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Gewehre raus aus dem Kleiderschrank

Der Schweizer Friedrich Leibacher war ein Waffennarr und ein Querulant. Er hasste den Staat. Im September 2001 tarnte sich Leibacher als Polizist. Er drang in das Parlament des Kantons Zug ein. In dem Gebäude schoss er mit einem Sturmgewehr und anderen Waffen wild um sich.

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Von Jan Dirk Herbermann,SZ-Korrespondent in Genf

Der Schweizer Friedrich Leibacher war ein Waffennarr und ein Querulant. Er hasste den Staat. Im September 2001 tarnte sich Leibacher als Polizist. Er drang in das Parlament des Kantons Zug ein. In dem Gebäude schoss er mit einem Sturmgewehr und anderen Waffen wild um sich.

Leibacher tötete 14 Menschen, er verletzte weitere Opfer teilweise schwer. Dann erschoss sich der Amokläufer selbst. Die Überlebenden des Massakers leiden noch immer unter Traumata. Die Wahnsinnstat erschütterte die Schweiz.

Sie markiert aber auch eine Zäsur: Seit den Ereignissen Zug fordern immer mehr Schweizer schärfere Waffen-Kontrollen. Am Sonntag (13.2.) stimmen sie ab: Eine Volksinitiative will mit härteren Gesetzen einen besseren „Schutz vor Waffengewalt“ erreichen. Regierung, Parlament und die Armeelobby wehren sich dagegen.

2,3 Millionen private Waffen

In der Volksinitiative haben sich Organisationen wie die Grünen aus dem Kanton Zug, Friedensverbände, Mediziner und kirchliche Gruppen zusammengeschlossen. „Jedes Jahr kommen in der Schweiz rund 300 Menschen durch Schusswaffen ums Leben“, rechnen sie vor. Die Täter sind vor allem Männer.

Ein Grund für den fast täglichen Tod durch eine Schusswaffe: Die Schweizer horten zu Hause rund 2,3 Millionen Gewehre, Karabiner, Flinten und Pistolen. In jedem dritten Haushalt liegt mindestens eine Waffe. Die Schweizer verdanken ihre Privatarsenale dabei nicht zuletzt ihrer Armee. Denn in Helvetien dürfen Soldaten ihre Waffen traditionell zu Hause lagern.

Relikt des Kalten Krieges

„Das Sturmgewehr im Kleiderschrank ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg, das keinerlei militärische Nutzen mehr hat“, kritisieren die Waffengegner. Und: Sie verweisen auf den hohen Verlust von offiziell 4700 Armeewaffen in den vergangenen 40 Jahren – Einbrecher erbeuteten viele der Waffen.

„Wo keine Waffen sind, fallen weniger Schüsse. Wo weniger Schüsse fallen, sterben weniger Menschen“, argumentiert Charles Clerc, TV-Moderator und Befürworter der Initiative. Konkret fordern die Waffengegner: Armeeangehörige dürfen ihre Schießgeräte nicht mehr zu Hause deponieren, sondern müssen sie im Zeughaus abgeben. Zudem will man den Erwerb von Waffen erschweren. Und alle Waffen sollen in einem nationalen Register aufgelistet werden.

Die Regierung, die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei und Armeeverbände stemmen sich gegen die Vorschläge. „Die Gesetzgebung wurde in den letzten Jahren mehrfach verschärft“, betont die Regierung. „So gibt es beispielsweise keinen freien Waffenhandel unter Privaten mehr.“

Das Kabinett unterstreicht ebenso: Soldaten können ihre Gewehre freiwillig in Zeughäusern der Armee abgeben. Auch erhalten die „Wehrmänner“ künftig keine Munition mehr für die zu Hause gelagerten Waffen.

Die Rechten sind unzufrieden

Einige rechte Politiker geben sich damit nicht zufrieden. Sie warnen das Volk: Falls die schärferen Gesetze durchkommen, sei ein „Waffenmonopol für Verbrecher“ die Konsequenz. Dem unbescholtenen Schweizer Bürger werde es immer schwerer gemacht, Waffen zu erwerben. Kriminelle aber scherten sich nicht um neue Gesetze – und würden aufrüsten.