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Tief "Axel" bringt Überschwemmungen

In Niedersachsen muss ein Krankenhaus geräumt werden, im Allgäu ruft eine Stadt Hochwasseralarm aus. In Sachsen hat sich die Lage entspannt.

Ein Mann steht in Thüringen im vom Wasser überfluteten Garten neben einem Auto.
Ein Mann steht in Thüringen im vom Wasser überfluteten Garten neben einem Auto. © dpa

Heftige Regenfälle und schwere Gewitter haben in Teilen Deutschlands Straßen und Keller überflutet. Tief "Axel" hat in der Nacht zu Dienstag örtlich bis zu 70 Liter Wasser pro Quadratmeter gebracht. In einigen Regionen war der Bahnverkehr beeinträchtigt. Die Stadt Wangen im Allgäu hat Hochwasseralarm ausgelöst, auch in Thüringen wird an einigen kleinen Flüssen Hochwasser befürchtet.

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In einem Kreißsaal im niedersächsischen Helmstedt stürzte nach heftigen Regenfällen die Decke ein. Der Saal und die Intensivstation des Krankenhauses wurden geräumt. Nach Angaben der Feuerwehr waren sechs Menschen betroffen - drei Frauen aus der Entbindungsstation und drei Intensivpatienten. Sie wurden am Montagabend aus dem Klinikum in andere Krankenhäuser verlegt. Ursache für den Deckeneinsturz war nach ersten Erkenntnissen, dass sich auf dem Dach des Klinikums wegen eines verstopften Fallrohrs Regenwasser gestaut hatte.

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Hochwasserlage entspannt sich

Tief "Axel" hatte in vielen Regionen Deutschlands für Überschwemmungen gesorgt. Jetzt gehen die Wasserstände zurück.

20.05.2019, Niedersachsen, Helmstedt: Krankenwagen stehen vor dem Krankenhaus, in dessen Eingangsbereich sich Feuerwehrleute versammelt haben. Das Krankenhaus musste zum Teil wegen eines Wasserschadens evakuiert werden. Die «Mitteldeutsche Zeitung» berich
20.05.2019, Niedersachsen, Helmstedt: Krankenwagen stehen vor dem Krankenhaus, in dessen Eingangsbereich sich Feuerwehrleute versammelt haben. Das Krankenhaus musste zum Teil wegen eines Wasserschadens evakuiert werden. Die «Mitteldeutsche Zeitung» berich © dpa-Zentralbild

In Baden-Württemberg galt eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für den Großteil des Landes noch bis Mittwochmorgen (Stufe 3). Für den Südosten wurde sogar vor extremem Unwetter (Stufe 4) gewarnt.

In Wangen im Allgäu wurde um 1.30 Uhr der Hochwasseralarm ausgelöst, nachdem der Fluss Obere Argen, der durch die Stadt fließt, den Auslösepegel von 2,30 Metern überschritten hatte. Am frühen Dienstagmorgen lag der Wasserpegel bei 2,70 Metern, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte. Ab einem Wasserpegel von etwa 2,80 Meter würde der Fluss großflächig über die Ufer treten. In der Nähe von Wangen sind nach Polizeiangaben mehrere Keller vollgelaufen.

Die starken Regenfälle bereiten auch Bahnreisenden in Bayern Probleme. Auf drei regionalen Strecken, darunter Augsburg-Ulm, fielen Züge aus. Die Bahn wollte nach Angaben eines Sprechers Ersatzverkehr einrichten. Wie lange die Sperrungen anhielten, war zunächst nicht absehbar. Bei Dinkelscherben seien Gleise überflutet. Zudem drohe ein Hangrutsch. "Das hört sich aber schlimmer an, als es ist", sagte der Sprecher. Zunächst gehe es um eine Vorsichtsmaßnahme. "Wir müssen gucken, wie feucht die Böschung ist." Der Fernverkehr mit ICE und IC wurde zunächst über Donauwörth umgeleitet.

Auch in Thüringen machte sich Tief "Axel" bermerkbar: Nach heftigen Regenfällen sind in einigen Teilen des Freistaats Straßen und Keller überflutet worden. In der Krayenberggemeinde spülte der Regen am Dienstagmorgen Schlamm von einem Hang, wie die Rettungsleitstelle mitteilte. Das Ausmaß war zunächst unklar. Keller liefen im Wartburgkreis voll. An etlichen Flüssen bereiteten sich die Einsatzkräfte im Land auf ein mögliches Hochwasser vor. Eine Sprecherin des Wartburgkreises sagte am Morgen allerdings, dass die Lage überschaubar sei.


Im Nordrhein-Westfalen war besonders der Kreis Lippe stark betroffen. Dort mussten wegen des Regens mehrere Straßen gesperrt werden. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, lag insgesamt vor allem Ostwestfalen im Einflussgebiet des Unwetters. Auf der Autobahn 44 kam es in dieser Region in der Nacht gleich zu mehreren Unfällen. Wie ein Sprecher der Polizei Bielefeld mitteilte, gerieten auf der Autobahn mehrere Fahrzeuge wegen des Starkregens ins Schleudern - eine Person wurde leicht verletzt.

In Hessen war vor allem der Norden und Osten des Landes unter Wasser gesetzt. Besonders betroffen war nach Angaben der Polizei Kassel. Zwar gäbe es derzeit keine Unfälle, jedoch seien viele Keller im Stadtgebiet mit Wasser vollgelaufen, sagte ein Polizeisprecher. Teilweise stand das Wasser knietief auf den Straßen. Bäche traten über die Ufer. Auch in Fulda, dem benachbarten Künzell und Alsfeld im Vogelsberg mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Der Deutsche Wetterdienst ab eine Unwetterwarnung für Osthessen, die Region um Kassel und Teile Südhessens heraus. Es sei mit ergiebigem Dauerregen zu rechnen.

Nach dem kurzen, aber heftigen Gewitter am Montagabend in Berlin und dem Ausnahmezustand bei der Berliner Feuerwehr hat sich die Lage in der Hauptstadt dagegegen vorerst entspannt.

Auch für den Dienstag rechnete der DWD noch mit Dauerregen und Unwettern. "Der Regen verzieht sich dann aber allmählich nach Süddeutschland", sagte Speicher. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen habe sich die Lage bereits entspannt, in Westdeutschland werde das im Laufe des Tages passieren. Nur in Bayern und Baden-Württemberg sei noch bis Mittwochmorgen mit starkem bis heftigem Regen zu rechnen.

In Sachsen sei laut Wetterdienst am Dienstag zwar westlich der Mulde mit einzelnen Gewittern und Niederschlägen von 20 Litern, im Erzgebirge von 30 Litern pro Quadratmeter zu rechnen. Dies könne aber höchstens bei kleineren Flüssen zu steigenden Pegelständen führen. Die Gefahr von Überschwemmungen bestehe nicht. Auch Hagel und Windböen von bis zu 60 Kilometer pro Stunde könnten auftreten. In der Nacht zu Mittwoch werden dann nach den Angaben im Osten des Freistaats Gewitter erwartet. (dpa)