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So finden Sie die perfekte Brille

Brillen können über 1.000 Euro kosten. Was zahlt die Kasse? Was taugen Discounter-Modelle? Welche Extras sind verzichtbar? Ein Überblick.

Drehen, Knicken, Biegen – moderne Brillenfassungen wie diese sind sehr widerstandsfähig. Der Chemnitzer Augenoptikermeister Thomas Hermann empfiehlt sie besonders Kindern und Jugendlichen.
Drehen, Knicken, Biegen – moderne Brillenfassungen wie diese sind sehr widerstandsfähig. Der Chemnitzer Augenoptikermeister Thomas Hermann empfiehlt sie besonders Kindern und Jugendlichen. © Andreas Seidel

Zwei von drei Erwachsenen in Deutschland tragen eine Brille. Und es werden immer mehr. Vor allem die Kurzsichtigkeit hat zugenommen – ein Tribut an Smartphone und PC-Arbeit. Mit dem Alter benötigen die meisten zusätzlich Hilfe beim Nahsehen, denn ab 45 lässt die Flexibilität der Augenlinse nach. Dann können Brillen teuer werden. Was Sie vor dem Kauf beachten sollten - ein Überblick:

Wo gehe ich hin, wenn ich erstmals eine Brille brauche – zum Augenarzt oder Optiker?

Die erste Untersuchung sollte beim Augenarzt stattfinden. „Er kann die Ursache ermitteln und prüfen, ob weitere Erkrankungen des Auges vorliegen“, sagt Dr. Matthias Müller-Holz, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte in Sachsen. Auch bei plötzlich einsetzender Sehverschlechterung, bei Schmerzen im Auge oder bei Blitzen und schwarzen Flecken im Gesichtsfeld sei ärztlicher Rat wichtig – das kann sogar ein Notfall sein. Augenarzt und Optiker können das Auge vermessen und die Glasstärke bestimmen. „Wir Optiker nehmen uns dafür noch mehr Zeit, weil die Brille auf die zukünftige Nutzung abgestimmt werden muss. Diese Zeit hat der Arzt in der Sprechstunde oft nicht“, sagt Thomas Hermann, stellvertretender Landesinnungsobermeister der Optiker in Sachsen. Wer bereits Brillenträger ist und eine neue Brille braucht, kann sie aber auch vom Optiker anpassen lassen.

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Ist eine Augenprüfung beim Optiker kostenpflichtig?

Nicht immer. „Gibt es eine ärztliche Verordnung für eine Brille, übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Augenprüfung“, sagt Thomas Hermann. Ohne Verordnung fielen aber meist Kosten an.

Beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten für eine Brille?

Ja, jedoch nicht immer. Die Kasse zahlt, wenn Kurz- oder Weitsichtige eine Brille mit sechs Dioptrien und mehr benötigen oder wenn eine Hornhautverkrümmung mit mindestens vier Dioptrien vorliegt. Liegt eine ärztliche Verordnung für die Brille vor, gibt es einen Festzuschuss. Die Festpreise wurden zum 1. Oktober angehoben. Sie liegen zwischen 16,23 Euro pro Glas für Einstärkengläser und 159,81 Euro pro Glas für Mehrstärkengläser. Die Brillenfassung ist selbst zu zahlen.

Gibt es auch Gleitsicht- oder Kunststoffgläser von der Kasse?

„Wenn Einstärkengläser die Sehbeeinträchtigung nicht zufriedenstellend ausgleichen, kann der Augenarzt auch Gleitsicht- oder Multifokalgläser verordnen, für die die Kasse dann die Festbeträge zahlt“, sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus. Die Regelversorgung erfolge mit mineralischen Gläsern – sprich Glas. Kunststoffgläser kämen zum Beispiel bei Kindern in Betracht oder auch, wenn das Gewicht der mineralischen Gläser zu hoch wäre und Schmerzen bereite.

Moderne Brillen enthalten heute allerlei Extras, die teurer sind. Welche sind für wen sinnvoll?

