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So tückisch ist eine Mittelohrentzündung

Zum "Welttag des Hörens" klärt das Pirnaer Klinikum darüber auf, warum Betroffene die Symptome ernst nehmen und rasch zum Arzt gehen sollten.

Beim Hörtest misst HNO-Chefarzt Dr. Alexander Blödow (Mitte) die Schallübertragung über
das Trommelfell und die sogenannte Gehörknöchelchenkette.
Beim Hörtest misst HNO-Chefarzt Dr. Alexander Blödow (Mitte) die Schallübertragung über das Trommelfell und die sogenannte Gehörknöchelchenkette. © Helios Klinikum Pirna

Als sich der Mann bei Dr. Alexander Blödow, Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde im Pirnaer Klinikum auf dem Sonnenstein, vorstellte, war die Krankheit bereits weit fortgeschritten.

Zu Hause musste der 54-jährige Patient schon seit geraumer Zeit den Fernseher ziemlich laut stellen, um überhaupt noch etwas zu hören. Der Dreh am Lautstärkeregler gedieh nicht immer zur Freude von Familie und Nachbarn.

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Der Grund der Schwerhörigkeit war schnell gefunden. Der Chefarzt diagnostizierte bei dem Mann eine chronische Mittelohrentzündung - in einem schon sehr weit entwickeltem Stadium.

Betroffene gehen oft zu spät zum Arzt

Dieses Beispiel hat das Klinikum bewusst gewählt: Am 3. März ist "Welttag des Hörens", und aus diesem Anlass klärt das Krankenhaus auf, warum Betroffene die Symptome einer beginnenden Schwerhörigkeit ernst nehmen und möglichst rasch zum Arzt gehen sollten.

Denn nach Aussage von Dr. Alexander Blödow sei eine chronische Mittelohrentzündung sehr heimtückisch. Sie entwickle sich schleichend und oft unbemerkt, da das erkrankte Ohr nicht schmerzt.

Betroffene gingen zumeist erst zum HNO-Arzt, wenn sie schlechter hören und wiederholt Flüssigkeit aus dem Ohr läuft. Doch dank moderner Medizin, so der Chefarzt, müsse Schwerhörigkeit nur noch selten ein unabwendbares Schicksal sein.

Diagnostik: ein Blick ins Ohr und ein spezieller Hörtest

Fast eine Million Menschen sind laut dem Deutschen Schwerhörigenbund hochgradig schwerhörig. "Die Ursachen dafür sind vielfältig und an kein Alter gebunden", sagt Blödow, der in seiner Klinik Säuglinge ebenso wie Senioren bei allen Arten der Erkrankung der Ohren, des Halses, Mund- und Rachenraumes sowie des Kehlkopfes behandelt.

Seine Diagnose beginnt nach einem ausführlichen Gespräch mit den Betroffenen immer mit einem Blick in die Ohren. "So lässt sich schon einmal abklären, ob die Ursachen für die Schwerhörigkeit im Bereich des Gehörgangs, des Trommelfells oder des Mittelohrs liegen", sagt der Mediziner.

Ein anschließender Hörtest in einem speziellen Raum misst die Schallübertragung über das Trommelfell und die sogenannte Gehörknöchelchenkette. Diese gelenkig miteinander verbundenen Knöchelchen leiten den Schall vom Trommelfell über das Mittelohr zum Innenohr. Eine umfassende Diagnose lässt sich somit erstellen.

Eine mögliche Ursache: fehlende Ohr-Belüftung

Bei dem Mann mit dem lauten Fernseher lautete die Diagnose: chronische Mittelohrentzündung. "Wodurch sie entsteht, ist nicht genau geklärt. Die Belüftung des Mittelohres spielt dabei jedoch eine wichtige Rolle", sagt Blödow.

Sei dieses etwa durch Erkältung nicht richtig belüftet, entstehe ein Unterdruck im Ohr. Das Trommelfell ziehe sich in den Mittelohrraum, das könne zu Entzündungen führen. Auch ein verletztes Trommelfell, verursacht durch eine akute Entzündung oder äußere Einwirkung, könne eine chronische Mittelohrentzündung auslösen.

Auch wenn die Ohren nicht schmerzen, sollten Betroffene unbedingt einen HNO-Facharzt aufsuchen, sobald wiederholt oder dauerhaft Sekret aus einem oder beiden Ohren fließt und die Hörleistung langsam abnimmt. "Diese Signale sind ernst zu nehmen und sollten unbedingt abgeklärt werden", sagt der Chefarzt.

Titanimplantat ersetzt Gehörknöchelchen

Bei dem Mann mit dem lauten Fernseher war die Entzündung in beiden Ohren bereits so weit fortgeschritten, dass sowohl das Trommelfell als auch die Gehörknöchelchenkette auf beiden Ohren zerstört waren. Es folgten mehrere Operationen.

Zunächst wurden die Entzündungsherde entfernt. Nach der Wundheilung ersetzten Dr. Blödow und sein Team bei dem 54-Jährigen die zerstörte Gehörknöchelchenkette durch ein Titanimplantat. "Das ist bei uns ein standardisierter Eingriff", sagt der Chefarzt.

Ein Blick in die Ohren des Patienten zeigte bei der ambulanten Nachbehandlung: Alles war sehr gut verheilt, der rekonstruierte Gehörgang war entzündungsfrei. Der Hörtest ergab: Die gut eingewachsene Titanprothese überträgt den Schall optimal von der Gehörschnecke auf das Innenohr. Letztendlich war nicht nur der HNO-Chefarzt zufrieden, sondern auch der Patient. "Endlich kann ich wieder hören", sagt der 54-Jährige, "es ist jetzt ein Genuss, Fernsehen zu schauen."

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