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Gewerbeflächen für Bürgermeister

Mit neuen Ansiedlungen will die Gemeinde vom Wirtschaftsboom an der Autobahn Dresden-Berlin profitieren.

© Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

Schönfeld. Der Nachbar Thiendorf hat´s vorgemacht. Durch ihr Gewerbegebiet stieg die Gemeinde in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer der wohlhabendsten Kommunen in Sachsen auf. Und nicht nur das. Thiendorf bekommt durch seine günstige Lage an der Autobahn auch Einwohnerzuwachs. Das ist in Zeiten von Landflucht und Bevölkerungsschwund nicht zu verachten. Nun wollen die Schönfelder nachziehen. Im neuen Flächennutzungsplan haben sie unmittelbar an der Autobahn ein knapp neun Hektar großes Gewerbegebiet ausgewiesen. Das nimmt sich zwar im Vergleich zu den gegenüberliegenden Thiendorfer Flächen recht bescheiden aus, aber die Gemeinde erhofft sich davon eine wirtschaftliche Belebung. Schönfelds Gewerbesteuereinnahmen waren bisher recht überschaubar, der Gemeindehaushalt meist auf Kante genäht. „Wir haben mit dem Autohof ja schon ein Unternehmen an der Autobahn“, sagt Bürgermeister Hans-Joachim Weigel. „Da kommt immerhin ein fünfstelliger Betrag herein; das können wir gut gebrauchen.“

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Auch in Sachen Bevölkerungsentwicklung blickt Schönfeld hoffnungsvoll in Richtung Autobahn. Immerhin liegt Dresden nur eine halbe Fahrstunde entfernt. „Ich bekomme viele Anfragen von jungen Leuten, die gern hierher ziehen würden“, sagt Weigel. Darunter auch Bauwillige, die sich in der Gemeinde ihren Traum vom Eigenheim erfüllen möchten.

Junge Leute wollen hier bauen

Aber auch viele junge Schönfelder, Böhlaer oder Kraußnitzer wollen in ihrem Heimatdorf bleiben. „Ich habe erst am Donnerstag wieder mit Leuten aus Kraußnitz gesprochen, die beabsichtigen, auf dem elterlichen Grundstück zu bauen“, sagt Weigel. In ruhiger ländlicher Lage wohnen und trotzdem die städtischen Angebote auf dem Arbeitsmarkt und bei der Freizeitgestaltung nutzen – das könnte ein Zukunftsmodell für Schönfeld sein. Dabei geht es der Gemeinde nicht darum, Eigenheimgebiete auf der grünen Wiese aus dem Boden zu stampfen. Vielmehr soll die vorhandene Bausubstanz erhalten werden, besonders die Bauernhöfe, die das Dorfbild prägen. Wenn neu gebaut wird, dann in die Lücken zwischen Gebäuden. Um die Möglichkeiten dafür auszuloten, will Schönfeld nun für alle seine Ortsteile ein Dorfentwicklungsprogramm erarbeiten lassen.

Das Programm bringt noch einen weiteren Vorteil. Die Schönfelder wollen, dass ihre Kommune von der Projektförderung profitiert, die die Entwicklungsorganisation Dresdner Heidebogen anbietet. „Wenn so ein Dorfentwicklungsprogramm auf dem Tisch liegt, gibt es schon mal zehn Prozent mehr Fördermittel“, erklärt Hans-Joachim Weigel. Überdies wird die Dorf-Planung ebenfalls als Förderobjekt anerkannt. Schönfeld hat für die neue Förderperiode etliche Projekte eingereicht. So etwa den Umbau des Linzer Jugendklubs zu einem Dorfgemeinschaftshaus, die Schaffung von Sanitäranlagen für den Freizeitplatz in Böhla und die Außensanierung des Böhlaer Dorftreffs. Auch verschiedene Erhaltungsmaßnahmen für Gemeindestraßen werden ins Auge gefasst.

16 Gemeinden gehören dazu

Zur Förderregion „Dresdner Heidebogen“ gehören 16 Gemeinden nördlich der Landeshauptstadt sowie die Städte Kamenz, Großenhain, Bernsdorf, Radeburg und Königsbrück. Für dieses Gebiet werden bis 2020 EU-Fördermittel in Höhe von 21 Millionen Euro ausgereicht. Eine Hälfte davon soll für private Investitionen zur Verfügung gestellt werden; die andere für öffentliche Vorhaben zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum. Darunter fallen klassische Bauvorhaben wie etwa die Umnutzung von Scheunen und Ställen, die Erhaltung alter Bausubstanz, aber auch Gebäudeabriss und die Renaturierung der Abrissflächen. Auch die Herrichtung von Bauten für die gewerbliche Nutzung kann gefördert werden. Schönfeld war in den vergangenen Jahren einer der großen Nutznießer der Heidebogen-Förderung. So konnte die energetische Sanierung der Oberschule zu großen Teilen mit EU-Geldern für die Entwicklung des ländlichen Raumes finanziert werden.