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Viele Sachsen sind von Sommergrippe geplagt

Husten, Kopfschmerz, Heiserkeit – derzeit kämpfen auffällig viele mit Atemwegsinfekten. Sachsens Hausarztchef erklärt, woran das liegt und was dagegen hilft.

Von Stephanie Wesely
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Sommerliche Temperaturen und eine verstopfte Nase – das ist Stress für den Körper.
Sommerliche Temperaturen und eine verstopfte Nase – das ist Stress für den Körper. © dpa

Sylvia hat es erwischt: Seit einer Woche machen ihr Husten, Heiserkeit und extreme Schlappheit zu schaffen. Abends dauert es lange, bis der Husten sich endlich beruhigt und den Schlaf ermöglicht, den die 40-jährige Dresdnerin zum Gesundwerden braucht. Zusätzlich verstärkt der Husten den Halsschmerz. Dann machte auch noch der Magen-Darm-Trakt schlapp. Durchfall, Übelkeit und Erbrechen rauben ihr die letzte Kraft. „Ich bin schon seit über eine Woche heiser, es wird einfach nicht besser. Und ich bin so kaputt. Ich starre Löcher in die Luft – und selbst das strengt mich schon an“, krächzt die sonst fitte und sportliche Frau genervt ins Telefon. Kein Einzelfall in Sachsen, wie eine kleine private Umfrage im Kollegenkreis zeigt: Jeder kennt mindestens eine Person, der derzeit mit ähnlichen hartnäckigen Symptomen wie Sylvia zu kämpfen hat.

Welche Erreger sind für die derzeit verbreiteten Infekte verantwortlich?

Laut Robert Koch-Institut (RKI) kursieren derzeit hauptsächlich Erkältungsviren, zum Beispiel Rhinoviren. Auch Influenza, Corona und RS-Viren werden wieder nachgewiesen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) – wie die Erkältung in der Fachsprache heißt – ist in der ersten Juniwoche im Vergleich zum Mai leicht gestiegen. Deshalb wurden auch mehr Arztbesuche registriert. Der Vorsitzende der sächsischen Hausärzte, Dr. Torben Ostendorf, kann aber gegenwärtig keine Erkrankungswelle ausmachen. „Die Infekthäufigkeit ist typisch für die Jahreszeit. Wir haben jedes Jahr um diese Zeit Fälle von sogenannter Sommergrippe. Das wechselhafte Wetter begünstigt das Ganze noch“, sagt er. Laut Grippe-Web – eine Meldeplattform des RKI – leiden derzeit fünf Prozent der Menschen an ARE.

Warum klagen so viele Erkältete über Heiserkeit und Stimmverlust?

Diese Beschwerden sind Torben Ostendorf zufolge typisch für Rhinoviren. „Das ist ein Zeichen dafür, dass die oberen Atemwege befallen sind. Diese Erkrankungen sind zwar nicht so schwerwiegend, werden dafür aber schneller verbreitet“, sagt er.

Welche Altersgruppen sind besonders betroffen?

Laut RKI sind Erwachsene in Sylvias Altersgruppe nicht so häufig betroffen wie Kleinkinder zwischen null und vier Jahren sowie Senioren über 80 Jahren.

Werden Rachenabstriche entnommen, um die Erreger zu diagnostizieren?

„Nein, denn das hätte keine therapeutische Konsequenz“, sagt der Hausarztchef. Da es keine ursächliche Behandlung von Atemwegsinfekten gibt, sei diese Testung unnötig. Es gibt eine Auswahl an Arztpraxen – sogenannte Sentinelpraxen –, die ganzjährig bei Infektpatienten Rachenabstriche entnehmen und analysieren lassen. „Die Ergebnisse fließen in die Wochenberichte der Landesuntersuchungsanstalt und des RKI ein, dienen also rein wissenschaftlichen Zwecken“, sagt er.

Woran erkennt der Arzt, ob Bakterien oder Viren verantwortlich sind?

Bakterielle Atemwegserkrankungen zeigen sich zum Beispiel an vereiterten Mandeln oder in Form einer Lungenentzündung. Bei dieser schwerwiegenden Krankheit haben Patienten auch häufig hohes Fieber, so Ostendorf. Dann sei eine Antibiotikagabe sinnvoll. Die üblichen Infekte werden meist durch Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika nichts ausrichten können.

Welche Hausmittel helfen bei Erkältungsbeschwerden?

Wichtig ist es, die Atemwege feucht zu halten. Das gelingt durch frische Luft, warme Bäder, Gurgeln, Inhalieren, Teetrinken und durch Lutschen von Kräuterbonbons. Gegen Halsschmerzen helfen kühlende Wickel, zum Beispiel mit Quark oder kühlem Wasser. Bei den Kräutern haben sich besonders Salbei und Thymian bewährt. Auch Zwiebelwickel oder Zwiebelsaft können Husten lindern. Da Honig auch entzündungshemmend wirkt, kann er vor dem Schlafengehen in etwas warmer Milch oder Tee genommen werden. Bei starker Verschleimung sollte auf Milch jedoch verzichtet werden. „Ganz oben auf der Liste steht aber körperliche Ruhe“, sagt Torben Ostendorf. Infekte schwächen den Körper, deshalb sollte man ihm nicht noch zusätzlich Leistung abverlangen.

Auch Sylvia hat mit Salbeitee, Zwiebelsaft und Ruhe ihre Beschwerden schon etwas gelindert. Sie hofft, dass in drei oder vier Tagen der Infekt vergessen ist und sie ihre Urlaubsreise antreten kann.

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