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Geteilte Meinungen über Riesen-Skulptur

© Archiv/Sebastian Schultz

Ein Stadtrat findet den Entwurf anmaßend, ein anderer vermisst künstlerische Qualität. Und es gibt weitere Bedenken.

Von Britta Veltzke

Riesa. Ein neues Kunstwerk will das Wirtschaftsforum der Stadt schenken: Drei Riesaer Riesen, die eine Weltkugel halten (SZ berichtete). Auf einer Stele daneben sollen die Riesen-Sage erzählt und die Unterstützer namentlich benannt werden. Wenn die vier Meter hohe Skulptur Platz auf städtischem Grund und Boden finden soll, müsste der Stadtrat zustimmen. Ein einhelliges „Hurra“ schallt jedoch nicht durch die Stadt. Helmut Jähnel, Chef der größten Stadtratsfraktion, CDU, hätte grundsätzlich nichts gegen ein weiteres Kunstwerk. „Es muss natürlich ein passender Ort gefunden werden.“ Zu dem konkreten Entwurf will er sich noch nicht äußern.

Anders Volker Thomas, stellvertretender Vorsitzender der Linken im Stadtrat und Mitarbeiter des Riesaer Stadtmuseums: „Auf den ersten Blick überzeugt mich der Entwurf nicht. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Mit meinen Fraktionskollegen habe ich darüber noch nicht gesprochen.“ Aus Sicht von Volker Thomas lässt die Gestaltung jegliche künstlerische Qualität vermissen. „Überhaupt kein Vergleich zu den Arbeiten von Jörg Immendorff, Lutz Peschelt, Benno Werth oder Jan Giehrisch. Zum Glück haben wir viele gute Beispiele für gelungene Kunst im öffentlichen Raum.“ Auch, dass der Riese zu Riesa gehört, stellt er infrage. „Die Figur entspringt einer Sage, von der wir nicht mal genau wissen, wo sie herkommt.“ Er hält den Riesen eher für eine Marketingfigur als für ein Riesaer Original.

Solang der Stadt keine Kosten entstehen hat Andreas Näther, Chef der SPD-Fraktion, nichts gegen eine solche Skulptur einzuwenden. Den Entwurf hält er jedoch für ein „bisschen hochgegriffen“. „Das bedeutet ja, dass Riesa die Welt stützt. Etwas anmaßend finde ich das schon. Schließlich gibt es da auch noch ein paar andere Akteure.“ Riesa braucht aus Sicht von Andreas Näther nicht immer die Superlative.

Und was sagt der Riesaer Riese? Immerhin ist er in dreifacher Ausführung in dem Werk integriert. Stadtmaskottchen-Darsteller Gunter Spies findet die Idee grundsätzlich gut. „Da kann Rime richtig zeigen, was das Unternehmen auf der Pfanne hat.“ Doch ein wenig Bauchschmerzen hat auch Spies bei dem geplanten Projekt, das zum Tag der Sachsen 2019 fertig werden soll. Schließlich plant er ebenfalls eine Installation, die pünktlich zu dem Volksfest der Öffentlichkeit präsentiert werden soll: eine Zeitkapsel. Der ausrangierte Speicher der Stadtwerke mit „zeittypischen Gegenständen“ soll zum Tag der Sachsen für die nächsten 100 Jahre verschlossen werden. Derzeit ist es geplant, die Zeitkapsel auf dem Gelände der Sternwarte in Weida aufzustellen. Spies befürchtet, dass sich das Wirtschaftsforum und er gegenseitig die Spender wegnehmen. Denn beide Projekte sollen durch Spenden finanziert werden. Für die drei Riesen mit der Weltkugel veranschlagt das Wirtschaftsforum 20 000 Euro. Gunter Spies rechnet mit rund 8 000 Euro für das Fundament und die Außengestaltung der Zeitkapsel. „Da hat es das Wirtschaftsforum mit seinen guten Kontakten zu Riesaer Firmen natürlich leichter als ich.“ Spies könnte sich auch eine Zusammenarbeit vorstellen. „Wieso integriert man die Zeitkapsel nicht einfach mit der Idee des Wirtschaftsforums?“ Die Riesen könnten die Zeitkapsel stützen und die Weltkugel könnte einfach obendrauf gesetzt werden.

Auch Stefan Schwager, Fraktionschef Freie Wähler/Bürgerbewegung und Vereinsvorsitzender der Sternwarte, findet, dass sich die Ideen gut ergänzen würden. „Die Erde hat schließlich auch etwas mit unserer Arbeit zu tun. Wir sollten in der Stadt bestehende Ideen verfolgen, anstatt eine weitere auf die Agenda zu setzen.“

Kurt Hähnichen vom Wirtschaftsforum hält die beiden Projekte für eigenständig. Eine Kombination sei daher nicht sinnvoll. „Wir wollen ja ganz bewusst den Fokus auf die Riesaer Städtepartnerschaften und auf das Know-how der Riesaer Wirtschaft legen.“ Daher kann er die Kritik an der künstlerischen Qualität des Entwurfes auch nicht nachvollziehen. „Es kommt uns eben eher darauf an, die technischen Möglichkeiten zu zeigen als ein Kunstwerk.“ Die Gestaltung sei übrigens eine Rohfassung, die noch mal verändert werde, sobald die statischen Berechnungen vorlägen.

Der Entwurf ist laut Hähnichen ein Gemeinschaftsprodukt von Wirtschaftsforum und der Firma Rime. Ein Künstler war daran nicht beteiligt.

Einen SZ-Leser erinnert die Darstellung an Charlie Chaplin: „Als er als Diktator mit der Weltkugel spielt. Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“ Zudem hat der Entwurf Ähnlichkeiten mit einer der ersten Skizzen Immendorffs für sein Werk in Riesa. Diese zeigt drei Affen, die eine Art Ei über den Köpfen halten. „Die Ähnlichkeit ist reiner Zufall“, erklärt Kurt Hähnichen. Und eine Konkurrenzsituation mit dem Zeitkapsel-Projekt zu schaffen, sei nie beabsichtigt gewesen.

Bei der Umsetzung beider Ideen ist nun Eile geboten – nur noch ein gutes Jahr bis zum Start des großen Volksfestes. Für jede von ihnen ist ein Stadtratsbeschluss nötig. Rime-Betriebsleiter Steffen Wätzig rechnet damit, dass sein Unternehmen rund ein Jahr benötigt, um den Entwurf umzusetzen. Schließlich wird die Skulptur mit geschätzten anderthalb Tonnen Gewicht kein Leichtgewicht. Da braucht es ein stabiles Fundament.