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Gewerkschaft fordert - Regierung zweifelt

Die Ursache des Busunglückes vom Sonnabend auf der A 9 bei Weißenfells steht noch nicht fest. Der schwer verletzte Busfahrer (66) konnte bisher nicht vernommen werden. Für die Ermittler kommen ein Sekundenschlaf, gesundheitliche Probleme des Fahrers oder ein technischer Defekt in Frage.

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Von Lars Kühl

Die Ursache des Busunglückes vom Sonnabend auf der A 9 bei Weißenfells steht noch nicht fest. Der schwer verletzte Busfahrer (66) konnte bisher nicht vernommen werden. Für die Ermittler kommen ein Sekundenschlaf, gesundheitliche Probleme des Fahrers oder ein technischer Defekt in Frage. Zu schnell fuhr der Bus laut Polizei mit 102 Kilometern pro Stunde nicht. Bei dem Unfall starben fünf Menschen, 19 wurden verletzt.

Die Gewerkschaft Verdi Sachsen forderte neue Sicherheitskonzepte. „Wir haben schon vor einem halben Jahr vorgeschlagen, ein Sicherheitssiegel einzuführen“, sagt Stefan Brangs, zuständig für den Fachbereich Gemeinden. Vorbildlichen Busunternehmen soll damit ein Wettbewerbsvorteil verschafft werden. Auch schärfere Strafen bei Verstößen strebt Verdi an. Bisher müssen kontrollierte Unternehmen bei Mängeln lediglich ein Bußgeld bezahlen. Dies wird in den meisten Fällen eher in Kauf genommen als eine Nachbesserung der Fahrzeuge.

Enormer Konkurrenzdruck

„Billigunternehmen unterliegen einem enormen Konkurrenzdruck“, sagt Brangs. „Die kaufen ihre Busse aus Konkursmassen, bringen diese irgendwie durch den Tüv und lackieren sie neu.“ Dabei sei es unwichtig, wie alt ein Bus ist, wenn er regelmäßig gewartet und auf den neuesten Sicherheitsstandard nachgerüstet werde. Dazu gehören ergonomische Fahrersitze, Sensoren, die auf Hindernisse reagieren oder eine Rundum-Kamera. Doch dies sei vielen Unternehmen zu teuer.

Das Hauptproblem sieht Brangs in dem Druck, der auf dem Personal lastet. „Die Fahrer haben Vorgaben. Sie müssen in einer bestimmten Zeit an einem Ort sein, egal wie.“ Doch es gibt vorgeschriebene Lenkzeiten. Nach vier Stunden ist eine 30-minütige Pause notwendig. Und nach maximal neun Stunden muss der Fahrer elf Stunden ruhen. Oder er wird gewechselt. Steigt der zweite Fahrer erst unterwegs zu, muss sein Anfahrtsweg in die Lenkzeit mit eingerechnet werden. „Wir fordern auch ein Sicherheitstraining alle zwei Jahre für die Fahrer“, sagt Karl-Heinz Biesold, Fachbereichsleiter Verkehr bei Verdi. Größere Unternehmen führten dies bereits durch, kleinere meist nicht.

Die Forderungen der Gewerkschaft versteht Thomas Uslaub, Pressesprecher des sächsischen Innenministeriums, aber eine Durchführbarkeit bezweifelt er. „Wer kann eine permanente Kontrolle gewährleisten und wer soll das bezahlen?“ Sachsens Polizei kontrolliert immer wieder Reisebusse – im ersten Halbjahr 2003 waren es 1 229. Nur 51 wiesen geringfügige technische Mängel auf. Sieben durften nicht weiterfahren oder wurden wegen schwerer Mängel stillgelegt. 63 Fahrer verstießen gegen Lenk- und Ruhezeiten.