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Wie sicher ist das Augen-Lasern?

Sehfehler lassen sich mit modernen OP-Methoden beheben. Die Kosten übernehmen nicht alle Versicherer.

Der Dresdner Augenarzt Matthias Müller-Holz hat die Hornhaut des Auges von Melanie Dietz mit einer Spezialkamera fest im Blick.
Der Dresdner Augenarzt Matthias Müller-Holz hat die Hornhaut des Auges von Melanie Dietz mit einer Spezialkamera fest im Blick. © Matthias Rietschel

Melanie Dietz wollte keine Brille mehr. Ob Sauna, Schwimmen, Tennis – die Sehhilfe störte sie überall. Gleichzeitig erlebte sie in ihrem Job in einem Augenlaserzentrum täglich die glücklichen Gesichter der Patienten nach einer Laserbehandlung. „Diese Freiheit wollte ich auch spüren“, sagt die 37-jährige Dresdnerin. „Brille ist Brille, und die sollte weg.“

Augenlaserbehandlungen gibt es in Sachsen schon seit Anfang der 1990er-Jahre, sagt der Dresdner Augenarzt Dr. Matthias Müller-Holz, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Augenärzte Sachsens ist. Seine Praxis gehört zu den acht Niederlassungen in Sachsen, die von der Kommission für Refraktive Chirurgie (KRC) zertifiziert sind. Neben diesen Praxen erhielten auch noch zwei Kliniken diesen Nachweis.

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Mittlerweile gibt es eine Vielfalt von Verfahren, die alle recht kryptische Abkürzungen tragen. Sie lauten PRK, Lasek, Femto-Lasik, ICL, RLE oder Smile. Gemeinsam ist ihnen, dass die Brechkraft – Refraktion genannt – des Auges dauerhaft verändert wird. Vor allem kurzsichtige Menschen wie Melanie Dietz entscheiden sich für diese Behandlung.

„Da die Eingriffe medizinisch nicht zwingend notwendig sind, ist besondere Sorgfalt geboten, sowohl bei der Beratung und Aufklärung vor dem Eingriff, als auch bei der Operation selbst“, sagt Professor Michael Knorz vom Berufsverband der Augenärzte, der zu den Pionieren der refraktiven Chirurgie gehört. Er empfiehlt deshalb bei der Wahl des Augenarztes, sich an Mitglieder der KRC zu wenden.

Und das aus gutem Grund: Die Kommission habe wissenschaftliche Kriterien für die Augenlaserbehandlung erarbeitet, die sie auch regelmäßig überprüfe. Die Laserspezialisten der KRC müssen jährlich Fortbildungen absolvieren. Sie sind damit immer auf dem neusten Stand. All das war auch Melanie Dietz wichtig: „Bei meinen Augen wollte ich kein Risiko eingehen.“

Dummy eines Linsenimplantates.
Dummy eines Linsenimplantates. © Matthias Rietschel

Zu den ersten Verfahren auf diesem Gebiet gehören PRK (Photorefraktive Keratektomie) und Lasek (Laser Epitheliale Keratomileusis). „Dabei wird die obere Hornhautschicht, das Epithel, mechanisch oder mittels Laser entfernt und die Hornhaut beschliffen, um die Fehlsichtigkeit auszugleichen“, erklärt Matthias Müller-Holz. „Bei Kurzsichtigen in der Mitte der Hornhaut und bei Weitsichtigen am äußeren Rand.“

Das abgetragene Epithel bildet sich innerhalb weniger Tage neu und schließt die oberflächliche Wunde. „Nachteilig ist bei diesem Verfahren, dass die Patienten noch für einige Tage ein Fremdkörpergefühl und Schmerzen im Auge spüren, was aber mit speziellen Augentropfen gelindert werden kann“, erklärt der Augenarzt. Das Auge könne anfangs auch vermehrt tränen. Bis die volle Sehkraft und Beschwerdefreiheit erreicht sei, dauere es einige Tage.

Diese Nachteile entfallen beim Femto-Lasik-Verfahren. Der Begriff Lasik steht für Laser in situ Keratomileusis. Und Femto steht für das Gerät – den Femtosekundenlaser. Eine Femtosekunde ist ein winziger Bruchteil einer Sekunde. In dieser Abfolge werden die Lichtimpulse ans Auge abgegeben. Femto-Lasik ist seit etwa 20 Jahren die am häufigsten angewandte Lasermethode, weil sie sanfter als PRK und Lasek ist. Allerdings müsse die Hornhaut dazu ausreichend dick sein. 0,48 Millimeter ist das Minimum, schreiben die Leitlinien der KRC vor. Manche Menschen haben genetisch bedingt eine geringere Hornhautdicke. Doch bei Melanie Dietz war die Voraussetzung für die Femto-Lasik-Behandlung gegeben, deshalb entschied sie sich auch für die schonendere Technologie.

„Bei dem Eingriff wird zuerst eine Hornhautlamelle von etwa einem Zehntelmillimeter Dicke präpariert und wie ein Deckel zur Seite umgeklappt. Die darunter liegende Hornhaut wird wie bei PRK und Lasek abgetragen“, so Müller-Holz. 0,014 Millimeter abgetragene Höhe verändern die Sehfähigkeit um etwa eine Dioptrie. Die Behandlung dauert nur wenige Sekunden. Danach legt der Arzt den Hornhautlappen wieder auf die gelaserte Stelle zurück. Sie saugt sich dort von allein fest und muss nicht genäht werden. Da die gelaserte Fläche komplett abgedeckt wird, ist sie weniger schmerzempfindlich.

Vom Eingriff nichts gemerkt

Das bestätigt auch Melanie Dietz. „Von dem Eingriff selbst habe ich gar nichts gespürt. Mit Augentropfen wurde alles betäubt.“ Da die Behandlung in einem abgedunkelten Raum erfolgte, habe sie nur pünktchenweise das Laserlicht wahrgenommen. „Es sah aus wie Sterne um mich herum.“ Innerhalb weniger Stunden werde das volle Sehvermögen erreicht, erklärte man ihr. „Ich wurde mittags gelasert, abends konnte ich die Augen schon richtig öffnen und tatsächlich völlig klar, vor allem scharf sehen. Ich war begeistert.“

Für das Femto-Lasik-Verfahren brauchen Augenärzte zwei Lasergeräte – eines, mit dem die Hornhautlamelle präpariert wird, und eines, um den Sehfehler zu korrigieren. Anschaffungskosten von rund einer halben Million Euro fallen dafür an. Deshalb ist Femto-Lasik auch teurer als die anderen beiden Verfahren. Pro Auge müsse man mit 1.500 bis 2.500 Euro rechnen – je nach Umfang der Operation. PRK und Lasek kosten pro Auge zwischen 800 und 1.200 Euro.

Ein vergleichsweise neues Verfahren nennt sich Smile und steht für Small Incision Lenticule Extraction, was so viel wie Kleinschnitt-Lentikelentfernung bedeutet. Es ist nur zur Korrektur von Kurzsichtigkeit geeignet. Dabei wird mittels Laser im Inneren der Hornhaut ein linsenförmiges Gewebescheibchen (Lentikel) erzeugt und über einen kleinen Zugang entfernt. Die Verletzung der Hornhaut ist hier noch geringer als beim Lasik-Verfahren. Damit kommt es kaum zu Beschwerden nach dem Eingriff. „Da das Gewebescheibchen aber eine gewisse Größe haben muss, lassen sich mit Smile leichtgradige Kurzsichtigkeiten schlechter behandeln. Hier würde ich zu einem der anderen Verfahren raten“, sagt Matthias Müller-Holz. Als neuestes Verfahren ist Smile auch teurer – etwa 2.500 Euro.

