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Leben und Stil

Titandioxid unter Krebsverdacht

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit hält Titandioxid im Essen für nicht sicher. Der Farbstoff steckt z.B. in Süßigkeiten und Backwaren, aber auch in Zahnpasta.

Das als Farbstoff in vielen Lebensmitteln - zum Beispiel in Fruchtgummi - verwendete Titandioxid ist nach Einschätzung einer EU-Behörde wegen möglicher Krebsrisiken nicht sicher für den menschlichen Verzehr.
Das als Farbstoff in vielen Lebensmitteln - zum Beispiel in Fruchtgummi - verwendete Titandioxid ist nach Einschätzung einer EU-Behörde wegen möglicher Krebsrisiken nicht sicher für den menschlichen Verzehr. © Jens Büttner/dpa

Berlin/Parma. Ein Aus für den weit verbreiteten Farbstoff Titandioxid im Essen rückt wegen möglicher Krebsrisiken näher. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner forderte am Donnerstag einen EU-weiten Stopp der Zulassung in Nahrungsmitteln. Zuvor hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im italienischen Parma Titandioxid, in der Zutatenliste oft E171 genannt, als nicht sicher für den menschlichen Verzehr eingestuft. Der weiße Farbstoff kann zum Beispiel in Kaugummi, anderen Süßigkeiten, Backwaren, Suppen und Salatsoßen stecken. Die von der Industrie viel genutzte Substanz ist schon länger umstritten.

Klöckner erklärte, dass die Gesundheit der Verbraucher an erster Stelle stehen müsse. "Im Sinne des Vorsorgeprinzips muss die EU-weit geltende Zulassung für Titandioxid daher zurückgenommen werden. Es ist nicht auszuschließen, dass der Lebensmittelzusatzstoff erbgutschädigend wirkt" erläuterte die CDU-Politikerin.

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Keine Beweise für eine toxische Wirkung

Frankreich hatte bereits vorher festgelegt, dass Titandioxid im Essen ab 2020 zunächst nicht mehr mehr verwendet werden soll. Im Dezember hatte Paris den Bann dann um ein Jahr verlängert. Auch deutsche Verbraucherschützer etwa von Foodwatch fordern seit einiger Zeit einen Verzicht. E171 kann auch in Medikamenten sein, etwa im weißen Überzug von Dragees. Das Farbmittel ist seit Jahrzehnten zugelassen.

Die Experten der EU-Behörde fanden nach eigenen Angaben jetzt zwar keine abschließenden Beweise für eine toxische Wirkung von E171. Sie konnten aber negative Effekte auf das menschliche Erbgut und mögliche Krebsrisiken nicht ausschließen. Deshalb rieten sie von Titandioxid im Essen ab. Die Behörde verhängte kein Verbot, sondern gibt ihre Studien an die Europäische Kommission und die 27 EU-Mitglieder. Brüssel und die Staaten können dann mit Vorschriften aktiv werden. In Deutschland schloss sich das Bundesinstitut für Risikobewertung der Bewertung aus Italien am Donnerstag an.

Partikel können sich im Körper ansammeln

Die EFSA in Parma war in einer früheren Studie 2016 zu einem weniger strengen Schluss gekommen. Sie hielt damals mehr Forschung für erforderlich. Jetzt erläuterte der für Lebensmittelzusätze verantwortliche EFSA-Sachverständige Maged Younes: "Unter Berücksichtigung aller verfügbaren wissenschaftlichen Studien und Daten kam das Gremium zu dem Schluss, dass Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr als sicher angesehen werden kann." Entscheidend gewesen seien Bedenken mit Blick auf die DNA, also das Erbmaterial. Zwar nehme man durch Essen nur wenig Titandioxid-Partikel auf: "Sie können sich jedoch im Körper ansammeln", erläuterte der Experte.

Die EFSA habe ihre Sicherheitsbewertung auf Ersuchen der EU-Kommission neu geprüft, hieß es. Dabei seien zahlreiche Studien genutzt worden, die seit 2016 verfügbar geworden seien. So ging es etwa um Daten zu kleinen Titandioxid-Partikeln, sogenannten Nanopartikeln.

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Titandioxid kann auch in anderen Produkten sein, etwa in Zahnpaste und Waschmittel. Um diese Waren ging es bei der Prüfung nicht. Für eine weitere Produktgruppe, etwa für Farben, Lacken oder Mörtel, hatte die EU-Kommission 2019 erklärt, dass es für Titandioxid in Pulverform künftig einen Warnhinweis geben sollte. Dabei ging es um mögliche Krebsrisiken durch das Einatmen von Pulver. (dpa)

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