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Glashütte: Stadtrat lehnt Agri-Fotovoltaik-Anlage ab

Die Räte halten nicht nur die geplante Fläche für ungeeignet. Es gibt noch andere Vorbehalte.

Diese Fotovoltaikanlage steht am Bodensee. Eine so ähnliche Anlage sollte in Cunnersdorf errichtet werden. Das Besondere: Darunter ist Landwirtschaft möglich.
Diese Fotovoltaikanlage steht am Bodensee. Eine so ähnliche Anlage sollte in Cunnersdorf errichtet werden. Das Besondere: Darunter ist Landwirtschaft möglich. © Solare Energiesysteme ISE

Im Glashütter Ortsteil Cunnersdorf wird in den nächsten Jahren vorerst keine großflächige Fotovoltaik-Anlage entstehen. Darauf hat sich der Stadtrat am Dienstag verständigt. Auf Antrag von Jörg Eichler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) lehnte es der Stadtrat ab, eine Fläche im Flächennutzungsplan dafür zu reservieren.

Hier sollte nach den Plänen eines Investors eine Fotovoltaik-Anlage auf Stelzen - eine sogenannte Agri-Fotovoltaik-Anlage - entstehen. Mit dieser sollte nicht nur Sonnenenergie in Strom umwandeln werden. Auch ein landwirtschaftliches Bearbeiten der darunter liegenden Flächen sei bei dieser Anlage möglich.

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Neu ist die Idee, solche Anlagen zu bauen, nicht. Diese gibt es seit 40 Jahren, die ersten Anlagen wurden 2011 in Asien errichtet. In unserer Region stehen bisher keine - Glashütte hätte ein Vorreiter sein können.

Freistaat arbeitet an Regelungen

Doch dazu kommt es nicht. Der Stadtrat folgte der Empfehlung Eichlers. Der Reinhardtsgrimmaer, der selbst Landwirt ist, hatte sich bereits in den vorhergehenden Sitzungen gegen das Projekt ausgesprochen. Obwohl er am Dienstag selbst nicht anwesend war, überzeugen seine schriftlich vorgebrachten Argumente die anderen Stadträte. Fotovoltaik-Anlagen auf Stelzen sei ein komplexes Thema, das man zunächst einmal in Ruhe und nicht öffentlich diskutieren sollte, so Eichler. Zudem arbeite die Staatsregierung an Regelungen dazu, die man erst einmal abwarten sollte.

Eichler schlug vor, im Stadtrat gemeinsam Richtlinien zu erarbeiten, unter welchen Bedingungen man solche Anlagen genehmigen sollte. Zudem sollte die Stadt so agieren, dass sie planerisch auf solche Vorhaben Einfluss nehmen könne.

Eichler ging in seiner Stellungnahme auch auf den konkreten Plan ein. Demnach sei die zu bebauende Fläche nach seiner Kenntnis größer als alle Baugebiete der Stadt zusammen genommen. Wenn hier etwas geplant werde, sollte das vorberaten werden.

Nordhangneigung nicht geeignet

Den Standort selbst hält er für eine Agri-Fotovoltaik-Anlage ungeeignet. Die Fläche, die derzeit ein Grünlandschlauch sei, würde durch die Anlage zu einer Trasse, unter der die Fläche nicht landwirtschaftlich genutzt werden könne, da sie eine leichte Nordhangneigung bis zu 30 Grad und mehrere Kurven habe. Darunter arbeitende Erntemaschinen könnten abdriften und die Anlage beschädigen.

Rückdeckung erhielt Eichler von Planer Hans-Joachim Bothe, der mit der Erarbeitung des Flächennutzungsplans beauftragt wurde und sich im weiteren Verlauf der Stadtratssitzung auch zu diesem Vorhaben äußerte. Auch er hält den geplanten Standort für ungeeignet. Deshalb sei er mit der Entscheidung "nicht unzufrieden", erklärte er. Seiner Meinung nach würde sich die Anlage nicht ins Landschaftsbild einfügen.

Trotz der Ablehnung ist es nicht ausgeschlossen, dass in ferner Zukunft Agri-Fotovoltaik-Anlagen an anderen Stellen im Stadtgebiet entstehen. Zumindest Eichler hat schon mal aufgeführt, unter welchen Bedingungen er solchen Vorhaben zustimmen würde. Demnach sollte es für solche Anlagen unter anderem Größenbegrenzungen geben.

Sie müssten so gebaut werden, dass das Landschaftsbild optisch nicht beeinträchtigt wird und dass Schafe darunter weiden können. Der Sitz der Betreibergesellschaft sollte im Stadtgebiet sein. Diese müsse vorab garantieren, dass die Flächen nach dem Abbau der Anlagen wieder ackerbaulich genutzt werden können.

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Das Votum der Stadträte fiel einstimmig aus. Der amtierende Bürgermeister Uwe Ahrendt (Grüne) erinnerte daran, dass das auch im Sinne der Cunnersdorfer sei, die sich bei einer spontanen Unterschriftenaktion mit großer Mehrheit gegen die Pläne ausgesprochen haben.

Gesammelt wurden die Unterschriften von Jochen Böhme, der auch Landwirt und auch Ortschaftsrat in Cunnersdorf ist. Seine Hauptkritik war die geplante Einzäunung der Anlage, die Wildwechsel erschweren und unmöglich machen würde.

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