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Glashütte hilft den Ärmsten der Welt

Die Uhrenstadt unterstützt ein Vorhaben in Malawi. Selbsthilfe ist das Ziel – statt Flucht.

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© Archiv/SZ

Von Maik Brückner

Glashütte. Ressourcen und Wohlstand sind weltweit ungleich verteilt. Das sei in der Flüchtlingskrise einmal mehr deutlich geworden. Diese Sätze stellte Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) einem Thema voran, mit dem sich die Abgeordneten im Glashütter Stadtrat zum ersten Mal befassen sollten. Die Verwaltung schlug ihnen vor, ein Entwicklungsprojekt zu unterstützen. Dreßler hatte im Vorfeld mehrere Gespräche mit möglichen Partnern geführt. „Vielversprechend verliefen bisher vor allem die Gespräche mit dem Hilfswerk ,Brot für die Welt’“, sagte Dreßler.

Für diese von den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland getragene Organisation spräche auch, dass diese transparent arbeite, erklärte Dreßler. Zudem stelle sich das Hilfswerk regelmäßig einer Art Spenden-Tüv. Nur ein Bruchteil der Einnahmen werde dort für die Verwaltung verwendet. Dreßler sprach von 5,8 Prozent. Überzeugt habe ihn auch der Vorschlag der Hilfswerk-Mitarbeiter, dass die Stadt möglichst viele kleinere Projekte unterstützen solle, um Schritt für Schritt einen Bezug zur Region und zu den dort lebenden Menschen zu bekommen.

Die Hilfswerk-Mitarbeiter regten an, dass Glashütte ein Entwicklungshilfeprojekt in Malawi unterstützen sollte. Das kleine Land im Südosten des afrikanischen Kontinents zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, es ist auf die Nahrungsmittelzulieferungen aus der ganzen Welt angewiesen. „Brot für die Welt“ möchte das ändern, in dem es die Bauern unterstützt. Diese sollen in nachhaltiger Landwirtschaft geschult werden. Zudem unterstützt das Hilfswerk die Bauern beim Aufbau von Bewässerungssystemen. Beides soll dazu führen, dass die Kleinbauernfamilien ihre Erträge erhöhen und so ihre Lebensumstände verbessern können. Mit wenig Geld kann hier viel erreicht werden. Schließlich leben laut „Brot für die Welt“ 80 Prozent der Malawis von der Landwirtschaft.

Vor allem im dicht besiedelten Süden des Landes sind die Felder klein, manche nicht größer als ein deutscher Kleingarten, heißt in einem Bericht des Hilfswerkes, den Dreßler den Stadträten überreichte. Von den Erträgen müssen vielköpfige Familien leben. Ob die Felder die Ernte erbringen, die die Menschen übers Jahr brauchen, hängt vor allem vom Regen ab. Der fällt aufgrund des Klimawandels immer häufiger spärlich aus oder kommt zu spät.

Manchmal kommt er als extremer Niederschlag. Dann wäscht er die Humusschicht von den Hängen und mit ihnen das Saatgut und die Setzlinge. Die dann folgende Missernte führt zur Mangelernährung, manche Menschen müssen hungern. In einigen Regionen ist es dem Hilfswerk bereits gelungen, den Bauern nachhaltig zu helfen. Dank neuer Bewässerungssysteme müssten diese dort nicht mehr um ihre Ernte fürchten. Sie konnten ihre Produktion ausweiten. Drei Maisernten pro Jahr sind nun möglich, die Kleinbauern können auch Tomaten, Bohnen, Erbsen und Chinakohl anbauen.

Diese Berichte haben nicht nur Dreßler überzeugt. Auch der Verwaltungsausschuss, in dem der Rathauschef das Vorhaben zuerst vorgestellt hat, unterstützt die Initiative. Auch die anderen Stadträte folgten dem Vorschlag und stimmten dem Vorschlag zu, über das Hilfswerk Landwirte in Malawi zu unterstützen. Demnach wird Glashütte in diesem Jahr 5 000 Euro für „Brot für die Welt“ zur Verfügung stellen. Im nächsten Jahr soll der Betrag verdoppelt werden. „2018 soll dann eine Überprüfung stattfinden“, sagt Dreßler. Es soll entschieden werden, ob die Stadt das Projekt weiter fördern kann – auch im Hinblick auf die Haushaltslage der Stadt.

Glashütte hofft, dass sich aus den Spenden eine Partnerschaft mit einer Kommune, einer Schule oder anderen Institution ergibt. Vielleicht, so hofft Dreßler, gründet sich in Glashütte auch ein Verein, der die Partnerschaft dann pflegt und selbst weiter Spenden sammelt. „Hier könnten sich private Personen ebenso wie Unternehmen einbringen.“ Damit die Glashütter das Projekt auch annehmen, wird das Hilfswerk über den Einsatz des Geldes regelmäßig berichten. „So soll Schritt für Schritt eine Identifikation entstehen“, sagt Dreßler.

Das Hilfswerk stellte der Stadt zudem in Aussicht, Infomaterial zu dem Thema bereitzustellen, das auch in Schulen verwendet werden kann.