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Gibt es noch ein totes Kind?

Im Verfahren um ein totes Baby in Westsachsen steht die Frage im Raum, ob die Mutter ein weiteres Mal unentdeckt schwanger war und das Kind getötet hat. Handydaten sollen Aufschluss geben.

© Jan Woitas/dpa

Zwickau. Im Gerichtsprozess gegen eine Mutter, die für den Tod ihres Neugeborenen verantwortlich sein soll, gibt es Hinweise auf eine weitere unentdeckte Schwangerschaft der Frau. Damit verbunden ist die Frage, ob möglicherweise noch ein Neugeborenes getötet wurde. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters sollen Kriminaltechniker auf dem Handy der 33-Jährigen mehr als 500 einschlägige Sucheinträge gefunden haben. So habe die Frau aus dem westsächsischen Wilkau-Haßlau im Sommer 2014 einen Geburtsrechner aufgerufen. Diese Daten sollen nun bis zur Fortsetzung der Verhandlung kommende Woche Donnerstag (19. April) vor dem Landgericht Zwickau im Detail überprüft werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Totschlag durch Unterlassen vor. Die Erzieherin hatte zum Prozessauftakt Ende Februar gestanden, im August 2016 einen Jungen heimlich zuhause in der Badewanne entbunden, dann aber nicht versorgt zu haben, woraufhin das Kind starb. Die Leiche war erst rund zehn Monate später auf einer Wiese im Ortsteil Culitzsch gefunden worden - eingewickelt in zwei Handtücher und einen Müllsack.

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Die Frage des Richters nach einer weiteren Schwangerschaft hatte sie am ersten Verhandlungstag verneint. Vorerst wolle sie sich dazu nicht erneut äußern, sagte der Verteidiger am Montag.

Die Angeklagte hat drei Kinder. Ein viertes Kind brachte sie im Frühjahr 2014 vertraulich in einem Krankenhaus zur Welt und gab es zur Adoption frei. Der Vater der Kinder tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Er hat laut eigener Aussage von der vierten und fünften Schwangerschaft nichts bemerkt.

Laut Gutachter ist die Frau voll schuldfähig. Demnach sei sie zwar eine abhängige und leicht zu beeinflussende Persönlichkeit, eine Störung im medizinischen Sinne liege jedoch nicht vor, sagte der Sachverständige vor Gericht. Der Beginn der Verhandlung hatte sich am Morgen um drei Stunden verzögert, da mehrere Prozessbeteiligte auf der Autobahn im Stau gestanden hatten. Das Verfahren, das ursprünglich heute zu Ende gehen sollte, zieht sich nun wahrscheinlich bis in den Mai. (dpa)