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Warum Quark bei Sonnenbrand hilft und Fettcreme schadet

Bei einem Sonnenbrand ist die Haut knallrot, juckt und schält sich nach einer Weile. Eine Hautärztin erklärt, mit welchen Hausmitteln sich die geschädigte Haut entlasten lässt.

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Gut gecremt heißt gut geschützt, und zwar nicht nur vor Sonnenbrand, sondern langfristig auch vor Hautkrebs.
Gut gecremt heißt gut geschützt, und zwar nicht nur vor Sonnenbrand, sondern langfristig auch vor Hautkrebs. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Was passiert bei einem Sonnenbrand genau in der Haut?

Sind die körpereigenen Schutzmechanismen durch die UV-Strahlung der Sonne überlastet, kommt es zu einer kompletten Schädigung der obersten Hautzellen. „Der Körper erkennt diese Schädigung und lässt die betroffenen Zellen absterben“, sagt Dermatologin Marion Moers-Carpi. Es entsteht eine Entzündungsreaktion, bei der die Hautzellen Botenstoffe freisetzen, die zu den typischen Sonnenbrand-Symptomen führen. Die Haut wird warm, rötet sich, ist druckempfindlich, brennt, schmerzt und/oder juckt. Ist die Schädigung durch die Sonne sehr stark, können sich auch Blasen bilden. „Wichtig ist bei einem Sonnenbrand, dass man sich sofort der Sonne entzieht und sie die nächsten 48 Stunden meidet“, wie Moers-Carpi erklärt. Wer sich im Freibad also die Schultern verbrannt hat, sollte sie im Anschluss erst einmal mit Kleidung vor der Sonne schützen.

Was sollte ich tun, wenn ich mir einen Sonnenbrand zugezogen habe?

Kühlen, kühlen, kühlen lautet das Motto. Ein guter Anfang, weil leicht verfügbar: sauberes Leitungswasser über die betroffenen Stellen laufen lassen, zum Beispiel im Zuge einer kühlen Dusche. „Der Kühleffekt hält allerdings nur kurz an“, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Was die gereizte Sonnenbrand-Haut etwas länger erfrischt, ist, wenn man in ein feuchtes T-Shirt schlüpft oder ein feuchtes Tuch auf die Haut legt. Kühlen lindert die Schmerzen. „Aber bitte nicht zu lange oder zu stark kühlen, das kann der Haut schaden“, so Sellerberg. Wer Eis oder ein Kühlpack nutzt, sollte es nicht direkt auf die Haut legen, sondern vorher in ein Tuch wickeln. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Haut unterkühlt und dann womöglich auch wieder Bläschen bildet“, sagt Hautärztin Moers-Carpi.

Welche Hausmittel können die Beschwerden noch lindern?

Quarkpackung: Bei einem leichten Sonnenbrand kann eine Quarkpackung für Linderung sorgen, denn auch das Milchprodukt kühlt angenehm. Dafür eine Packung Speisequark – egal, welcher Fettgehalt – aus dem Kühlschrank nehmen und den Inhalt etwa fingerdick direkt auf die Haut streichen. Zehn Minuten einwirken lassen, dann abwaschen. „Die Einwirkungszeit sollte man besser nicht verlängern, da sonst die Durchblutung zu stark angeregt werden kann“, sagt Ursula Sellerberg. Dadurch würde die Haut wieder wärmer.

Möglich wäre statt Quark auch Joghurt. Weil Joghurt aber dünnflüssiger ist, lässt er sich nicht so gut auftragen.

Quarkwickel: Die Beschwerden eines stärkeren Sonnenbrandes können Quarkwickel lindern. Im Unterschied zur Quarkpackung kommt der Quark nicht direkt auf die Haut, sondern auf ein Tuch, etwa eine Mullkompresse. „Denn der direkte Kontakt könnte die Haut zu stark reizen“, sagt Sellerberg. Für die Wickel den Quark – in diesem Fall sollte er zimmerwarm sein – etwa einen halben Zentimeter dick auf ein Tuch streichen und dessen Seiten einschlagen. Mit einem zweiten Tuch abdecken und dieses Päckchen für etwa 20 Minuten auf die betroffene Hautstelle legen.

