merken
PLUS Niesky

Nieskyer Chirurg operiert nicht mehr

Uwe Henschel wurde nach kurzer Krankheit aus dem Leben gerissen. Er leitete die Chirurgie in Niesky und rettete in Asien Menschenleben. Ein Nachruf.

Der Nieskyer Chirurg und Oberarzt Dr. Uwe Henschel während seines Einsatzes in Myanmar.
Der Nieskyer Chirurg und Oberarzt Dr. Uwe Henschel während seines Einsatzes in Myanmar. © privat

Der Gedanke zum Traumschiff im ZDF liegt nahe, wenn man weiß, wo von Uwe Henschel der letzte Arbeitsplatz war: Als Schiffsarzt auf einer der Aida-Urlaubsdampfer, der Touristen durch internationale Gewässer in ferne Länder bringt. Doch auf seiner jüngsten Schiffsreise in diesem Monat klagte der Nieskyer Arzt bereits über Schmerzen und musste sich selbst in ärztliche Obhut begeben. Es sollte seine letzte Fahrt auf der Aida werden. Erst 62-jährig, verstarb Uwe Henschel am vergangenen Dienstag in einem Dresdner Krankenhaus an einer Krebserkrankung.

Den Nieskyern ist er vor allem in den 1990er Jahren als Chirurg im Emmaus-Krankenhaus bekannt geworden. Er übernahm in diesen Jahren als Oberarzt die chirurgische Abteilung. Anderen Menschen aus ihrer Not helfen, sie wieder gesund werden zu lassen, dieses Motiv prägte ihn zeitlebens. Deshalb wollte der im brandenburgischen Luckau 1958 geborene Uwe Henschel unbedingt Arzt werden. Sein Fachgebiet ist dabei die Chirurgie geworden. Nach seinem Studium in Berlin und Dresden ging der junge Facharzt zunächst nach Weißwasser an das Krankenhaus.

Anzeige
Mit uns können Sie voll durchstarten
Mit uns können Sie voll durchstarten

Wer sportliche Erfolge erzielen will, sollte bestens ausgestattet sein. Im Görlitzer Muskelkater wartet Equipment zum Durchstarten.

Im Westen nicht geblieben

Nach der Wende zog es Henschel mit Anfang 30 in den Westen, in eine Klinik nach Bayern. Wohl und gar heimisch fühlte sich der junge Chirurg dort nicht, auch die Arbeit als Herzchirurg langweilte ihn, sagte Henschel in einem früheren SZ-Gespräch. Somit kehrte er 1993 in die Oberlausitz zurück, zumal seine Familie in Weißwasser lebte. Mit der Anstellung in Niesky zog er mit seiner Familie ebenfalls in die Kleinstadt.

Arzt in einer Wohlstandsgesellschaft zu sein, das genügte dem Chirurgen bald nicht mehr. Er wollte Menschen helfen, die sich keinen Arzt sonst leisten können, zum Beispiel in Asien. Er schloss sich nach der Jahrtausendwende der Hilfsorganisation "Ärzte für die Dritte Welt" an. Sein erster Einsatz führte ihn 2001 auf die Philippinen. Auf der Insel Mindanao half er den Ärmsten der Armen. Das erlebte Leid, aber auch die Freude seiner Patienten nach überstandenen Qualen setzten sich in seinem Kopf fest. Henschel entschloss sich, der Dritten Welt auch weiterhin als Mediziner zur Verfügung zu stehen.

Der Nieskyer Chirurg und Oberarzt Dr. Uwe Henschel (3.v.l.) während seines Einsatzes in Myanmar mit seinem OP-Team, fotografiert im vergangenen Jahr.
Der Nieskyer Chirurg und Oberarzt Dr. Uwe Henschel (3.v.l.) während seines Einsatzes in Myanmar mit seinem OP-Team, fotografiert im vergangenen Jahr. © privat

Nach Indien folgte Myanmar

Die Hilfsorganisation "German Doctors" schickte den Nieskyer Chirurgen 2006 nach Kalkutta (Kolkata). Der schlimmsten Stadt Indiens, wie Henschel im Nachhinein bestätigte. Die Luftverschmutzung war vergleichbar, als ob man 50 Zigaretten am Tag raucht. Tuberkulose und Unterernährung zählen zu den Standardkrankheiten in diesem industriellen Moloch. Zwei Monate lang linderte Henschel die Leiden der Menschen vor Ort.

Zu seiner zweiten Heimat wird für Uwe Henschel Myanmar, das frühere Birma und Burma. Über den Verein "Freunde für Asien" ist er mit seiner ersten Frau und Ärztin 2008 das erste Mal in diesem Land, genauer in einem umgebauten Militärlazarett an der Grenze zu Thailand. Sehr spartanisch geht es darin zu, dem Personal fehlt selbst die OP-Kleidung. Das bestätigt der pensionierte Bauunternehmer Gerd Heitmann. Er begleitete das Ärzteteam mehrmals nach Myanmar.

Patienten das Leben gerettet

"Das Hospital hatte einen Dachschaden, der zu reparieren war, und es fehlte an ordentlicher Beleuchtung", sagt Gerd Heitmann rückblickend. Der Nieskyer Arzt Dr. Borchert spendete die beiden OP-Lampen für das Hospital, die bis zu dessen Neubau als Krankenhaus im vergangenen Jahr ihren Dienst verrichteten. Der Horkaer Unternehmer brachte sie als Luftfracht in das ferne Land und montierte sie, während Henschel sich um die Kranken kümmerte. "Dr. Henschel vollbrachte mitunter wahre Wunder und rettete nicht wenigen Patienten das Leben. Und das alles in einem uneigennützigen Einsatz und unter nicht optimalen Bedingungen für einen Chirurgen", sagt Gerd Heitmann.

Uwe Henschel war nicht nur ein Arzt auf der Sonnenseite des Lebens, sprich dem Traumschiff Aida, sondern mehr auf dessen Schattenseite. Neben seinen Hilfseinsätzen in Asien arbeitete er auch als Arzt in der JVA Bautzen. Er konnte vielen Menschen helfen und sie wieder gesund werden lassen. Nur bei ihm selbst hat es nicht funktioniert. Der Chirurg war zweimal verheiratet und hinterlässt drei Kinder.

Mehr zum Thema Niesky