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Gewaltorgie in der Männer-WG

Fast vier Jahre Haft: Alexander M. hatte seinen Mitbewohner krankenhausreif geprügelt.

Von Maren Soehring

Wie ein Berserker habe der knapp zwei Meter große, durchtrainierte Alexander M. gewütet, sein körperlich weit unterlegenes Opfer blindwütig und mit irrsinniger Brutalität traktiert, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius in seinem Plädoyer im Prozess gegen M. am Landgericht Dresden. In der Nacht des 3. Augusts vergangenen Jahres hatte der 23-Jährige mit Fäusten und Besenstielen auf seinen ehemaligen Mitbewohner eingeschlagen. Sogar ein Holzkleiderbügel ging zu Bruch, bevor M. den Exzess beendete.

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Laut medizinischem Gutachten trug das Opfer zahllose Verletzungen am gesamten Körper davon, darunter auch eine grundsätzlich lebensbedrohliche Gehirnblutung. Bereits am ersten Prozesstag hatte der ungelernte M. die Attacke eingeräumt, sich entschuldigt. Auch der Zahlung von 5 000 Euro Schmerzensgeld stimmte er zu. Vor der Tat teilten sich die ehemaligen Arbeitskollegen zwei Jahre eine Einraumwohnung in Klotzsche – die ungleiche WG funktionierte nach Aussagen beider lange Zeit problemlos. Doch dann verlor M. seinen Job, konnte seinen Anteil nicht mehr zahlen, die Spannungen nahmen zu.

Die Männer hätten gemerkt, dass es so nicht weitergeht, aber nie darüber geredet, sagte die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand gestern in der Urteilsbegründung. Als M. in der Nacht nach einer ausgiebigen Kneipentour stark alkoholisiert nach Hause kam und vor der von innen verschlossenen Tür stand, habe sich auch der aufgestaute Ärger der vergangenen Monate entladen: M. habe Dirk G. nicht nur körperlich schwer misshandelt, sondern den um sein Leben fürchtenden Mann auch noch mit Sprüchen wie „Stech dich doch selbst ab“ verbal erniedrigt. „Das war unterste Schublade“, so die Richterin.

Verurteilt wurde M. wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Zugute kam dem 23-Jährigen neben dem Geständnis sein weitgehend sauberes Vorstrafenregister. Auch sein Alter und die schwierigen Verhältnisse, in denen M. aufwuchs, wertete das Gericht strafmildernd. Der Staatsanwalt hatte fünf, der Verteidiger um die drei Jahre gefordert. Das Urteil ist rechtskräftig.