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Gesundheit und Wellness

Wenn die Seele brennt

Die langen Wege zu Spezialisten im ländlichen Raum sind für Patienten gerade bei seelischen Erkrankungen ein gravierendes Problem.

Wenn alles zu viel wird – und man sich fühlt wie ein Streichholz, das von beiden Seiten aus brennt.
Wenn alles zu viel wird – und man sich fühlt wie ein Streichholz, das von beiden Seiten aus brennt. © © Foto: pixabay.com

Die Tendenz war schon vor Corona deutlich: seelische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Alle sind irgendwie immer erreichbar, alle sind irgendwie immer im Dienst. Reizüberflutung, elektronische Zeitdiebe wie Handys, prall gefüllt mit immer wieder die Ruhe nehmenden WhatsApp-Nachrichten, Facebook-Angeboten oder den neuesten Promi-Fotos auf Instagram. Wer mitreden will, muss das wissen. Muss? Und nun kommen noch Homeoffice und Homeschooling dazu; mit gestressten Kindern und geforderten mitunter auch überforderten Eltern. Wir sind längst Streichhölzer, die von beiden Seiten brennen. Und wer nicht rechtzeitig den Feuerlöscher findet, droht abzubrennen: Burn out, totale Erschöpfung …

Gerade bei diesen Krankheiten ein Problem!

Hilfe kann von Spezialisten kommen, aber gerade im ländlichen Raum gibt es dabei – neben den Kapazitätsgrenzen, die außerhalb der großen Städte noch einmal besonders spürbar sind – ein nicht zu unterschätzendes Problem: die langen Wege. „Die sind für Patienten gerade bei diesen Krankheiten ein Problem“, sagt zum Beispiel Ute Taube. Sie ist Hausärztin in Herrnhut im Landkreis Görlitz. Auch in ihrer Praxis hat in den vergangenen fünf, sechs Jahren die Anzahl dieser Erkrankungen spürbar zugenommen. „Ganz besonders in der mittleren Altersgruppe.“ In den meisten Fällen hängt die Erkrankung mit Konflikten im Beruflichen zusammen. „Aber oft ist es eine Zusammenballung auch mit privaten Problemen, die dann zu einem Berg wird, der nur noch schwer zu bezwingen ist“, beschreibt sie. Und nun kommen auch noch all die Probleme und nicht zuletzt Ängste rund um das Thema Corona hinzu.

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Besonders schwierig im ländlichen Raum

„Und es sind mit Blick auf die Behandlungsmöglichkeiten der Patienten tatsächlich große Unterschiede zwischen Stadt und Land zu verzeichnen“, macht die Herrnhuter Hausärztin deutlich. Zum einen die schon erwähnte geringere Kapazität, die Anzahl der Behandlungsmöglichkeiten. „Zum anderen sind es eben die viel längeren Wege!“ Die Patienten von Ute Taube müssen beispielsweise gut 40 Kilometer bis zur Kreisstadt Görlitz zurücklegen. „Hin und wieder zurück!“ Dazu fehlt mitunter der öffentliche Nahverkehr. Auch das ist kein zu unterschätzendes Manko. „Ein Patient, der vielleicht gerade eine Suchttherapie absolviert, hat im Moment unter Umständen keinen Führerschein – das sind schon enorme Schwierigkeiten für uns im ländlichen Raum“, unterstreicht die Hausärztin.

Mobile Angebote als Lösung?

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Deshalb wünscht sie sich beispielsweise den Ausbau mobiler Angebote. Die Wege müssen verkürzt werden, mehr dezentrale Angebote seien nötig, ist Ute Taube überzeugt. „Es müsste zudem mehr sogenannte aufsuchende Angebote geben, also beispielsweise Familientherapeuten, die zu den Betroffenen nach Hause kommen.“ Solche Angebote gibt es bereits, allerdings nicht in der notwendigen Quantität, weiß die Herrnhuterin. Besonders wichtig ist das Thema aus ihrer Sicht bei chronischem Betreuungsbedarf. „Nach einer stationären Behandlung ist eine nahtlos anschließende psychotherapeutische Therapie für die Begleitung zurück in den Alltag dringend notwendig – und das kann nur heimatnah sinnvoll funktionieren, da die Patienten ja beginnen müssen, in ihren persönlichen Alltag in ihrer Umgebung zurückzukehren.“ Ein Problem, das in der Zeit „nach Corona“ unbedingt auf den Tisch gehört, unterstreicht sie.

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