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Viele Impfstoffe werden in der Pandemie knapp

Ärzte in Sachsen führen bereits Wartelisten für diverse Impfungen. Doch nicht nur Impfstoffe werden knapp. Eine große Krankenkasse will jetzt gegensteuern.

Hersteller von Impfstoffen kommen derzeit mit der Produktion nicht hinterher.
Hersteller von Impfstoffen kommen derzeit mit der Produktion nicht hinterher. © Martin Schutt/dpa (Symbolbild)

Dresden. Wer sich in diesen Tagen in Sachsen gegen eine Lungenentzündung impfen lassen will, wird häufig abgewiesen. Wegen der Corona-Pandemie ist die Nachfrage weltweit gestiegen – und die wenigen Hersteller kommen mit der Produktion nicht mehr hinterher. Das Gleiche gilt für Impfstoffe gegen Keuchhusten und Grippe. Lieferungen werden vielfach erst für Ende Januar wieder in Aussicht gestellt, wie aus Informationen des Paul-Ehrlich-Institutes hervorgeht. Ärzte führen deshalb Wartelisten und versorgen Patienten nach dem Dringlichkeitsprinzip.

Doch nicht nur Impfstoffe sind knapp. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet zurzeit 249 Präparate auf, die nicht lieferbar sind bzw. bei denen Lieferprobleme absehbar sind. Dazu gehören bestimmte Antibiotika, aber auch Mittel gegen Bluthochdruck, Schmerzen, Depressionen und Rheuma.

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Nicht nur der Preis entscheidet

Engpässe bei Arzneimitteln und Impfstoffen seien seit Jahren Alltag in den Apotheken und beanspruchten einen Großteil der Arbeitszeit, sagt Göran Donner, Vizepräsident der Sächsischen Landesapothekerkammer. Mehr Sicherheit biete langfristig eine Verlagerung der Produktion nach Europa. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt bereits vor „Abhängigkeiten von chinesischen Zulieferern bei einzelnen Produkten im niedrigpreisigen Bereich.“ Die Zahl der Lieferengpässe sei in der Pandemie gestiegen.

„Die Schwierigkeiten sind meistens produktions- oder qualitätsbedingt“, sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. In einer globalisierten Welt könne eine vollständige Verlagerung der Produktion nach Europa jedoch nicht erreicht werden – „allenfalls für bestimmte strategisch wichtige Arzneimittel.“ Versorgungsrelevante Wirkstoffe will der AOK-Chef unter eine generelle und kontinuierliche behördliche Überwachung stellen. Ein solches Frühwarnsystem für drohende Lieferengpässe könnte Vorbildcharakter für ganz Europa haben.

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Auch Krankenkassen könnten zur Versorgungssicherheit beitragen. Eine Möglichkeit sieht Litsch in Verträgen mit mehreren Herstellern, insbesondere bei versorgungsrelevanten Wirkstoffen. Ausfälle seien damit leichter zu kompensieren.

Darüber hinaus habe man bereits Rabattverträge ergänzt, sagte der Kassenchef: „Arzneimittelhersteller werden damit verpflichtet, dauerhaft Arzneimittelreserven für mindestens drei Monate anzulegen.“ Insbesondere die Herstellung antibiotischer Wirkstoffe müsse unter strengeren Auflagen stattfinden. Es sei somit nicht immer nur der günstigste Anbieter, der bei Ausschreibungen den Zuschlag der AOK erhalte.

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