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Teure Zähne – was zahlt die Kasse?

Zwar sind am 1. Oktober die Zuschüsse gestiegen, aber nicht für alle Behandlungen. Experten beantworten Fragen von Lesern.

Keine Entzündungen oder Druckstellen – der Zahnersatz sitzt. Regelmäßige Kontrollen sind auch bei den „Dritten“ nötig.
Keine Entzündungen oder Druckstellen – der Zahnersatz sitzt. Regelmäßige Kontrollen sind auch bei den „Dritten“ nötig. © dpa-Zentralbild

Der Festzuschuss der gesetzlichen Krankenkassen ist von 50 auf 60 Prozent erhöht worden. Er gilt allerdings nur für die sogenannte Regelversorgung, die eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Behandlung vorsieht. Was das für Zahnersatz heißt und welche Art der Behandlung sinnvoll ist, dazu antworteten beim Telefonforum der Sächsischen Zeitung Dr. Thomas Breyer, Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen und Zahnärztin Dr. Florestin Lüttge auf Leserfragen.

Ich bekomme im November Zahnersatz. Mein Heil- und Kostenplan ist bereits im September von der Krankenkasse genehmigt worden. Habe ich trotzdem einen Anspruch auf die höheren Festzuschüsse?

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Die Krankenkassen haben bundesweit Ende September entschieden, den höheren Festzuschuss für alle Zahnersatzbehandlungen zu gewähren, die nach dem 30.09. vorgenommen werden. Das trifft auf Sie zu. Die Nachforderung können Sie nach Ende der Behandlung gegenüber Ihrer Kasse geltend machen.

Ich soll eine Einzelkrone bekommen. Gibt es dafür jetzt auch mehr Geld?

Ja, seit Oktober bekommen Sie einen höheren Festzuschuss. Ohne Bonusheft beträgt er 60 Prozent. Vorher waren es 50 Prozent. Wenn Sie mindestens fünf Jahre hintereinander lückenlos beim Zahnarzt waren, erhöht sich der Festzuschuss auf 70 Prozent. Können Sie zehn Jahre durchgehend Ihre Bonusstempel nachweisen, sind es sogar 75 Prozent. Bekommen Sie vor der Behandlung einen Heil- und Kostenplan, stehen die neuen Festzuschüsse automatisch drin.

Meiner Frau wurde ein Zahn gezogen, nun steht ihr eine Implantation bevor. Wir sorgen uns um die Kosten und den Aufwand. Was übernimmt die Krankenkasse? Was ist, wenn der Kieferknochen nicht dick genug ist für eine Implantation? Ab wann kann das Implantat belastet werden und wie lange hält es?

Die Implantation wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezuschusst. Das ist eine Privatleistung, die Konstruktion auf dem Implantat hingegen trägt die Kasse mit. In welcher Höhe, ist individuell unterschiedlich und hängt vom Zahnbefund ab. Zum Beispiel, ob die Lücke beidseitig von Zähnen begrenzt ist. In der Regel ist dann genug Kieferknochen vorhanden, wenn der Zahn davor ordentlich fest im Kiefer stand. Der Zahnarzt macht in jedem Fall eine genaue Diagnostik.

Sollte sich herausstellen, dass nicht genug Kieferknochen für die Implantation vorhanden ist, wird der Knochen zunächst aufgebaut. Nach drei bis sechs Monaten ist der neue Zahn dann voll belastbar, und wenn das Implantat gut eingeheilt ist, regelmäßig kontrolliert und gut gepflegt wird, wird es Ihrer Frau bestimmt viele Jahre gute Dienste leisten. All dies wird der behandelnde Zahnarzt gern mit ihr durchsprechen und einen Behandlungsplan für sie erstellen.

Gefragte Spezialisten: Dr. Thomas Breyer, Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen, und Zahnärztin Dr. Florestin Lüttge.
Gefragte Spezialisten: Dr. Thomas Breyer, Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen, und Zahnärztin Dr. Florestin Lüttge. © LZK Sachsen

Ich erhalte eine neue Prothese. Zunächst muss aber das Implantat erneuert werden, auf dem sie befestigt wird. Die Prothese zahlt zum Teil die Krankenkasse, das Implantat nicht. Ich soll jetzt für die Erneuerung des Implantats mehr zahlen als für die erste Implantation damals. Kann das sein? Ich kann das meinem Zahnarzt nicht glauben.

Das kann man schlecht beurteilen, ohne Ihren Fall genau zu kennen. Aber Fakt ist, dass die Versorgung mit Implantaten und auch deren Erneuerung unterschiedlich teuer sein kann, weil sie von vielen Faktoren abhängen. Entscheidend ist das Vertrauen zu Ihrem Zahnarzt. Lassen Sie sich gut von ihm beraten und stellen Sie all Ihre Fragen. Sollten Sie dennoch unsicher sein, holen Sie sich eine Zweitmeinung ein.

