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Glashütte: Was wollen die Bürgermeister-Kandidaten?

Im Wahlforum der Sächsischen Zeitung stellten sich Tilo Bretschneider (AfD) und Sven Gleißberg (parteilos) den Fragen der SZ und der Bürger.

SZ-Regionalchef Domokos Szabó (Mitte) befragte im Wahlforum Tilo Bretschneider (AfD, li.) und Sven Gleißberg (parteilos, re.). Beide wollen am 26. September zum neuen Bürgermeister in Glashütte gewählt werden.
SZ-Regionalchef Domokos Szabó (Mitte) befragte im Wahlforum Tilo Bretschneider (AfD, li.) und Sven Gleißberg (parteilos, re.). Beide wollen am 26. September zum neuen Bürgermeister in Glashütte gewählt werden. © Egbert Kamprath

Fair und sachlich ging es beim Wahlforum der Sächsischen Zeitung zur Glashütter Bürgermeisterwahl zu. Mehr als 80 Bürgerinnen und Bürgern waren ins Erbgericht Reinhardtsgrimma gekommen, um die beiden Kandidaten Tilo Bretschneider (AfD) und Sven Gleißberg (parteilos) live zu erleben und um ihnen Fragen zu stellen. Steffen Barthel (Freie Wähler), der seine Kandidatur vor wenigen Tagen aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte, aber dessen Namen auf dem Wahlzettel stehen wird, war nicht da.

In der zweistündigen Veranstaltung antworteten die beiden Kandidaten zunächst auf die Fragen des Regionalchefs der Sächsischen Zeitung, Domokos Szabó und dann auf die der Besucher. Die SZ fasst die wichtigen Themen der Runde zusammen.

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Wie steht Sven Gleisberg zur CDU, von der er unterstützt wird?

"Für die nächsten Jahre kann ich ausschließen, dass ich in die CDU eintrete", erklärte er. Dass er sich dennoch von der Partei aufstellen ließ, begründete er mit der guten Arbeit, die Frank Reichel und Markus Dreßler, beides CDU-Bürgermeister, in den letzten Jahrzehnten geleistet haben. "Dafür bin ich dankbar." Er möchte mit allen Stadträten zusammenarbeiten. "Ich denke nicht in Schubläden." Glashütte soll eine weltoffene Stadt bleiben, so eines seiner Ziele.

Wie steht Tilo Bretschneider zu umstrittenen AfD-Politikern und zu den Grünen?

Was Bretschneider von Thüringer AfD-Chef Björn Höcke und dem Dresdner AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier hält, die durch fragwürdige Äußerungen immer wieder auffallen, wollte er nicht verraten. Distanzieren wollte er sich nicht von ihnen: Er distanziere sich nicht von Personen, sondern von Sachverhalten, erklärte er. Und er widersprach, dass es in seiner Partei Rassisten gebe.

Die Grünen seien für ihn keine Umweltpartei, sondern eine Partei, die die Gesellschaft umbauen möchte. Das kritisiert er mitunter in sozialen Netzwerken sehr scharf, räumte er ein. Mit den beiden Grünen-Abgeordneten im Stadtrat komme er dagegen gut klar. "Das sind keine typischen Vertreter dieser Partei."

Können Glashütte und Oberfrauendorf auf Vereinshäuser hoffen?

Seit Jahren müht sich Oberfrauendorf um den Bau eines Vereinshauses. Trotz der gegenwärtigen schwierigen Finanzlage der Stadt befürworten beide Kandidaten den Bau. Bretschneider wies aber auf den exorbitanten Baupreis hin, den man bei der jüngsten Ausschreibung erzielt habe. "Wir müssen das auf jeden Fall begrenzen." Gleißberg versprach, am Projekt festzuhalten. "Ich sehe dort den Bedarf."

Sven Gleißberg (38) arbeitet bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und ist dort seit fünf Jahren Personalratsvorstand. Zudem arbeitet er im Verwaltungsrat mit. Der Schlottwitzer hat drei Kinder.
Sven Gleißberg (38) arbeitet bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und ist dort seit fünf Jahren Personalratsvorstand. Zudem arbeitet er im Verwaltungsrat mit. Der Schlottwitzer hat drei Kinder. © Egbert Kamprath

Für Glashütte sieht Gleißberg den akuten Bedarf eines Vereinshauses nicht. Es gebe Räume im Fiebig-Haus, es gibt die Turnhalle und das Schützenhaus. Perspektivisch hält er den Bau eines neuen Vereinsraumes in Zusammenhang mit einer Edeka-Erweiterung für sinnvoll. Den Kauf und die Sanierung der Gaststätte Goldenes Glas möchte er lieber einem privaten Investor, den es schon geben soll, überlassen. Nach seiner Kenntnis wollte dieser auch das Erdgeschoss für Vereinszwecke herrichten.

Bretschneider, der den potenziellen Investor bereits im Glashütter Ortschaftsrat sprechen konnte, bezweifelt, dass dieser noch bereitstehe. Er habe vielmehr die Befürchtung, dass die Immobilie zu einem Problemfall werden könne, wenn die Stadt diese nicht kauft und saniert. Dass Glashütte ein Vereinshaus braucht, sehe man schon deshalb, dass man sich in Reinhardtsgrimma zum Wahlforum treffen müsse.

Hat der Neubau des Stadtbades eine Chance?

