merken
PLUS Dresden

So soll sich Dresdens Klinikum verändern

Das Städtische Klinikum ist in finanzielle Schieflage geraten - Grund für eine Umgestaltung. Jetzt haben Stadt und Klinikleitung ihren Plan vorgestellt.

Alle Standorte des Städtischen Klinikums Dresden sollen zwar erhalten bleiben. Einer wird den Plänen zufolge aber nicht mehr als klassisches Krankenhaus genutzt.
Alle Standorte des Städtischen Klinikums Dresden sollen zwar erhalten bleiben. Einer wird den Plänen zufolge aber nicht mehr als klassisches Krankenhaus genutzt. © Sven Ellger

Dresden. Bis 2035 soll das Städtische Klinikum in Dresden sein Gesicht komplett verändern. Ambulante Medizin in Trachau, stationäre in Friedrichstadt - so könnte man das Zukunftskonzept kurz umreißen, das Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) und Klinik-Direktor Marcus Polle am Montag vorgestellt haben.

Das finale Konzept, über das jetzt der Stadtrat entscheiden soll, unterscheidet sich grundsätzlich zwar nicht vom Entwurf, der bereits im September präsentiert worden war. Die Erfahrungen der Corona-Pandemie allerdings könnten den Plänen noch einmal neue Bedeutung geben. Was die Stadt vorschlägt, was das alles kosten soll, und was das für die Dresdner bedeutet.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Was passiert mit dem Friedrichstädter Krankenhaus?

In Friedrichstadt soll bis 2035 die komplette stationäre Versorgung körperlicher Leiden angesiedelt werden. Im Konzept der Stadtverwaltung ist von einem Campus die Rede. Geplant sind neun medizinische Zentren, in denen die bisherigen Fachabteilungen gebündelt werden. So sollen ein Bauchzentrum, ein Kopf- und Neurozentrum, ein Zentrum für Herz und Gefäße, ein onkologisches Zentrum sowie ein Mutter-Kind-Zentrum entstehen.

Die Kosten dafür belaufen sich auf schätzungsweise 314 Millionen Euro, die unter anderem für die Sanierung baufälliger Gebäude anfallen, aber auch für den Abriss und den Neubau neuer Häuser. So soll zum Beispiel der Plattenbau an der Seminarstraße Platz für ein Gebäude machen, in welches das Zentrum für Altersmedizin zieht.

Mit diesen Gebäuden und Zentren plant die Stadt das Friedrichstädter Krankenhaus bis 2035 auszustatten.
Mit diesen Gebäuden und Zentren plant die Stadt das Friedrichstädter Krankenhaus bis 2035 auszustatten. © Stadtverwaltung Dresden

Die Medizin spezialisiere sich immer weiter, außerdem würden verschiedene Fachrichtungen immer enger zusammenarbeiten, sagt Dr. Harald Schmalenberg, der die Onkologie in Friedrichstadt leitet. Insofern trage das vorgestellte Konzept der modernen Medizin Rechnung. Indem man die stationäre Versorgung in Friedrichstadt zentralisiere, komme man zu schnelleren Ergebnissen, die im Sinne der Patienten seien.

Die Bündelung in Friedrichstadt mit insgesamt 1.600 Betten soll Anfang der 2030er-Jahre umgesetzt werden.

Welche Zukunft hat der Standort in Trachau?

Das Krankenhaus am Standort Trachau hat derzeit 18 Kliniken und sechs sogenannte Zentren, unter anderem die für Adipositas, Brust und Infektionen. Das Klinikum Neustadt soll zum reinen Notfallzentrum werden, statt 364 Betten soll es in einigen Jahren noch zehn haben.

Dazu sollen Pflegeeinrichtungen einziehen und Wohnungen für Pflegebedürftige geschaffen werden. Anregungen wie von einigen Stadträten, dort wenigsten noch eine Ärztezentrum anzusiedeln, spielen in der derzeitigen Planung keine Rolle. Kritiker sprechen von eine „Quasi-Schließung“ der Klinik. Dagegen hat sich auch ein Pfleger in einer Petition ausgesprochen, die mehr als 5.000 Dresdner unterstützen. 15 Millionen Euro soll der Umbau des Krankenhauses zu einem Notfallzentrum kosten.

In Trachau verbleibt eine Notaufnahme. Auch das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) und das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MBZ) werden nicht umziehen müssen.
In Trachau verbleibt eine Notaufnahme. Auch das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) und das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MBZ) werden nicht umziehen müssen.

Für den Dresdner Norden ergebe sich daraus keine schlechtere Versorgung, betonen Polle und Schmalenberg. Die Fahrzeiten seien durchgerechnet worden. Das Sozialpädiatrische Zentrum und das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen sollen dem Plan nach ausgebaut werden.