Ich bekomme Hartz IV und brauche Zahnersatz. Mein Bonusheft ist leider nicht vollständig. Welche Kosten trägt die Krankenkasse?

In Ihrem Fall spielt das Bonusheft keine Rolle. Hartz IV-Empfänger erhalten immer den doppelten Festzuschuss. Dieser reicht für die Regelversorgung aus. Das ist das medizinisch Notwendige. Was darüber hinausgeht, müssen Sie selbst bezahlen.

Ich möchte eine Professionelle Zahnreinigung machen lassen. Was kostet so etwas und bezahlt das die Krankenkasse?

Eine sogenannte PZR ist immer eine reine Privatleistung, die je nach Aufwand 80 bis 120 Euro kostet. Wir empfehlen Ihnen, das im Vorfeld mit Ihrem Zahnarzt zu klären. Er kann einschätzen, wie hoch der Aufwand ist und was es kosten wird. Manche Krankenkassen geben Zuschüsse. Bitte erkundigen Sie sich auch bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse, wie hoch deren Anteil an dieser Vorsorgemaßnahme ist.

Mein Zahnarzt hat mir gesagt, dass ich meinen Zahnersatz erst bekommen kann, wenn meine Parodontitis behandelt wurde. Stimmt das?

Ja. Damit Sie möglichst lange etwas von Ihrem Zahnersatz haben, ist es wichtig, dass zuerst Ihr Zahnfleisch behandelt wird.

Ich habe die Wahl zwischen Metall- oder Keramikkrone. Wozu raten Sie?

Das hängt davon ab, was Ihnen wichtig ist. Wenn sie keine Unverträglichkeiten haben und die Optik eher nebensächlich ist, reicht eine Metallkrone aus. Legen Sie jedoch größeren Wert auf Ästhetik und Schönheit, oder sind Sie nicht sicher, ob Sie das Material vertragen, ist eine Keramikkrone die richtige Wahl.

Ich nehme seit anderthalb Jahren das Medikament Xarelto zur Blutverdünnung wegen meines Vorhofflimmerns. Ich traue mich nicht zum Zahnarzt, da ich ohnehin schon verstärkt mit Zahnfleischbluten kämpfe und besorgt bin, dass es bei einer Behandlung gar nicht aufhört zu bluten. Was raten Sie mir?

Auch mit dem Medikament ist eine Zahnbehandlung möglich, und gerade bei Ihrem Krankheitsbild besonders wichtig. Informieren Sie Ihren Zahnarzt vor der Behandlung. Er wird alles Nötige veranlassen.

Ich bekomme Osteoporosespritzen. Unabhängig davon muss ein Zahn gezogen werden. Das soll wegen der Osteoporosebehandlung gefährlich sein. Was soll ich tun?

Die Spritzen gegen Osteoporose festigen die Knochen und wirken sehr, sehr lange. Bei Behandlungen im Mund, zum Beispiel beim Zahnziehen, kann es zu schweren Wundheilungsstörungen kommen. Bitte sprechen Sie über die Medikamenteneinnahme unbedingt im Vorfeld mit Ihrem Zahnarzt. Die Zahnbehandlung wird dann in enger Abstimmung mit Ihrem behandelnden Hausarzt erfolgen.

Ich habe eine Prothese, die nicht mehr richtig sitzt. Oft habe ich Druckschmerzen, aber sie sind noch auszuhalten. Ich möchte nicht gern zum Zahnarzt gehen. Was raten Sie mir? Kann ich die Prothese noch eine Weile so tragen?

Ganz klar nein. Bitte schieben Sie Ihren nächsten Zahnarztbesuch nicht länger auf. Sie sollten regelmäßig, nämlich mindestens einmal im Jahr, zu Kontrolluntersuchungen gehen, aber allerspätestens, wenn Sie Schmerzen haben. Schlecht sitzende Prothesen können zu Verletzungen im Mundraum führen und starke Entzündungen nach sich ziehen. Wenn Sie Angst vor einem Zahnarztbesuch haben, ist es besonders wichtig, dass Sie einen finden, dem Sie vertrauen können. Lassen Sie sich von ihm zeigen, was es für Möglichkeiten gibt, damit die Prothese wieder schmerzfrei sitzt.

Ich war in den letzten 28 Jahren jährlich bei der Zahnvorsorge und habe nur in einem Jahr eine Lücke in meinem Bonusheft. Kann ich dennoch auf den kompletten Zuschuss seitens der Krankenkasse hoffen?

Es gibt eine Kulanzregelung. In Ausnahmefällen kann die Krankenkasse trotz eines fehlenden Jahres den Bonus gewähren. Die Entscheidung liegt bei der Kasse.

Notiert von Stephanie Wesely.

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