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Riesaer startet Petition gegen steigende Pflegekosten

Weil er das bestehende System ungerecht findet, hat ein Riesaer jetzt nach Berlin geschrieben.

Von Stefan Lehmann
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Die Eigenanteile für Pflegebedürftige sind zuletzt gestiegen. Ein Riesaer fordert jetzt eine Deckelung der Beträge - und schreibt deshalb nach Berlin.
Die Eigenanteile für Pflegebedürftige sind zuletzt gestiegen. Ein Riesaer fordert jetzt eine Deckelung der Beträge - und schreibt deshalb nach Berlin. © dpa/ Kahnert

Riesa. Als er den Brief aus dem Pflegeheim seiner Mutter bekam, sei er erst einmal schockiert gewesen, schreibt Uwe Seyffarth. Etwa 300 Euro mehr sollte der Platz in der Einrichtung des Pflege- und Betreuungszentrums Riesa (PBZ) kosten, hieß es in einer Mitteilung. Mehr als 1.800 Euro Eigenanteil stünden damit zu Buche.

"Ich habe das vor zwei Jahren schon einmal erlebt", sagt Uwe Seyffarth. Um den Heimplatz seines Vaters zu finanzieren, "mussten wir schon über das Sozialamt gehen". Zu zweit sei der Platz für den Vater nicht mehr finanzierbar gewesen - obwohl der immer einen ordentlichen Beruf ausgeübt habe. Als der Brief eingegangen sei, in dem das PBZ über die Preiserhöhung informierte, da sei die Empörung groß gewesen. "Hier muss was passieren", sagt Seyffarth. Nur reden helfe da nichts.

Kosten zwingen Betreiber zur Anpassung

Denn der Riesaer weiß auch: Es liegt nicht allein am PBZ, dass die Pflegeplätze immer teurer werden. Bei einer Informationsveranstaltung habe Geschäftsführerin Heike Eulenfeldt darüber informiert, dass steigende Kosten den Betreiber zu den Anpassungen zwingen. Schließlich legte Uwe Seyffarth einen Brief an den Petitionsausschuss des Bundestags auf, der zuletzt in den Einrichtungen des PBZ auslag.

"Meine 'Beschwerde' richtet sich nicht gegen die stark gestiegenen Kosten der Einrichtung, sondern diese auf die Bewohner der Pflegeheime umzulagern", heißt es in dem Schriftstück. "Wie uns in der Informationsveranstaltung klargemacht wurde, ist diese Erhöhung noch lange nicht 'das Ende der Fahnenstange'. Nächstes Jahr wird sich die Einrichtung tariflich binden (müssen), was mehr als notwendig erscheint, damit die Pflegekräfte endlich gerecht bezahlt werden können." Auch diese Erhöhung werde wohl wieder zu großen Teilen auf den Eigenbetrag umgelegt werden. "Es gilt also, im Sinne aller Pflegeheimbewohner schnellstens eine Pflegereform auf den Weg zu bringen, um die Kosten sozial gerecht aufzuteilen."

Das Thema beschäftigt nicht nur Bewohner der PBZ-Einrichtungen und ihre Angehörigen. Auch andere Heime in der Region stehen noch vor Pflegesatzverhandlungen, etwa das Vitanas-Seniorencentrum am Lutherplatz. Wie hoch diese derzeit liegen, dazu sind laut Leiterin Ramona Springsguth noch keine Kalkulationen vorhanden. Sie weist darauf hin, dass sich ab 2022 die Finanzierung ändert, nachdem der Bundestag im Sommer die "kleine Pflegereform" beschlossen hatte. Die Reform sieht laut Bundesgesundheitsministerium eine deutliche Entlastung der Pflegebedürftigen vor. Der Paritätische Gesamtverband hatte sie schon damals kritisiert: Es fehle nach wie vor "eine wirksame Regelung zur Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten, die alle Betroffenen wirklich entlastet".

"Es kommt ja jeder einmal in die Verlegenheit"

Genau so eine Deckelung wünscht sich auch Uwe Seyffarth. Er sagt, er habe sich vor allem an die Öffentlichkeit gewandt, um stärker auf das Thema aufmerksam zu machen. Im Moment beherrschten viele andere Themen die Schlagzeilen, von Corona über Koalitionsverhandlungen bis hin zum Klima.

Auch von PBZ-Chefin Heike Eulenfeldt gab es laut Seyffarth Unterstützung. Sie habe bei einer Informationsveranstaltung auf die Petition hingewiesen. Da habe er großen Rückhalt gespürt. "Es kommt ja jeder einmal in die Verlegenheit - entweder wegen der Angehörigen, oder weil er selbst einen Pflegeplatz braucht." An Ideen, wie sich die Kostensteigerung künftig geringer halten ließe, fehlt es ihm nicht: Ein wichtiger Punkt sei es etwa, "medizinische Leistungen, die die Pflegekasse trägt, endlich wieder zulasten der Krankenkassen umzulegen". Auch eine Bürgerversicherung könnte er sich vorstellen. "Unser Nachbarland Österreich hat vor Kurzem erst gezeigt, dass so etwas bewältigt werden kann. Weshalb sollten wir das nicht schaffen?"

So viel kostet derzeit ein Pflegeplatz in Riesa*:

  • Primavita Alten- und Pflegeheim Altriesa: 879,14 Euro
  • Vitanas Seniorencentrum Am Lutherplatz: 1.569,36 Euro
  • PBZ Seniorenhaus Hospitalweg: 1.590,36 Euro
  • PBZ-Seniorenhaus Rudolf-Breitscheid-Straße: 1.598,88 Euro
  • PBZ-Seniorenvilla Friedrich-Engels-Straße: 1.845,28 Euro
  • Azurit Seniorenzentrum Elbharmonie 1.843,15 Euro
  • Seniorenhaus Albert Schweitzer: 1.970,91 Euro

*für Pflegestufe 2; Quelle: AOK-Pflegenavigator