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Geteiltes Echo auf Zittauer Auftrags-Vorschau

Die Stadt informierte jetzt als erste in der Oberlausitz Firmen lange im Voraus über ihre Baupläne. Macht das Schule?

© dpa/K.-J. Hildenbrand

Von Tilo Berger

Gesund und Fit

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Oberlausitz. In Leipzig und Dresden sind Vergabekonferenzen seit Jahren gang und gäbe. Die Stadtverwaltungen laden an der Schwelle eines neuen Jahres Vertreter von Baufirmen ein und geben einen Überblick, welche öffentlichen Aufträge in den nächsten Monaten winken. Robert Franke, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der sächsischen Landeshauptstadt, sieht das als Selbstverständlichkeit: „Wir wollen die Unternehmen unterstützen und dafür sorgen, dass ein Großteil der Wertschöpfung in der Region stattfindet. Damit die Betriebe besser planen können, werden wir diese zukünftig noch früher über anstehende öffentliche Baumaßnahmen und Ausschreibungen informieren.“

Als erste Stadt in der Oberlausitz zog jetzt Zittau nach. Und die Unternehmer ließen sich nicht lange bitten – mehr als 40 von ihnen erfuhren aus erster Hand, für welche Baumaßnahmen in diesem Jahr das Landratsamt, die Stadtverwaltung, die Stadtwerke Zittau sowie der kommunale Wasserver- und Abwasserentsorger Sowag Geld ausgeben wollen.

Wie Frank Scholze zeigten sich viele Teilnehmer von dieser Art der Vorab-Information angetan. Scholze führt die Geschäfte der Oberlausitzer Straßen-, Tief- und Erdbau Gesellschaft mbH (Osteg) mit Sitz in Zittau. Jetzt warten die Osteg-Verantwortlichen auf die ersten konkreten Ausschreibungen, um eventuell mitzubieten.

Auf der Vergabekonferenz wurden Fragebögen verteilt, die mittlerweile alle gesichtet sind, sagt die Zittauer Wirtschaftsfördererin Gloria Heymann. Demnach wünschen sich die Unternehmer eine jährliche Wiederholung. Gut zwei Drittel der Unternehmen kündigten an, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. Für etwa jede zweite Firma war bei der Vergabekonferenz schon mindestens eine interessante Ausschreibung dabei.

In Zittau fällt das Echo auf die Vergabekonferenz positiv aus – in der Region ist es geteilt. Görlitz bereitet eine ähnliche Aktion vor, lässt Stadtsprecher Wulf Stibenz durchblicken. Dazu wollen sich die Görlitzer mit den Zittauern treffen, um von deren ersten Erfahrungen zu profitieren. Die Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH als Schaltstelle der Wirtschaftsförderung sucht offenbar schon einen Termin, der möglichst vielen passen könnte.

„Die Idee ist gut“, heißt es im Rathaus von Weißwasser. „Die Stadt überlegt, dies ebenfalls aufzugreifen.“ Allerdings habe es in der Vergangenheit auch Kritik gegeben, wenn öffentliche Aufträge an Firmen aus der Stadt gegeben wurden. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch habe deshalb auch schon mehrfach Dienstaufsichtsbeschwerden und anonyme Briefe erhalten. Allerdings resultiert aus der Teilnahme an einer Vergabekonferenz nicht automatisch ein Auftrag. Zwischen beiden liegt noch die Ausschreibung, nach der in der Regel der günstigste Bieter den Zuschlag erhält.

Kamenz will auf Zittauer Spuren wandeln, kündigt Stadtsprecher Thomas Käppler an, „gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Dresden und Handwerkskammer und gegebenenfalls mit Gemeinden und Städten der Umgebung. Natürlich erkundigen wir uns auch in Zittau.“

Anders sehen das die Stadtväter in Bautzen und Löbau. „In Bautzen ist eine solche Konferenz nicht geplant“, erklärt Stadtsprecher André Wucht und nennt drei Gründe: Erstens hat bei Vergabeverfahren immer der Stadtrat das Wort, zweitens sei so eine Konferenz personell nicht zu stemmen, drittens schreibe Bautzen die meisten Aufträge ohnehin europaweit aus – da nütze heimischen Unternehmern der Wissensvorsprung nicht viel. Löbaus Baupläne seien auch ohne Vergabekonferenz bekannt, sagt Pressesprecherin Eva Mentele: „Die Vorhaben der Stadt Löbau sind Bestandteil des Haushaltplanes und stehen als Information allen zur Verfügung.“