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Gesundheitsprobleme wegen der Fassade?

Eine Frau sagt, Farbdämpfe in ihrem Wohnhaus hätten sie vergiftet. Sie stellt Strafanzeige gegen den Vermieter.

© Norbert Millauer

Von Mareike Huisinga

Pirna. Caroline Scholz klagt an. „Ich bin fassungslos. Ich bin vergiftet worden“, sagt sie sichtlich aufgeregt.

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Was genau ist geschehen? Um die gesamte Geschichte zu erzählen, muss die 41-Jährige etwas weiter ausholen. Ursprünglich stammt sie aus Pirna, lebte aber viele Jahren in Heidelberg. Caroline Scholz ist alleinstehend und bezieht eine Erwerbsminderungsrente. Die relativ hohen Wohnungskosten in Heidelberg bei ihrem schmalen Einkommen bringen sie zu der Entscheidung, wieder zurück in ihre alte Heimat zu ziehen. Schnell findet sie 2017 eine Wohnung im Plattenbau auf dem Sonnenstein in Pirna. Doch so ganz sagt ihr diese doch nicht zu, sodass sie nach kurzer Zeit eine Wohnung in einem kleineren Mietshaus auf der Reutlinger Straße anmietet. „Schon bei der Besichtigung fiel mir der unangenehme Geruch nach Chemikalien auf. Nachbarn sagten, Fachleute hätten kurz zuvor die Außenfassade und das Treppenhaus neu gestrichen“, erinnert sich Scholz.

Am 22. September bezieht sie die Zwei-Zimmer-Wohnung. Da sie an diesem Tag ihren Geburtstag hat, stellt sie nur schnell ihre Koffer ab und verlässt die Wohnung wieder. Gegen Mitternacht kehrt sie zurück. Der Gestank sei immer noch extrem gewesen, erzählt Caroline Scholz. Sie geht zu Bett. „Nach 20 Minuten spürte ich jedoch extreme Übelkeit und Kopfschmerzen, ich bekam Panikattacken.“ Die Ursachen hierfür sieht sie in dem üblen Geruch, sodass sie in der Nacht das Quartier verlässt und wieder in ihre Plattenbau-Wohnung zurückkehrt, zu der sie noch den Schlüssel besaß. Dort bleibt sie zunächst, aber die Beschwerden klingen nicht ab.

Nach wenigen Tagen geht sie in die Notaufnahme des Pirnaer Klinikums. Dort, so berichtet sie, habe der Arzt diagnostiziert, dass sie unter einer Unverträglichkeit der Dämpfe der Farbe leide. Er rät zum Wohnungswechsel. In der ersten Oktoberwoche begibt sie sich erneut ins Klinikum, wegen derselben Beschwerden. Daraufhin kündigt sie die Wohnung fristlos.

Gesundheitsamt findet kein Gift

Der Eigentümer der Häuser an der Reutlinger Straße sieht jedoch die Schuld für die Kündigung nicht bei sich, daher behält er die Mietkaution in Höhe von 840 Euro als Mietersatz ein, berichtet Caroline Scholz. „Das ist ungerecht, denn die Wohnung war für mich nicht nutzbar“, sagt sie und erklärt, dass sie bis heute unter Vergiftungserscheinungen leide. Ihrer Ansicht nach habe die Malerfirma giftige Biozidlacke auf die Dämmung aufgetragen.

Mittlerweile wohnt sie wieder im Westen bei Karlsruhe. Sie hat Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Vermieter gestellt und das Gesundheitsamt informiert. Auf ihr Drängen habe die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Das bestätigt Stefan Grohme von der Polizeidirektion Dresden. Da die Ermittlungen aber noch laufen, könne er sich zu bisherigen Ergebnissen nicht äußern. Mieter Hans-Jürgen Jähne aus der Reutlinger Straße 10 klagt ebenfalls über Hautreizungen. Die Ekzeme habe er beim Arzt vorgestellt. „Es konnte aber nicht bewiesen werden, dass ein Zusammenhang zwischen der Farbe und meinen Erkrankungen besteht“, sagt Jähne. Ausziehen will er jedenfalls nicht. Helga Hentschel, die ebenfalls in der Reutlinger Straße 10 wohnt, hält hingegen die Bälle flach. „Seit dem Neubau im Jahr 1996 lebe ich hier und habe weder Atembeschwerden noch sonstige gesundheitliche Probleme“, betont sie.

Verwaltet werden die Mehrfamilienhäuser Reutlinger Straße 10 bis 18 von dem Radeberger Unternehmen Dr. Fuchs Immobilien & Hoff. „Bei den Farben, welche im und am Objekt Reutlinger Straße 10 bis 18 verwendet wurden, handelt es sich um in Deutschland hergestellte und zugelassene Farben“, sagt eine Mitarbeiterin. Sie versteht die Aufregung nicht. Das gesamte Objekt besteht aus 61 Wohnungen. „Alle anderen Eigentümer bzw. Bewohner der Häuser haben sich weder über Beeinträchtigungen oder Geruchsbelästigungen noch über Gesundheitsschädigungen im Zusammenhang mit den Malerarbeiten beschwert“, betont sie und fügt hinzu, dass ihres Wissens alle Bewohner wohlauf seien.

Auch das Gesundheitsamt des Landkreises Pirna war bereits vor Ort und hat die Vorwürfe der Mieterin geprüft. „Es gab Gespräche mit Mietern, dem Vermieter und der betreffenden Malerfirma. Das Verbringen von giftigen Stoffen kann nicht bestätigt werden. Wir stehen mit der Mieterin in Kontakt“, teilt Amtsleiterin Kerstin Körner mit.