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Getreideernte wie zu Omas Zeiten

Der Heimatverein Haselbachtal hatte zum Hoffest eingeladen. In dem Vierseithof wurde die alte Dreschmaschine angeworfen.

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© Jonny Linke

Von Jonny Linke

Haselbachtal. Tack, tack, tack – so klang es über das Festgelände in Haselbachtal. Der Stand, an dem die Besucher zusehen konnten, wie eine Sense gedengelt wird, war oft dicht umlagert. Beim Dengeln wird durch gezielte Schläge das Sensenblatt entlang der Schneidekante verdünnt und somit geschärft.

Der Heimatverein hatte am Wochenende zum Hoffest eingeladen. Die Mitglieder zeigten im Vierseithof, wie Landwirtschaft früher aussah. „Während heutzutage meist nur ein oder zwei Mähdrescher in einer Firma mehrere Hundert, sogar tausend Hektar Fläche bewirtschaften müssen, um rentabel zu sein, gab es früher nach Ablösung des Dreschschlegels stationäre Dreschmaschinen auf jedem Hof“, erzählt der Vorsitzende des Heimatvereins Reiner Hasselbach. Mit dieser Technik war es Landwirten möglich, Getreidekörner aus der Ähre zu schlagen und separat vom Stroh zu trennen. Wer sich einmal intensiver mit der heutigen und damaligen Landwirtschaft beschäftigt, wird viele Gemeinsamkeiten feststellen. Auch bei den Dreschmaschinen auf dem Vierseitenhof im Haselbachtal gibt es diese. „Wir wollen den Besuchern zeigen, wie das Leben früher auf einem Bauernhof war“, so Hasselbach.

Schnell mal die Sense schwingen

Aber nicht nur die Dreschmaschine ist ein gefragter Anziehungspunkt zum dritten Hoffest. „Vor allem das Grassensen hat in den letzten Jahren erheblich Zuspruch erhalten. Viele Bürger haben Zuhause kleine Haustiere wie Kaninchen. Da will jeder schnell mal die Sense schwingen und selbst das Futter sensen“, sagt Reiner Hasselbach. Doch wie das geht lässt sich schwer beschreiben. „Übung und Erfahrung machen den Meister“, so der Vorsitzende. Seit gut zehn Jahren beschäftigt dieser sich ausgiebig mit der Sense und den Techniken. Für ihn zählt nicht die Geschwindigkeit, sondern die Sauberkeit beim Schnitt und Erläuterung der Techniken. Gerade deswegen ist vielleicht auch der Zuspruch innerhalb der Bevölkerung in den letzten drei Jahren gestiegen. Die einheimische Bevölkerung kennt sich mit der Landwirtschaft sehr gut aus, aber der Hof erlebt in den letzten Jahren eine ehrhebliche Steigerung an Besuchern aus Städten, welche schon mehrere Kilometer entfernt sind.

Ein besonderer Vorteil des Hofes ist sicherlich auch die authentische Ausstrahlung. Die rund 30 Mitglieder des Vereins legen viel Arbeit, Mühe und Leidenschaft in die Pflege des denkmalgeschützten Objektes. Ob das verlassene Wohnhaus oder die Scheunen. „Wir müssen alles selbst pflegen und erhalten. Dazu gehört auch die Pflege der umliegenden Wiesen“ erzählt der Vorsitzende. Und das alles ganz ohne Fördermittel!

Zum Hoffest sind auch diesmal wieder viele Besucher aus nah und fern gekommen. Ob bei der Vorführung der angesprochenen Dreschmaschine oder dem geplanten Grassensen. Doch der Wettergott meinte es diesmal nicht gut mit den Traditionspflegern. Pünktlich um 14 Uhr fing es an zu regnen, so dass einige Vorführungen, wie gerade das Sensen im Gras verschoben werden mussten. Extra deshalb auch angereist war Cris Tschech aus Taubenheim. „Ich habe Reiner Hasselbach auf einem Trödelmarkt kennengelernt und wir sind ins Gespräch gekommen. Heute wollte ich mir hier Tipps und Ratschläge zum Dengeln meiner Sense holen. Doch leider regnet es. Vielleicht kann er mir ja doch noch ein paar Kniffe zeigen“ so der Taubenheimer.