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Geyer tritt als Ehrenspielführer zurück

Dynamos ehemaliger Spieler und Trainer verzichtet nach einem monatelangen Streit um seine Stasi-Vergangenheit auf den Titel.

© WORBSER-Sportfotografie

Daniel Klein

Der Streit brach im Frühjahr aus, schwelte seitdem, nun ist er entschieden. Eduard Geyer ist nicht mehr Ehrenspielführer von Dynamo Dresden. In einer Mitteilung an das Präsidium und den Ehrenrat erklärte der 74-Jährige, der als Spieler und Trainer für den Verein erfolgreich war, seinen Verzicht auf den Titel. „Ich habe diese Entscheidung zum Wohle des Vereins getroffen, vor dem die Befindlichkeiten einzelner Personen zurückzustehen haben“, heißt es in seiner Erklärung.

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Hintergrund des ungewöhnlichen Streits war die Ende Mai erhobene Forderung seiner ehemaligen Mitspieler Klaus Sammer, Dieter Riedel und Hans-Jürgen Kreische, dass Geyer aufgrund seiner Vergangenheit als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit nicht länger Ehrenspielführer des Vereins sein dürfe. „Wenn so jemand die Tradition von Dynamo verkörpert, läuft irgendwas falsch. Entweder das Bild von Geyer wird aus dem Stadion entfernt - oder meins. Ich will nicht neben ihm hängen“, hatte Kreische gesagt. Die zehn Jahre dauernde Stasi-Mitarbeit Geyers war da längst bekannt, er selbst hatte das wiederholt eingestanden. „Was jetzt berichtet wird, sind keine neuen Erkenntnisse. Das habe ich schon 1992 von mir aus publik gemacht, 2000 noch mal Stellung bezogen, als es nach dem Bundesliga-Aufstieg von Energie Cottbus noch mal hochgekocht wurde“, erklärte Geyer der SZ. Das Ehrenspieler-Trio begründete den späten Zeitpunkt der Forderung damit, dass sie im Herbst 2017 auf neue Fakten gestoßen seien. „Dass er der Stasi 1986 erzählt hat, Sammer und Riedel sind als Trainerteam politisch nicht tragbar und hätten viel früher abgelöst werden müssen, war für mich neu. Mit einer solchen Aussage hat er uns unter den damaligen politischen Verhältnissen quasi den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagte Riedel.

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Eduard Geyer hat zu den Vorwürfen eine Stellungnahme abgegeben – hier der Wortlaut:

Das Dynamo-Präsidium hatte zunächst keine Notwendigkeit für eine Aberkennung des Titels gesehen, sich dann aber um eine Einigung bemüht. Warum Geyer ausgerechnet jetzt hat den Titel abgegeben hat, ist unklar. „Die SG Dynamo Dresden soll die Möglichkeit haben, sich allein auf die Lösung ihrer aktuellen Probleme und zu 100 Prozent auf das Kerngeschäft und die damit verbundenen sportlichen Herausforderungen zu konzentrieren“, heißt es in Geyers Schreiben. An seiner Verbundenheit mit dem Verein würde sein Schritt jedoch nichts ändern.