Schwarztee: Schwarztee enthält Gerbstoffe, die die sonnengereizte Haut beruhigen können und anti-entzündlich wirken. Dafür wird zunächst ein starker Tee aus vielen Teeblättern oder mehreren Teebeuteln pro Tasse gekocht und lange ziehen gelassen. Ist er abgekühlt, tränkt man ein sauberes Tuch darin und legt es für rund 20 Minuten auf die Haut. Der Vorteil gegenüber Quark ist, dass man den Schwarztee nicht von der Haut abwaschen muss.

Aloe-vera-Gel: Aloe vera ist eine Heilpflanze aus tropischen Regionen, deren innenliegendes Fleisch sehr viel Wasser speichert. Kratzt man es heraus, erhält man eine Art Gel. Das gibt es übrigens auch fertig zu kaufen. Einzelne Aloe-vera-Blätter gibt es in größeren Supermärkten oder in Biomärkten. „Dieses Gel wirkt beruhigend auf die Haut und auch kühlend“, so Sellerberg.

Von welchen Hausmitteln ist bei Sonnenbrand eher abzuraten?

„Apfelessig oder Zitronensaft aufzutragen, ist komplett daneben“, sagt Hautärztin Moers-Carpi. Diese Mittel sind viel zu scharf für die Haut und können die Entzündung noch weiter fördern. Kokosöl sei der Dermatologin zufolge ebenfalls keine gute Idee, weil es die Haut nicht beruhige.

Welche Pflegeprodukte können die Heilung unterstützen?

Sinnvoll können Pflegeprodukte sein, die Pflanzenextrakte zum Beispiel aus der Ringelblume oder Kamille enthalten. „Auch Produkte mit Vitamin E haben einen antioxidativen Effekt und wirken dem Sonnenbrand entgegen“, sagt Moers-Carpi.

Gibt es auch Pflegeprodukte, die bei Sonnenbrand zu meiden sind?

Ja, und zwar in jedem Fall fettreiche Salben oder Cremes. Trägt man sie dennoch auf, kann es zu einer sogenannten Okklusion kommen. Dabei quillt die Haut unter der fettreichen Salbe auf, weil kein Wasser mehr verdunsten kann.

Wichtig bei einem Sonnenbrand ist es außerdem, viel zu trinken, und zwar mindestens zwei bis drei Liter pro Tag.

Darf ich die Fetzen abziehen, wenn sich die Haut pellt?

Lieber nicht, das kann die Haut stressen. „Besser ist es zu warten, bis sich die Fetzen von selbst lösen“, sagt Ursula Sellerberg. Löst sich stark verbrannte Haut ab oder entstehen Brandblasen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn Übelkeit, Fieber, Erbrechen oder Kreislaufbeschwerden den Sonnenbrand begleiten.

Ab welchem UV-Indexwert ist Sonnencreme nötig?

Jeder Sonnenbrand ist ein Risikofaktor für die Entwicklung von Hautkrebs. Daher sollte man Sonnenbrände vermeiden. Dabei hilft natürlich, sich reichlich und sorgfältig mit Sonnenschutzmitteln einzuschmieren und den Schutz immer wieder zu erneuern. „Sonnencreme muss man 20 Minuten vor dem Sonnenbad auftragen, damit die Lichtschutzfaktoren in der Haut wirken können“, sagt Moers-Carpi. Wenn die Haut gut durchfeuchtet ist, kann sie die Lichtschutzfaktoren besser aufnehmen, daher vorher Feuchtigkeitscreme auftragen.

Eine weitere Hilfe zur Vermeidung von Sonnenbränden ist der UV-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes. Er findet sich in der Wetter-App von Smartphones. Auf einer Skala von 1 bis 11+ ist dort für die Region angegeben, wie hoch die gesundheitliche Gefährdung durch UV-Strahlung für den Tag ausfällt. Laut Bundesamt für Strahlenschutz sollte man sich ab Werten von 3 vor der Sonne schützen. (dpa)

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