Angst, dass eine Generation von Nichtschwimmern heranwächst, weil Glashütte kein Stadtbad hat, hat Bretschneider nicht, erklärte er auf eine Frage aus dem Publikum. Alle Kinder haben in der zweiten Klasse Schwimmunterricht im Paulsdorfer Hallenbad. Jedes seiner Kinder habe dort schwimmen gelernt. Aus diesem Grund allein wäre der Neubau eines Schwimmbades nicht notwendig. Er plädiert aber dafür, dass kaputte Schwimmbad im Prießnitztal instand zu setzten, um es weiter nutzen zu können.

Der Neubau eines Bades steht für Gleißberg in der gegenwärtigen Finanzlage nicht auf der Tagesordnung. Er erinnert an den Bürgerentscheid: Nur 35 Prozent plädierten für den Neubau. Ganz aufgeben will er den Plan aber nicht. Sollte es der Stadt finanziell besser gehen, müsste man das "neu prüfen". Vielleicht könne Glashütte beim Bau der Neustadt dort sogar ein Hallenbad integrieren. Die Bedingung dann: es muss finanzierbar bleiben.

Tilo Bretschneider (55) ist selbstständiger Kfz-Meister. Der Glashütter tritt für die AfD an, deren Mitglied er seit 2018 ist. Er hat sechs Kinder.
Tilo Bretschneider (55) ist selbstständiger Kfz-Meister. Der Glashütter tritt für die AfD an, deren Mitglied er seit 2018 ist. Er hat sechs Kinder. © Egbert Kamprath

Wie stehen die Kandidaten zum Bau einer neuen Oberschule?

Beide Kandidaten möchten, dass Glashütte wieder eine Oberschule bekommt. Sie wissen aber auch, dass es schwierig wird und sich gegenwärtig nicht realisieren lässt. "Wir sollten bereitstehen, wenn sich die Möglichkeit ergibt", sagt Bretschneider. Dann sollte sich Glashütte im Klaren sein, wo die Schule gebaut werden soll. Gleißberg sieht die Chancen wachsen, wenn es gelingt, eine Neustadt zu bauen und die Einwohnerzahl zu erhöhen. "Wir müssen Schritt für Schritt gehen."

Werden die Kandidaten auch die Belange der Landwirtschaft berücksichtigen?

Neben der Uhrenindustrie spielt die Landwirtschaft auch eine Rolle in der Stadt. Gleißberg, der in der Stadt aufwuchs, gab zu, zu wenig Einblick in diesen Wirtschaftsbereich zu haben. Er versicherte aber, die Landwirte bei ihren Anliegen zu unterstützen. Ähnlich äußerte sich Bretschneider, der in Dittersdorf aufwuchs und das Landleben kennt. Es gebe Konfliktpotenzial. Wer aufs Land zieht, müsse akzeptieren, dass die Landwirte eine Sieben-Tage-Woche haben.

Wie stehen die Kandidaten zur Windkraft?

Die Genehmigung von Windkraftanlagen liegt nicht in der Hand der Stadt, so Gleißberg. Trotzdem würde er als Bürgermeister sehr zeitig in Gespräche gehen, um Kompromisse auszuhandeln, die die Akzeptanz erhöhen. Er begrüßt es, dass die Anliegerorte künftig am Ertrag beteiligt werden sollen. Bretschneider verteidigte den Beschluss des Stadtrates, hohe Windkraftanlagen im Stadtgebiet abzulehnen, obwohl der regionale Planungsverband diese genehmigt hat. In diesem Streit sollen die Richter entscheiden. Seiner Meinung nach sollte man wieder auf Kernkraft setzen.

Fazit:

Zu vielen Sachfragen wie zur weiteren Unterstützung der Feuerwehr und den Anschluss der Brunnendörfer an das zentrale Trinkwassernetz haben die Kandidaten ähnliche Positionen. Bretschneider gelang es, sich als moderaten Vertreter seiner Partei darzustellen. Bei einigen Fragen konnte er mit seinem Wissen glänzen, das er sich als Stadt- und Ortschaftsrat in den letzten Jahren angeeignet hatte.

Gleißberg wiederum zeigte, dass er sich in den letzten Wochen mit vielen Themen der Glashütter Kommunalpolitik vertraut gemacht hat - nicht zuletzt an seinem Wahlkampfstand, mit dem er jeden Ortsteil besucht. In Themen, in denen er sich noch nicht auskennt, wolle er sich einarbeiten, versprach er. Während Bretschneider einige Male weit ausholte, um etwas zu erklären, antworte Gleißberg oft kurz und direkt.

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Nun bleibt abzuwarten, wie die Wähler entscheiden - und wie viele ihr Kreuz bei Steffen Barthel machen, der das Amt nicht annehmen will. Es sei eine spannende Wahl, räumte auch SZ-Regionalchef Szabó ein. In seiner mehr als 20-jährigen Laufbahn im Lokaljournalismus sei es noch nie vorgekommen, dass bei einer Bürgermeisterwahl ein Kandidat auf dem Zettel steht, der das Amt nicht annehmen wird. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass am 26. September noch keine Entscheidung fällt, weil es niemandem gelingt, 50 Prozent der Stimmen und zusätzlich noch eine Stimme zu gewinnen. Bei einer daraus folgenden zweiten Wahlrunde am 17. Oktober macht dann der Kandidat mit den meisten Stimmen das Rennen.

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