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Gewerbe aus kleinen Plaste-Steinchen

Georg Hubert aus Weißwasser führt einen Internetshop für gebrauchte Lego-Teile. Und das ziemlich erfolgreich.

© Mirko Kolodziej

Von Mirko Kolodziej

Am Tieflader senken sich die Auffahrrampen: Der Bergepanzer kann in Stellung gebracht werden. Sein Schild bewegt sich nach unten, ein Kranarm fährt aus.

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„Mit Lego kann man so gut wie alles machen“, sagt der in Hoyerswerda geborene Georg Hubert, der allerdings seit langer Zeit in Weißwasser lebt. Er hat eine kleine Fernbedienung in der Hand und steuert den Panzer – die Miniaturausgabe von Spezialtechnik, die im vorigen Jahr in Dresden zum Einsatz kam, als ein Transportschiff vor einer Brücke hängen blieb. Georg Hubert hat Tieflader wie Panzer aus Legosteinen selbst zusammengebaut. Am Ende dieser Woche wird das Modell bei der SteinHanse in Kaltenkirchen bei Hamburg zu sehen sein, der nach eigenen Angaben größten Lego-Fan-Ausstellung. Hubert ist zweifellos ein Fan. Er hat für die Schau nämlich bereits diverse Modelle in eine Vielzahl an Kisten gepackt.

Man kann mit Lego also die wirkliche Welt nachbauen – zumindest einen Gutteil davon. Georg Hubert ist aber der Beweis dafür, dass man mit Lego auch noch ganz andere Sachen machen kann, zum Beispiel seinen Lebensunterhalt bestreiten. Seit Anfang vorigen Jahres betreibt der 39-Jährige einen Internet-Handel mit gebrauchten Legosteinen, den Brickstore Lausitz.

Fleißarbeit à la Aschenputtel

Manche Leute, erinnert er sich, hätten damals etwas ungläubig geguckt. Aber die Sache läuft. Im Monat geht per Post oder DPD eine dreistellige Zahl an Paketen oder Päckchen nicht nur an Kunden zwischen Sylt und Bodensee, sondern zum Beispiel auch nach Dubai, Korea oder Australien.

War es zwangsläufig, dass Georg Hubert aus seiner persönlichen Passion, Modelle zu basteln, für die es werksseitig keine Bauanleitungen gibt, ein Gewerbe gemacht hat? Das vielleicht nicht unbedingt, aber dabei bleiben eben dann doch folgerichtig Teile übrig und es stellt sich ebenso logisch die Frage: Was damit tun? Dem gelernten Straßenbauer kommt nun zugute, dass es andere Bastler gibt, denen es ebenso geht. Freilich ist vor den Erfolg echte Fleißarbeit à la Aschenputtel gesetzt, nur dass hier keine Linsen zu sortieren sind, sondern Kunststoffteilchen. Wenn eine Bestellung eintrifft, kann der Jungunternehmer so recht schnell mit einem Griff ins entsprechende Schubfach das Georderte in der gewünschten Farbe zutage fördern. Hier sind Dachsteine einsortiert, da Zahnräder, dort Batterieboxen. Doch das Sortieren nimmt natürlich kein Ende, denn es trifft ständig neuer Nachschub von Leuten ein, die Keller oder Dachboden aufgeräumt haben und sich von Bastelmaterial trennen wollen. Waren zu Beginn von Georg Huberts Geschäftstätigkeit in seinem Webshop so ungefähr 50 000 Bauteile zu haben, sind es mittlerweile rund 300 000.

Mit der Brickstore-Eröffnung ist Hubert, wie man so schön sagt, ins kalte Wasser gesprungen. Zwar hatte er aus einem früheren Job Basis-Kenntnisse, etwa was Rechnungslegung angeht. Aber weder gab es einen Gründer-Kurs noch Bankgespräche über einen Businessplan – ergo auch keine finanzielle Förderung. Er habe keine Zeit vertrödeln wollen, sagt der Unternehmer, sondern einfach beginnen. Zwar sei es anfänglich schon steinig gewesen, aber Reue gebe es keineswegs: „Ich bin mein eigener Herr und ich kann arbeiten, wann ich will“, sagt der Weißwasseraner.

Und auch die Gefahr, das Hobby überzubekommen, wenn es plötzlich ebenso ein Job ist, scheint bei ihm nicht zu bestehen. Denn nach wie vor baut Georg Hubert liebend gern Lego-Modelle – ebenso wie seine drei Kinder übrigens. Rot ist seine bevorzugte Farbe. Das hat nicht nur damit zu tun, dass Hubert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser engagiert und Modelle von Feuerwehrfahrzeugen schon so ein wenig seine Spezialität sind. Die beim dänischen Spielzeughersteller dominierende Farbe ist gelb. Und daran kann man sich dann offenbar doch sattsehen. Das größte derzeitige Privat-Projekt allerdings wird blau sein. Im Entstehen ist derzeit das Modell eines gigantischen Trucks. Das Original steht bei Reinert in Mulkwitz.

www.brickstore-lausitz.de