Bleibt die Klinik am Weißen Hirsch erhalten?

Ja, wenn es nach dem Willen der Stadtverwaltung geht. Sie will den Standort sogar für 95,5 Millionen Euro ausbauen. Konkret sehen die Pläne vor, am Weißen Hirsch die dort bereits vorhandene Klinik mit der Friedrichstädter Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zu einem interdisziplinären Zentrum für die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zusammenzuführen. Dazu würde eine Tagesklinik gehören.

Die Lage am Waldrand wird für die Heilung als wesentlich eingeschätzt. Ergänzt werden könnte der Standort um eine sozialtherapeutische Wohnstätte für bis zu 36 Menschen mit schweren psychischen Einschränkungen. Selbst betreiben will die Stadt diese Wohnstätte aber nicht.

Beispiel Corona: Was bringt die Umstrukturierung?

Polle spricht von einer „hervorragenden Möglichkeit der Veränderung“, die an anderen Kliniken so nicht gegeben sei. Am Beispiel der Coronapandemie zeige sich konkret, dass die Doppel-Strukturen „nicht optimal“ seien. „Hätten wir die Somatik jetzt bereits an einem Standort, wäre die Pandemie besser zu meistern“, so Polle. Damit meint er alle Kliniken, die sich um körperliche Erkrankungen kümmern. „Wir haben Covid-Patienten, die intensiv behandelt werden müssen, auf beide Standorte verteilt.“ Die Infektologie sitzt aber in Trachau, andere relevante Zentren in Friedrichstadt. Dadurch bedürfe es einer intensiveren Planung. „An einem Standort wurden zudem die Intensivbetten knapp.“ Trotzdem war geplant, einen Patienten dorthin zu verlegen, der musste erneut umverlegt werden. Das wäre mit dem Campus-Konzept ausgeschlossen, weil alle Corona-Patienten in Friedrichstadt behandelt würden. „Durch die Pavillon-Bauweise wäre es beispielsweise auch möglich, ganze Gebäude nur für Corona abzustellen“, sagt Polle.

Wo soll das Geld dafür herkommen?

Der Umbau des Städtischen Klinikums soll zwischen 426 und 487 Millionen Euro kosten – je nachdem, wie stark die Baupreise in den kommenden Jahren steigen. Gesichert sind bisher 90 Millionen Euro über Fördermittel, städtische Eigenmittel und Kredite. So seien 42 Millionen Euro für die Sanierung des Hauses P in Friedrichstadt bewilligt worden, erklärte Marcus Polle, der kaufmännische Direktor des Klinikums, am Montag.

Eine Zusage, dass weitere 289 Millionen Euro an Fördermitteln kommen werden, gebe es nicht, so Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke). Dafür müsste das Zukunftskonzept erst einmal vom Stadtrat verabschiedet werden. Allerdings gebe es aus ersten Verhandlungen positive Signale seitens der Landesregierung.

Wie geht es jetzt weiter?

„Wir arbeiten an einem Online-Format zur Bürgerbeteiligung“, sagt Sozialbürgermeisterin Kaufmann. Wegen der Pandemie seien keine Veranstaltungen in großen Sälen möglich. Dazu wird das Konzept im Detail in allen betroffenen Stadtbezirksbeiräten vorgestellt, also in Loschwitz, Pieschen und Altstadt. Im Juni soll der Stadtrat entscheiden, ob Stadt und Klinikum das Campus-Modell weiterverfolgen oder andere Schwerpunkte gesetzt werden sollen. „Wir benötigen das Votum, um weiter planen zu können“, so Kaufmann.

Weiterführende Artikel

Klinikum: Notaufnahme ohne Krankenhaus?

Klinikum: Notaufnahme ohne Krankenhaus?

Bis 2035 will Dresden sein Klinikum umbauen. Vieles ist den Dresdnern noch unklar. Am Donnerstagabend stellten sich die Verantwortlichen den Fragen.

Dresdner Klinikum will Pläne diskutieren

Dresdner Klinikum will Pläne diskutieren

Stadt und Klinikleitung haben ihren Zukunftsplan 2035 vorgestellt. Jetzt wollen sie mit interessierten Bürgern darüber reden. So können Sie dabei sein.

Kampf ums Krankenhaus Dresden-Neustadt

Kampf ums Krankenhaus Dresden-Neustadt

Viele Dresdner wehren sich gegen die Schließung der Klinik. Deshalb könnten nun die Pläne fürs gesamte Klinikum Dresden ins Stocken geraten.

Klinikum Dresden: Weiteres Gutachten gefordert

Klinikum Dresden: Weiteres Gutachten gefordert

Dresden plant große Veränderungen bei den städtischen Krankenhäusern. Vielen Stadträten fehlen dafür noch Informationen, aber die Zeit drängt.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden