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Wie unsere Stress-Schaltstelle funktioniert

Absolut wichtig, doch bisher wenig im Fokus: Ein großes Forschungsprojekt in Dresden widmet sich der Nebenniere.

Wenn die Nebennieren nicht richtig funktionieren, können die Folgen fatal sein. Ein Forscherteam der TU Dresden sucht nach neuen Therapiemöglichkeiten.
Wenn die Nebennieren nicht richtig funktionieren, können die Folgen fatal sein. Ein Forscherteam der TU Dresden sucht nach neuen Therapiemöglichkeiten. © Hochschulmedizin TU Dresden

Sie sind winzig klein und leisten jeden Tag Gigantisches. Zwei Nebennieren besitzt der Mensch. Jeweils drei mal anderthalb Zentimeter klein sind die Drüsen. Tagtäglich verrichten sie eine Mammutaufgabe, indem sie für uns essenzielle Hormone produzieren. Darunter auch die Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin, die permanent lebenswichtige Funktionen unseres Körpers aufrechterhalten. In einem großen Forschungsprojekt der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden steht die Nebenniere im Fokus. Schließlich spielt sie bei allen Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Depression eine wichtige Rolle. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte dafür nun sieben Millionen Euro.

Im Mittelpunkt des überregionalen Sonderforschungsbereichs arbeiten die Wissenschaftler aus Dresden eng mit Kollegen aus München und Würzburg zusammen. Im gemeinsamen Projekt wird die regulierende Funktion der Nebennierenhormone erfasst sowie ihr Einfluss auf akute und chronische Krankheiten geklärt. Ziel ist es, neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln. Besonders in der Pandemie zeigte sich die Bedeutung von Stresshormonen bei der Bewältigung von Sars-CoV-2-Infektionen.

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In der zweiten von insgesamt drei Förderphasen, die am 1. Juli 2021 beginnen wird, geht es nun auch darum, geschlechterspezifische Unterschiede in der Funktionsweise der Nebenniere zu erforschen und deren Auswirkungen auf die Stressantwort zu ergründen. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich Diabetes oder Bluthochdruck auf die Arbeit der Nebenniere auswirkt und welche genetischen Faktoren die Wechselwirkungen beeinflussen.

Langer Diagnoseweg für Betroffene

Die von der Nebenniere produzierten Hormone haben wichtige Aufgaben zu erledigen. Die sogenannten Mineralikortikoide wie etwa Aldosteron regulieren das Blutvolumen und damit den Blutdruck. In der Nebennierenrinde werden auch Glukokortikoide wie Cortisol gebildet. Diese lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen und hemmen Entzündungen.

Im Zentrum der Nebenniere sitzt das Nebennierenmark, wo Adrenalin und Noradrenalin herstellt werden. Beide Hormone sind wichtige Spieler der akuten Stressantwort und wirken sich unter anderem auf Blutdruck und Herzfrequenz aus. Damit bildet die Nebenniere eine zentrale Schaltstelle der Stressregulation im menschlichen Körper.
Erkrankungen der Nebenniere werden in Über- und Unterfunktion der Drüse unterteilt.

„Betroffene haben oft einen sehr langen Diagnoseweg hinter sich“, sagt der Sprecher des Projektes Stefan R. Bornstein, Professor und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III und des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Dresden. „Auch deshalb sind wir sehr stolz, im Rahmen der ersten Förderperiode mit der Nebennierenambulanz einen Anlaufpunkt für Betroffene geschaffen zu haben.“ Die Bewilligung der Gelder durch die DFG ermöglicht nun die weitere umfassende Betreuung der Patienten und neue Forschung zur Nebenniere.

Kooperation mit London geht weiter

Trotz ihrer wichtigen Rolle bei der Steuerung von Stoffwechselprozessen wurde ihr bislang wenig Aufmerksamkeit zuteil. Am Ende des Forschungsprojektes sollen Therapieansätze stehen, die Über- oder Unterfunktionen korrigieren. Außerdem soll das Verständnis für Stressreaktionen des Körpers und daraus entstehende Erkrankungen vertieft werden. Die DFG wird bis Mitte 2025 rund sieben Millionen Euro für dieses Vorhaben zur Verfügung stellen.

Ebenfalls zugestimmt hat der Senat der DFG dem Antrag zur Fortsetzung der gemeinsamen Doktorandenausbildung an der Technischen Universität Dresden und dem King’s College London. Für die kommenden viereinhalb Jahre stehen knapp sechs Millionen Euro zur Verfügung, um neue Behandlungsansätze gegen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Adipositas zu erforschen. Es sollen Strategien für den Immunstoffwechsel, die Zellregeneration und den Zellersatz entwickelt sowie neue Erkenntnisse zum Verständnis diabetischer Komplikationen gewonnen werden.

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