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Gewaltloser Protest

Eintracht Frankfurt verfolgt beim ersten Montagsspiel der Bundesliga eine Strategie der Deeskalation. Es gibt aber auch Kritik am Vorgehen der Hessen.

© Eibner/Rene Weiss

Von Pirmin Closse

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Eine Trillerpfeife hatte sich auch Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann organisiert. Laut eigener Aussage aber ausschließlich, um sicherzustellen, dass diese „tatsächlich nur aus Plastik“ war. Aktiv beteiligen am ohrenbetäubenden Pfeifkonzert, mit dem die Frankfurter Fans das erste reguläre Montagsspiel der Fußball-Bundesliga gegen RB Leipzig begleiteten, wollte sich der 46-Jährige dann doch nicht. Obwohl das angesichts des bemerkenswert liberalen Umgangs des Klubs mit den Protesten ins Bild gepasst hätte.

Schließlich war es wirklich außergewöhnlich, wie die Eintracht auf die erwartet massiven Demonstrationen gegen die so unbeliebte Ansetzung reagiert hatte. Anstatt des Versuchs, die Aktionen zu unterbinden, wählte der Verein eine fast revolutionäre Strategie der Toleranz. Der geordnete Fan-Aufmarsch im Innenraum zu Spielbeginn, Ultras, die über der Werbebande ihre Protest-Banner präsentieren, während zwei Meter weiter der Ball bereits rollt, sind ein Novum in der Bundesliga-Geschichte – und waren durchaus ein Risiko.

Entsprechend zufrieden waren die Frankfurter hinterher, dass neben dem 2:1-Erfolg, durch den das Team von Niko Kovac mehr denn je von der Champions League träumen darf, auch ein Abend des lautstarken, aber friedlichen Protests zu Buche stand. Selbst auf den Tennisball-Hagel nach der Pause war die Eintracht mit einem professionellen Räumkommando bestens vorbereitet.

„Der Ansatz, die Proteste zu tolerieren, ist voll aufgegangen“, resümierte Hellmann deshalb hinterher stolz und wurde doch nicht müde zu betonen, dass man die Aktionen der Fans nur geduldet und nicht etwa genehmigt habe. Das aber war irgendwie nur die halbe Wahrheit. Denn gleichzeitig hatte der Klub keine Gelegenheit ausgelassen, um sich offensiv auf die Seite der Fans zu schlagen. Der unmittelbar vor Spielbeginn ertönende Rockklassiker „I don’t like mondays“, der humorvolle Einspieler („Scheiß Wochenende, endlich wieder Montag!“) nach den Toren, die zahlreichen Aussagen von Offiziellen wie Sportvorstand Fredi Bobic („Man muss Respekt gegenüber den Fans zeigen“) – was die Eintracht an diesem Montagabend kommunizierte, darf auch als Seitenhieb gegen die Deutsche Fußball Liga (DFL) verstanden werden. Die Botschaft an die eigenen Fans: „Wir gegen die!“

Und genau diese Haltung bringt den Hessen auch durchaus Kritik ein. Nicht nur Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer beim Gegner aus Leipzig, erinnerte zuletzt immer wieder daran, dass „alle Bundesligisten für diese Montagsspiele abgestimmt haben“. Zudem erklärte der 42-Jährige: „Das wurde nicht aus kommerziellen, sondern aus sportlichen Gründen und zum Schutz des Amateurfußballs gemacht. Wir müssen den Fans klar erklären, warum wir das gemacht haben.“

Vor allem Hellmann musste sich deshalb für die Solidarisierung mit den Fans hinter den Kulissen durchaus verteidigen. „Das ist kein Populismus, sondern reine Realpolitik“, äußerte er am Montag vehement. „Wir mussten das jetzt hinnehmen, weil massive Proteste angekündigt waren. Wir mussten uns arrangieren, weil wir bestimmte Dinge zulassen und dulden mussten. Das darf aber nicht die Zukunft sein. Dahinter steht ein Zielkonflikt, den wir mal entscheiden müssen.“

Die Leipziger brachten ein paar personelle Sorgen mit nach Hause. Für das Rückspiel der Europa-League-Zwischenrunde gegen den italienischen Spitzenklub SSC Neapel am Donnerstag fallen womöglich Naby Keita und Willi Orban aus. Keita zog sich eine Zerrung im rechten hinteren Oberschenkel zu, Orban erlitt eine tiefe Schnittwunde im Bereich des rechten Kniegelenks, die genäht werden musste. Wie lange die beiden ausfallen, ist laut Klubangaben „noch unklar“. (sid, mit dpa)