Härtung, Entspiegelung und UV-Schutz sind oft unverzichtbar und eigentlich keine Extras mehr, so der Optikermeister. Da sich 95 Prozent der Brillenkäufer für Kunststoffglas entscheiden, das kratzempfindlicher als Mineralglas ist, brauche es die Härtung. „Da gibt es preiswertere Möglichkeiten, zum Beispiel durch einen aufgetragenen Lack, oder aber kostenintensivere Nanotechnologien. Eine Entspiegelung gibt es ebenfalls in mehreren Varianten. Sie kann einseitig oder beidseitig angeboten werden. Autofahrer profitieren davon, weil sie die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge nicht mehr blenden und störende Reflexe verschwinden. Moderne Brillengläser bieten heute meist den vollen UV-Schutz. „Eine sinnvolle Investition, da UV-Strahlung Ursache vieler Augenkrankheiten ist“, sagt Hermann.

Welche Extras sind verzichtbar?

Das sind Ausstattungen, die das Tragen der Brille komfortabler machen. Zu nennen wäre die Dicke des Glases. Stark Kurzsichtige brauchen konkave Gläser, diese sind im Randbereich dicker als in der Mitte. Je größer das Glas, umso dicker wird es am Rand. Auskunft über die Glasdicke gibt der Brechungsindex, erklärt das Kuratorium Gutes Sehen – eine Aufklärungsinitiative zur Augengesundheit. Je höher der Brechungsindex, umso dünner und leichter wird das Glas. Das erhöht die Kosten. „Stark Kurzsichtigen empfehle ich deshalb, die Gläser so klein wie möglich zu wählen. Das ermöglicht einen niedrigeren Brechungsindex“, so Hermann. Eine Lotusbeschichtung erspart ständiges Putzen. Wasser und Schmutz finden keinen Halt auf der Oberfläche. Eine Antifogbeschichtung verhindert das Beschlagen.

Top-Gläser seien zudem meist antistatisch, sie ziehen also nicht jedes Staubkorn an. Weitere Extras sind selbsttönende Gläser. Bei UV-Licht verdunkeln sie sich innerhalb von etwa 15 Sekunden. Zum Aufhellen brauchen sie meist drei bis fünf Minuten. Das ist für Menschen sinnvoll, die sich viel im Freien bewegen, aber nicht ständig die Brille wechseln wollen. Polarisierende Gläser mindern die Blendung durch gleißend helle Lichtreflexe auf Wasseroberflächen oder bei tief stehender Sonne auf nassen Straßen.

Internethändler bieten Brillenanpassung und Sehtest oft billiger an. Hat das einen Haken?

„Auf jeden Fall“, so Optiker Hermann. Beim Sehtest komme es auf den richtigen Abstand an. Das Lesen von Zahlen allein reiche ebenfalls nicht für eine Brillenglasbestimmung. „Wer sich eine Brille online anpassen lässt, riskiert, dass sie zu schwach oder zu stark wird. Beides kann Stress für die Augen sein und zu Kopfschmerz und tränenden, roten Augen führen.“ Auch die Pupillenposition – der Durchblickspunkt in der Brille – müsse genau stimmen. Das Schauen auf einen Bildschirmpunkt reiche dafür nicht.

Wie kommt es, dass man eine Gleitsichtbrille für 100 Euro, aber auch für 1.000 Euro bekommen kann?

„Preisempfehlungen durch Hersteller sind unzulässig“, sagt Thomas Hermann. Eine Brille, besonders eine Gleitsichtbrille, sollte eine individuell angefertigte Sehhilfe sein. Solch eine Brille sei dann aber etwas teurer. „Auch die Extras, die man haben möchte, beeinflussen den Preis.“

Wie schaffen es große Optiker-Ketten, die Preise für Gleitsichtbrillen so niedrig zu halten?

"Der Grund liegt in der Menge der hergestellten Brillen“, sagt Simon Kaufhold, Geschäftsführer der Optiker-Kette Robin Look. Man beziehe alle Gläser nur von einem Markenhersteller. Aufgrund des Produktionsstandortes in Deutschland seien bei seiner Firma auch die Lieferwege kurz. Die Glasrohlinge für die Weiterverarbeitung beim Markenhersteller kämen aber ausschließlich aus Fernost. „Ich war selbst lange in der optischen Industrie tätig und habe gelernt, wie man Herstellungsprozesse vereinfachen kann“, so Kaufhold. So sei auch sein Sortiment überschaubar. „Unsere Brillengläser sind standardmäßig aus Kunststoff, superentspiegelt sowie mit Hart- und Cleanschicht ausgestattet.“ Das erspare Beratungszeit. „In unseren Filialen beschäftigen wir ausgebildete Augenoptiker, denn wir sind Mitglied der Handwerkskammer.“

Auch Drogerien bieten Lesebrillen sehr günstig an. Können die gut sein?

