als 1,4 Millionen Versicherten der AOK Plus in Sachsen aus den Jahren 2010 bis 2016. Sie verglichen dabei die Sterblichkeit zweier Gruppen von Patienten, bei denen im genannten Zeitraum ein Melanom neu diagnostiziert wurde. Die Personen der ersten Gruppe haben in dieser Zeit mindestens einmal am Hautcheck teilgenommen, die zweite Gruppe hat keine Früherkennungsuntersuchung genutzt. Das Ergebnis: Die Sterblichkeit der Screening-Patienten war um 38 Prozent geringer als die der Vergleichsgruppe ohne Hautcheck.

„Die international publizierte Studie ist ein wichtiges positives Signal in der Bewertung des Screenings“, sagt Professorin Friedegund Meier, Leiterin des Hauttumorzentrums am Uniklinikum Dresden. Sie liefere starke Anhaltspunkte, dass das nationale Vorsorgeprogramm sinnvoll ist und erhalten bleiben sollte. Zur Dresdner Studie gibt es aber auch Bedenken, denn sie könne statistische Verzerrungen enthalten. „Zur Vorsorge gehen ja meist die Menschen, die ohnehin gut auf ihre Gesundheit achten. Wir wissen noch nicht, wie wir diejenigen besser erreichen, die durch ihre Arbeit im Freien gefährdet sind oder ein kritisches Sonnenverhalten zeigen“, so Meier. Durch die relative Kürze des Beobachtungszeitraums konnte zudem keine Langzeitwirkung des Programms analysiert werden. Weitere Untersuchungen müssten deshalb folgen.

Anstieg der Fälle um 40 Prozent erwartet

Hautkrebs ist mit knapp 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebsart in Deutschland. Die meisten Patienten leiden am hellen oder weißen Hautkrebs, jeder Zehnte jedoch hat ein Melanom. In Sachsen erkrankten 2018 rund 11.000 Männer und 12.000 Frauen an Hautkrebs.

In den nächsten Jahren rechnet das gemeinsame Krebsregister mit einem Anstieg der Erkrankungszahlen um 40 Prozent. „Das hat auch mit der Altersstruktur im Freistaat zu tun. Denn je älter die Menschen werden, umso mehr UV-Strahlung haben sie in ihrem Leben abbekommen“, erklärt Professorin Meier. Das Melanom gehört zwar immer noch zu den Tumorarten mit der höchsten Sterberate. Doch die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert. Neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie gibt es neue zielgerichtete Behandlungen und sogenannte Immuntherapien, die die Überlebenszeit erhöhen – bei guter Lebensqualität. Am besten behandelbar sind aber früh erkannte Tumore, sagt die Hautärztin.

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Die Inanspruchnahme der Vorsorge scheitert in vielen Regionen aber auch daran, dass es nicht genügend Hautärzte gibt, vor allem auf dem Land. Die Techniker Krankenkasse bietet deshalb eigenen Angaben zufolge als erste gesetzliche Krankenkasse ihren Versicherten eine fachärztliche Onlineberatung bei Hautproblemen an. Die Versicherten schildern auf der Internetplattform Onlinedoktor, die mit dem Berufsverband der Dermatologen zusammenarbeitet, ihre Beschwerden. Sie füllen einen Fragebogen aus und laden Fotos der betroffenen Hautstellen hoch. Innerhalb von 48 Stunden schätzt dann ein niedergelassener Hautarzt die Symptome ein und empfiehlt eine Therapie. Von dieser Lösung verspricht sich die TK gerade in Coronazeiten einen regen Zuspruch. Einen Check der gesamten Haut des Körpers kann dieses Angebot aber nicht ersetzen.

Nutzbar ist das Angebot unter www.tk.de (Ins Suchfeld Nummer 2094806 eingeben).

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