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Was hilft, wenn der Rücken schmerzt?

Die Pirnaer Neurochirurgen Dr. Jörg Rautenberg und Dr. Mathias Dymora sprechen über Rückenleiden, Therapien und vorbeugende Sportarten.

Neurochirurgen Dr. Jörg Rautenberg (l.) und Dr. Mathias Dymora: Starke Rückenschmerzen sollten schnell medizinisch abgeklärt werden.
Neurochirurgen Dr. Jörg Rautenberg (l.) und Dr. Mathias Dymora: Starke Rückenschmerzen sollten schnell medizinisch abgeklärt werden. © Norbert Millauer

Am 15. März ist "Welttag der Rückengesundheit". Aus diesem Anlass bietet das Pirnaer Klinikum einen Live-Talk an. Dr. Jörg Rautenberg, Leitender Oberarzt Neurochirurgie, sowie Dr. Mathias Dymora, Oberarzt Neurochirurgie am Pirnaer Klinikum, werden am 15. März ab 16 Uhr die wichtigsten Fragen zum Thema "Was hilft, wenn der Rücken schmerzt?" klären.

Der Live-Talk wird in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram (hier unter dem Kennwort "@heliosklinikumpirna") übertragen. Interessierte können schon vorab ihre Fragen über die Kanäle www.facebook.com/heliosklinikumpirna oder [email protected] stellen.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
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Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Sächsische.de sprach im Vorfeld mit den beiden Medizinern über das Thema Rückenleiden.

Herr Dr. Rautenberg, Herr Dr. Dymora, sind eigentlich viele Menschen von Rückenleiden betroffen?

Rückenleiden sind schon eine Art Volkskrankheit. 80 Prozent aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens Rückenprobleme.

Sind die Ursachen gleich auf den ersten Blick zu erkennen?

Die Mehrzahl der Betroffenen, die zu uns kommen, klagen eher über unspezifische Schmerzen. Da lassen sich keine wirklichen Ursachen benennen. Deren Schmerzen kommen und gehen wieder.

Und bei den anderen Fällen?

Bei etwa zehn bis 20 Prozent der Fälle können wir eine Ursache erkennen, die dann zumeist auch behandelt werden sollen.

Wohin wenden sich Betroffene zuerst?

Betroffene gehen primär zum Hausarzt oder direkt zum Wirbelsäulenchirurgen, die die Beschwerden in der Regel zunächst konservativ behandeln. Bei ausbleibender Besserung über Wochen empfehlen wir eine MRT, um sich ein reales Bild von der Ursache machen zu können.

Sollte man in jedem Fall so lange warten?

Definitiv nein. Wenn etwa anhaltende oder sehr starke Schmerzen, dazu noch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle auftreten, kann das auf eine Fraktur oder einen eingeklemmten Nerv hinweisen. Da sollte niemand allzu lange warten, sondern es sollte recht zügig die Ursache medizinisch abgeklärt werden. In der Regel wird bei diesen Betroffenen dann auch zeitnah eine bildgebende Untersuchung durchgeführt.

Ist immer eine Operation nötig, um Rückenleiden zu heilen?

Nein, nicht zwangsläufig. Beim Bandscheibenvorfall beispielsweise beginnt die Therapie zumeist klassisch-konservativ mit einer Physio- oder Schmerztherapie. In 70 bis 80 Prozent der Fälle lässt sich auf diese Weise die Erkrankung erfolgreich behandeln.

Wann aber wird dann operiert?

Hat der Patient Ausfall- oder Lähmungserscheinungen oder sehr starke Schmerzen, ist davon auszugehen, dass ein Nerv eingeklemmt ist. Dabei drückt das umliegende Gewebe auf Nervengewebe, was sehr schmerzhaft ist. Sind die Schmerzen oder gar Schäden an der Wirbelsäule zu weit fortgeschritten und ist eine Heilung auf konservative Art nicht mehr möglich, empfiehlt sich eine Operation.

Versuchen Sie auch Operationen zu vermeiden, wenn es geht?

Operative Eingriffe sind eine Behandlungsmöglichkeit unter vielen. Wir als Wirbelsäulenchirurgen sondieren in unserer Sprechstunde zunächst, welche Behandlungsmethoden in Betracht kommen. Je nach Indikation entscheiden wir mit den Patienten gemeinsam die bestmögliche Therapie.

Welches sind die häufigsten Rückenleiden?

Am häufigsten sehen wir abnutzungsbedingte Wirbelsäulenerkrankungen, die zu Bandscheibenvorfällen und Verengungen des Rückenmarkskanals führen. Sie treten alters- und veranlagungsbedingt auf. Betroffene klagen zumeist über Beinschmerzen, oder sie können oft keine weiten Strecken mehr laufen.

Wenn operiert wird, wie läuft das ab?

Eine Operation im Rückenbereich ist grundsätzlich eine standardisierte OP, die jeweils nach einem immer gleichen, festgelegten Ablauf erfolgt. Natürlich wird diese grundsätzlich an den jeweiligen Patienten angepasst. Ein solcher mikro-chirurgischer Eingriff erfolgt immer unter Vollnarkose. Wir operieren dabei über einen kleinen Schnitt in der Haut unterm Mikroskop. Das hat viele Vorteile für den Patienten. Durch den kleinen Schnitt haben wir ein geringes Muskeltrauma und es bleiben nur kleine Narben zurück. Außerdem ist der Blutverlust minimiert, und die Patienten erholen sich schneller.

Wie lange dauert eine solche OP?

Bei einem normalen Bandscheibenvorfall operieren wir etwa eine Stunde, bei komplexeren Eingriffen zwei bis drei Stunden. Unser Ziel ist es, dass die Patienten in der Regel einen Tag nach der OP schon wieder aufstehen können. Mithilfe von Physiotherapeuten, die bei uns im Haus arbeiten, wollen wir erreichen, dass die Patienten noch in der Klinik wieder mobil werden.

Wie lässt sich Rückenleiden vorbeugen?

Sport und Bewegung stärken die Rückenmuskeln. Wichtig ist es zudem, sein Normalgewicht zu halten. Außerdem fördern Vitamine und andere Nährstoffe den Aufbau der Knochen und der Muskulatur. Und zu guter Letzt sollte man im Alltag auf eine rückengerechte Haltung achten – sei es nun am Schreibtisch oder beim Heben. Niemand sollte zu schwere Sachen tragen. Schwere Gegenstände, wie etwa eine volle Kiste Wasser, sollte nur aus der Hocke heraus hochgehoben werden.

Was machen Menschen, die viel im Büro sitzen und sich dort nicht so viel bewegen können?

Unser Arbeitsalltag ist für die meisten von uns leider durch zu viel und zu langes Sitzen geprägt. Nützlich ist der sogenannte Drittel-Mix. Es sollte ganz bewusst versucht werden, während des Arbeitsalltags Sitzen, Stehen und Laufen in eine gewisse Balance zu bringen. Vor allem das Stehen tut dem Rücken auch einmal ganz gut. Der Druck auf die Bandscheiben ist beim Sitzen am größten, beim Laufen am geringsten.

Welche Sportarten eignen sich besonders für Menschen mit Rückenleiden?

Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking sollten bei Betroffenen die erste Wahl sein. Joggen geht aber auch. Grundsätzlich gilt, es ist immer besser, sich überhaupt zu bewegen, als gar nichts zu machen. Generell ermuntern wir unsere Patienten, in dieser Hinsicht viel für sich zu tun und sich täglich vielfältig zu bewegen – allein schon aus prophylaktischen Gründen. Denn nur starke und bewegliche Muskeln stärken den Rücken.

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