Diese Fertigbrillen gibt es nur für geringe Fehlsichtigkeiten. „Sie sind nur Notbehelf, keinesfalls für den Dauergebrauch geeignet. Das müsste eigentlich auch so auf dem Produkt stehen, denn die Brillen sind nicht individuell an das Auge angepasst“, so Thomas Hermann. Bei längerem Tragen könnte es durch Über- oder Unterkorrektur zu Kopfschmerzen kommen.

Was ist bei der Wahl der Brillenfassung zu beachten?

Von modischen Aspekten abgesehen, sollte man einen Werkstoff wählen, gegen den man nicht allergisch ist. „Normale Metallbrillen enthalten oft Nickel. Das verträgt nicht jeder“, so der Chemnitzer Optiker. Kunststoff sei meist preisgünstiger. „Brillenfassungen gibt es aus Holz, Titan, Karbon, Schellack, Stein und sogar aus Papier.“ Für Kinder oder Jugendliche, die nicht so vorsichtig mit der Brille umgehen, gibt es Fassungen, bei denen die Bügel mehr als 180 Grad biegbar sind. Bei randlosen Modellen oder dünnen Metallen fällt die Glasstärke auf.

Wie pflege ich meine Brille?

Die Gläser werden am besten mit lauwarmem Wasser und einem Mikrofasertuch gesäubert. Abgepackte feuchte Brillenputztücher sind meist aus Zellstoff. Diese sind ungeeignet, weil sie besonders Kunststoff schnell zerkratzen. Ultraschallbäder sollten nicht zu häufig erfolgen, da damit Beschichtungen der Gläser Schaden nehmen können. Mindestens einmal jährlich ist ein Check beim Optiker ratsam. Er kann Schraubverbindungen nachziehen und die Brille professionell reinigen. Wird die Brille abends abgelegt, kommt sie am besten in ein Etui. Keinesfalls darf die Brille auf den Gläsern liegen.

Ist es ratsam, eine etwas schwächere Brille als nötig zu tragen, um das Auge zu trainieren?

„Nein“, sagt Augenarzt Matthias Müller-Holz. Eine Unterkorrektur strenge die Augen an. „Das Fortschreiten der Kurz- oder Weitsichtigkeit wird damit nicht verzögert.“ Wichtig ist, dass die Brille optimal angepasst und subjektiv gut vertragen wird. Einer Verschlechterung der Sehfähigkeit könne man aber entgegenwirken, indem man sich nicht zu lange auf den Nahbereich konzentriert oder auf einen Punkt starrt. „Bei der PC-Arbeit, Smartphone-Nutzung oder beim Lesen ist es ratsam, den Blick auch immer mal wieder in die Ferne zu richten. Das trainiert die Beweglichkeit der Augenlinse. Das Auge kann sich erholen“, sagt der Augenarzt.

Lässt sich bei Kindern Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamen?

Wenn beide Eltern stark kurzsichtig sind, steigt das Risiko, dass auch das Kind frühzeitig eine Brille braucht. „Mit dem Körperwachstum wächst auch der Augapfel, damit nimmt die Kurzsichtigkeit zu, oft sogar rapide“, erklärt der Augenarzt. Eine vergleichsweise neue Möglichkeit der Behandlung ist das Myopie-Management. Dabei erhält das Kind atropin-haltige Augentropfen. Atropin wird in höherer Konzentration zur Pupillenerweiterung vor Untersuchungen des Augenhintergrundes eingesetzt. Zur Behandlung der Kurzsichtigkeit muss es aber schwächer dosiert sein. Es soll das Längenwachstum des Augapfels bremsen. „Es ist für Kinder im Wachstum geeignet“, so Müller-Holz. „Die Tropfen müssen vom Apotheker angefertigt werden. Es gibt noch keine Zulassung für fertige Präparate und auch keine Kostenübernahme.“

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  • Teil 1: Wie die richtige Brille finden?
  • Teil 2: Was taugen Kontaktlinsen vom Discounter?
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  • Teil 4: Wie lässt sich eine Makuladegeneration aufhalten?
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