Private Krankenversicherungen übernehmen in der Regel die Kosten für die Laserkorrektur oder zahlen einen Zuschuss – je nach Vertrag. Gesetzliche Krankenkassen müssen nur ausreichende, wirtschaftliche, zweckmäßige und medizinisch notwendige Behandlungen übernehmen. Sofern mit Brille oder Kontaktlinsen der Sehfehler korrigiert werden kann, gehört Lasern nicht zu den Kassenleistungen.

Zur Behandlung von Sehfehlern muss aber nicht immer Gewebe aus der Hornhaut entfernt werden. Man kann sich auch eine Kunstlinse einsetzen lassen – praktisch eine festsitzende Kontaktlinse, die im Zusammenspiel mit der eigenen Linse für scharfes Sehen sorgt. Dieses Verfahren heißt Phake Intraokularlinse (ICL). „Wir empfehlen diese Methode bei Patienten bis 45 Jahre. Denn danach setzt meist die Altersweitsichtigkeit ein, wo PRK, Lasek, Lasik, Smile und ICL nicht mehr ausreichen“, sagt der Augenarzt.

Bei beginnender Altersweitsichtigkeit gibt es die Möglichkeit des Refraktiven Linsentauschs (RLE). Hier wird die eigene Augenlinse durch ein Linsenimplantat in der erforderlichen Stärke ersetzt – eine sogenannte Intraokularlinse. Diese Behandlung wird auch beim Grauen Star angewendet. Damit lassen sich höhere Kurz- oder Weitsichtigkeit sowie eine gleichzeitige Alterssichtigkeit korrigieren.

Sicherheit oft sogar bei 100 Prozent

Ganz gleich, welches Verfahren zum Einsatz kommt, danach müsse man sich etwas Ruhe gönnen, sagt Müller-Holz. „Ich habe meine Augen etwa eine Woche lang nachts etwas abgedeckt, damit ich nicht versehentlich darin reibe. Um Infektionen und Entzündungen zu verhindern, wird etwa zwei Wochen lang noch mit Cortison- und Antibiotika-Augentropfen behandelt. Sauna, Schwimmen oder Sonnenbäder seien ebenfalls für mindestens zwei Wochen nach dem Eingriff tabu. Längerfristig müsse man seine Augen aber nicht stärker schützen als ohne OP.

Laut Bundesverband der Augenärzte sind Laserbehandlungen sehr sicher. Manche Zentren erreichen sogar eine hundertprozentige Sicherheit. Das bedeutet, dass alle behandelten Patienten nach dem Eingriff ohne Sehhilfe mindestens genauso gut sehen können wie zuvor mit der besten Sehhilfe. Sehr seltene Komplikationen, die beschrieben wurden, waren trockene Augen, die aber durch Tropfen kompensiert werden können. Auch Hornhautverformungen, Infektionen oder das Auftreten von Strahlenkränzen beim Blick in Lichtquellen sind möglich. Um das zu verhindern, werden umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt. Auch bestehende Erkrankungen sollte der Patient dem Augenarzt mitteilen.

Die Behandlung von Melanie Dietz ist nun drei Jahre her. Bereut hat sie es noch keinen Tag. Doch als Augenoptikerin weiß sie, dass sich in spätestens zehn Jahren ihre Augen verändern werden – hin zur Altersweitsichtigkeit. „Ob ich dann eine Brille zum Lesen trage oder meine Augen erneut operieren lasse, habe ich noch nicht entschieden.“

Der Augen-Tipp

Wenn die Augenmuskulatur steif wird, verkleinert sich auch das Blickfeld. Mit dieser Übung können Sie vorbeugen: Führen Sie den rechten Daumen im Abstand von 20 bis 30 Zentimetern schnell vor den Augen kreuz und quer durch die Luft und folgen Sie den Bewegungen mit den Augen. Nach ein paar Sekunden stoppen Sie die Bewegungen und fixieren den Daumen vorm Gesicht. Schließlich ziehen Sie die Hand weg, während Ihr Blick auf dem nun imaginären Punkt verharrt.

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