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Viele Fehltage wegen Rücken und Seele

Die Menschen im Kreis Görlitz waren 2020 weniger krank geschrieben als noch ein Jahr zuvor. Trotz Corona. Wie passt das zusammen?

Recken und strecken und das so oft wie es nur geht: So können Menschen mit Bürojobs ihren Rücken schützen.
Recken und strecken und das so oft wie es nur geht: So können Menschen mit Bürojobs ihren Rücken schützen. © dpa-tmn

Wer dachte, Krankschreibungen in Görlitz sind wegen Corona im vergangenen Jahr in die Höhe geschossen, der irrt. Im Gegenteil: Die Zahl der Fehltage im Job sanken 2020 sogar ein klein wenig. Das jedenfalls gilt für die 8.000 Barmer-Versicherten in Görlitz. Demnach gab es 2019 durchschnittlich 21,2 Fehltage, 2020 waren es 21,1. Im sachsenweiten Vergleich sind die Görlitzer nach den Bautzenern und den Nordsachsen trotzdem am häufigsten krank. Die gesündesten Menschen leben demnach in Leipzig und Dresden.

Die 21,1 Fehltage der Görlitzer liegen deutlich über dem Bundesschnitt, der bei 18 Ausfalltagen liegt, so Ronny Scharntke, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Görlitz. Barmer-Pressesprecherin Claudia Szymula erklärt den dennoch ausgebliebenen Anstieg bei den Krankschreibungen so: Durch Corona und die AHA-Regeln hatten viele andere Krankheiten kaum eine Chance. So gab es weniger Erkältungen, Grippe oder auch Norovirus-Erkrankungen.

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Und trotzdem machen Erkrankungen der Atemwege auch im vergangenen Jahr einen großen Anteil bei den Krankschreibungen aus - drei Tage im Schnitt. Wie passt das zusammen? Hier könnten die Vorsichtshalber-Krankschreibungen dabei sein - ein Kratzen im Hals, leichter Husten. Symptome, bei denen man wegen Corona vorsichtig sein musste und lieber nicht auf Arbeit ging. Andererseits befanden sich 2020 schon viele Arbeitnehmer im Homeoffice oder in Kurzarbeit, mussten sich also mit leichten Symptomen nicht unbedingt zum Arzt begeben.

© SZ-Grafik

Frauen leiden öfter unter seelischen Dingen

Der Löwenanteil der Fehltage ist allerdings psychischen Erkrankungen geschuldet. Etwa 45 Tage ist jemand in Görlitz arbeitsunfähig, der ein psychisches Leiden hat. „Diesen Trend beobachten wir leider schon seit mehreren Jahren“, sagt Ronny Scharntke. Gleiches bestätigt die DAK. Auch diese Krankenkasse beobachtete, dass 2020 die Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen in Rekordhöhe kletterten. Allerdings gibt es hier keine Zahlen für Görlitz oder den Landkreis.

Sachsenweit zählt die DAK fürs vergangene Jahr 278 Fehltage je 100 Versicherte, im Bundesdurchschnitt waren es mit rund 265 Fehltagen deutlich weniger. Ein psychischer Krankheitsfall dauerte durchschnittlich 34 Tage – so lange wie noch nie. Die Analyse nach Berufsgruppen zeigt außerdem: In der Logistikbranche und im Gesundheitswesen gab es die deutlichsten Steigerungen der Fehltage bei Depression und Co. Besonders trifft es Frauen.

Laut dem aktuellen Psychereport der DAK hatten Frauen 2020 mehr als doppelt so viele Fehltage durch psychische Leiden als Männer. Im Langzeitvergleich zu 2010 nahmen die Ausfallzeiten wegen Seelenleiden um 72 Prozent zu, während die Fehlzeiten insgesamt im gleichen Zeitraum nur um zehn Prozent zunahmen.

"Die Belastungen durch die Pandemie werden offensichtlich. Der Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, wie unterschiedlich der Druck verteilt ist“, sagt Christine Enenkel, Leiterin der DAK-Landesvertretung in Sachsen. „Das Gesundheitswesen ist bis an die Grenzen belastet – die Beschäftigten leiden darunter.“ Ähnlich sehe es in der Wirtschaftsgruppe „Verkehr, Lagerei und Kurierdienste“ aus. Die Daten von 54.000 sächsischen DAK-versicherten Arbeitnehmern flossen in die Erhebung hinein.

Yoga übers Internet

Eine weitere Ursache für häufige Krankschreibungen sind Rückenleiden. Deutlich öfter als im Bundesschnitt fallen die Menschen im Raum Görlitz der DAK zufolge mit Muskel-Skelett-Erkrankungen aus. Hier liegen die Arbeitnehmer in Görlitz mit 5,1 Ausfalltagen deutlich über dem Bundesdurchschnitt mit vier Tagen. „Es ist wichtig, dass man sich schon in jungen Jahren einen gesunden Lebensstil angewöhnt. Ausreichend Bewegung verringert die Wahrscheinlichkeit erheblich, Probleme mit dem Rücken zu bekommen“, so Scharntke. Viel Sitzen und wenig Bewegung steigere dagegen langfristig das Risiko für Bluthochdruck und Diabetes.

Hier setzt auch die betriebliche Gesundheitsförderung der DAK an, die aktuell natürlich auch nur online ansetzen kann, sich aber darauf eingestellt hat. "Wir haben immer mehr digitale Kurse und merken auch, dass sie sehr gut angenommen werden - vor allem die Bewegungskurse", sagt Claudia Szymula. In Bewegung bleiben müsse man - ob nun im Büro oder im Homeoffice, "eine immer starre Haltung ist tödlich", sagt Szymula.

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So gibt es aktuell unter anderem Kurse zu Ernährung, Rückenfitness oder progressiver Muskelentspannung. Hier absolvieren die Teilnehmer über acht Wochen 30- bis 60-minütige Onlineeinheiten, um sich beispielsweise ausgewogen zu ernähren, körperlich fit zu werden und belastungsbedingten Schmerzen vorzubeugen. Begehrtester Kurs zurzeit: Erfolgreich abnehmen, dicht gefolgt von Rücken-Coaching und Yoga für Einsteiger.

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