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Gesundheitsamt bestätigt Krätze-Fälle

Es kursieren Gerüchte, dass Flüchtlinge die ansteckende Hauterkrankung eingeschleppt haben. Das stimmt nicht.

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© dpa

Von Carina Brestrich und Andrea Schawe

Pirna. Mit dem bloßen Auge ist sie nicht zu erkennen. Und doch kann sie Betroffenen eine Menge Ärger bereiten: die Krätzemilbe. Das kleine Spinnentier verbreitet sich schnell, gerade da, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind. Hat der Parasit einmal die Haut befallen, sorgt er nach etwa drei bis sechs Wochen für einen stark juckenden Ausschlag. Dieser zeigte sich jetzt auch bei zwei Personen aus dem Landkreis. Vergangene Woche war die Hauterkrankung bei einem Kind aus der Kita „Wichtelhaus“ in Königstein festgestellt worden. In Freital klagte kürzlich ein Schüler der Waldblick-Oberschule über die juckenden Pusteln. Die Krätze gehört nach dem Infektionsschutzgesetz zu den meldepflichtigen Krankheiten. Das heißt, wie auch etwa bei Masern, der Virusgrippe und Windpocken muss das Gesundheitsamt über die Erkrankung informiert werden. Dort werden jährlich zwischen 30 und 40 Krätze-Fälle gemeldet, sagt Amtsärztin Cornelia Mix: „Die Anzahl ist für die vergangenen Jahre relativ gleichbleibend.“

In den beiden Fällen in Königstein und Freital hatte die Behörde umgehend ein Infoschreiben für alle Eltern herausgegeben. Laut Gesetz sind Eltern verpflichtet, bei einer Krätze oder dem Verdacht darauf, dies der Kita oder der Schule mitzuteilen. Allerdings warnt das Landratsamt vor Panik. Bisher handele es sich nur um Einzelfälle, beide Einrichtungen können deshalb weiterhin offen bleiben. „Von einem Ausbruch kann momentan nicht gesprochen werden“, sagt die Amtsärztin.

Bei Ausschlag zum Hautarzt

Übertragen wird die Krätzemilbe über Körperkontakt. Das Risiko einer Infektion ist also da am größten, wo Menschen eng zusammenleben, etwa in Kindergärten, Schulen oder Heimen. Die Milben befallen bevorzugt warme Körperstellen mit dünner Hautschicht, wie etwa die Fingerzwischenräume, Achselhöhlen, Ellbogen, Bauch und Rücken. Aufgenommen werden können sie etwa über Handtücher, Bettwäsche, Kissen oder Plüschtiere. Wie das Robert-Koch-Institut informiert, reicht manchmal auch schon ein Händedruck, um sich zu infizieren. Ist das tatsächlich passiert, äußerst sich die Krätze etwa drei Wochen später mit juckenden, mückenstichartigen Punkten. Besonders nachts in der Bettwärme ist der Juckreiz für die Betroffenen unerträglich.

Sollte ein Ausschlag auftreten, rät Amtsärztin Cornelia Mix zu einem Facharzt zu gehen, etwa einem Hautarzt, „denn zur Diagnostik einer Krätze gehört viel Erfahrung“, sagt die Medizinerin. Die Krankheit heilt nicht von selbst ab, eine Therapie – meist mit Salben oder Sprays – ist unbedingt notwendig, um die Milben zu stoppen. Außerdem, so empfehlen Mediziner, sollten Familienmitglieder mitversorgt werden, auch wenn sie keine Symptome zeigen.

Erkrankte müssen zu Hause bleiben

Angst aber müssen Betroffene nicht haben. In den meisten Fällen lässt sich die Krätze erfolgreich behandeln. So könne es durchaus passieren, dass der Arzt bereits kurze Zeit später die vom Gesetz geforderte Erlaubnis erteilen kann, dass ein Kind die Kita oder die Schule wieder besuchen darf. Bis dahin müssen Erkrankte zu Hause bleiben. „Nach einer sachgerecht durchgeführten Behandlung mit einem Krätzemittel kann die Einrichtung bereits am nächsten Tag wieder besucht werden“, sagt Cornelia Mix. In Freital hatte es nach dem einen Fall bei einigen weiteren Schülern den Verdacht auf Krätze gegeben. Diese seien vorbeugend behandelt worden, heißt es vom Landratsamt. Außerdem hat die Stadt die Schule und den Hort von einer Fachfirma desinfizieren lassen, sagt Freitals Stadtsprecherin Inge Nestler.

Eine Folge schlechter hygienischer Verhältnisse ist die Krätze nicht. Dies stimme ebenso wenig wie Gerüchte, dass die Erkrankung von Flüchtlingen eingeschleppt werde, sagt Cornelia Mix: „Dass die Krätze durch Asylbewerber verbreitet wird, kann nicht bestätigt werden.“ Auch landläufige Behauptungen, wonach die Krankheit in Deutschland bereits ausgerottet war, sind unwahr: „Es gab und gibt immer wieder Fälle“, sagt die Amtsärztin. So ist gerade jetzt die Zeit für eine Verbreitung der Milben günstig. „In den Herbst- und Wintermonaten ist die Ausbreitungsgefahr größer als zu anderen Jahreszeiten.“ Insgesamt allerdings liegt die Zahl der Krätze-Erkrankungen deutlich unter der anderer meldepflichtiger Erkrankungen. Zum Vergleich: Mit den ebenfalls meldepflichtigen Noroviren steckten sich 2014 mehr als 500 Menschen im Landkreis an.

Bei Verdacht auf Krätze-Milben empfiehlt es sich, Kleidung und Wäsche bei 60 Grad zu waschen. Betten, Sofas, Sessel und Fußbodenbeläge sollten intensiv mit dem Staubsauger abgesaugt werden. Plüschtiere und Schuhe lassen sich durch eine kurze Auszeit im Gefrierfach milbenfrei machen.