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Glashütte: Widerstand gegen Fotovoltaik

Ein Investor plant den Bau einer großen Anlage bei Cunnersdorf. Die Dorfbewohner möchten das verhindern und verweisen auf Alternativen.

Diese Fotovoltaikanlage steht am Bodensee. Sie ist eine Versuchsanlage des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.
Diese Fotovoltaikanlage steht am Bodensee. Sie ist eine Versuchsanlage des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. © Solare Energiesysteme ISE

Noch gibt es nur vage Pläne. In Cunnersdorf soll eine großflächige Fotovoltaikanlage entstehen. Es soll eine Besondere werden: Sie soll auf Stelzen stehen, Sonnenenergie in Strom umwandeln und trotzdem Landwirtschaft möglich machen. Erste Idee, solche Anlagen zu bauen, gibt es seit 40 Jahren, die ersten wurden 2011 in Asien errichtet.

Eine Forschungsanlage steht der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden steht am Standort in Pillnitz. Ob Cunnersdorf so eine Anlage bekommt, ist derzeit fraglich. Denn nach den ersten Reaktionen sieht es nicht gut aus.

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Publik gemacht wurden die Pläne, eine Fotovoltaikanlage zu errichten, von Stadtrat Jörg Eichler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) in vorletzten Stadtratssitzung. Dort sprach sich Eichler - der von Beruf Landwirt ist - vehement dafür aus, diese Pläne zu unterbinden. Denn damit würde kostbares Ackerland verschwinden.

Landwirt sammelt Unterschriften

Auch Jochen Böhme war nicht begeistert, als er von den Plänen hörte. Auch er ist Landwirt und arbeitet im Ortschaftsrat Cunnersdorf. "Ich bin nicht gegen Fotovoltaik", sagt er. Er plant selbst auch den Bau einer solchen auf den Dächern seiner Gebäude. Er ist aber gegen die geplante Anlage, erklärt er in der jüngsten Stadtratssitzung. Gern könnten solche Anlagen auf anderen großen Dachflächen oder auf der Deponie am Ortsrand aufgebracht werden. "Dort herrschen gute Bedingungen, der Südhang würde sich dafür anbieten."

Mit dieser Position stehe er nicht allein. Ein Großteil der Cunnersdorfer sehen das auch so. Fast alle Haushalte haben sich an einer Unterschriftenaktion beteiligt. "Die Haushalte, die fehlen, waren im Urlaub", so Böhme.

Böhme zeigte sich verwundert, dass die Pläne nicht im Ortschaftsrat vorgestellt wurden. Dort müsse man sich zu vielen kleinen Dingen positionieren, doch so eine wichtige Entscheidung werde allein dem Stadtrat überlassen, sagte Böhme. Das sei nicht in Ordnung. Die Sachkenntnis aus dem Ort würde nicht abgerufen. Denn sollte die Anlage werden, würde sie die Landschaft zerschneiden. "Sie wird eingezäunt. Dann können keine Rehe mehr drüber laufen", sagt Böhme.

Markus Dreßler, der diese Sitzung letztmals als Glashütter Bürgermeister leitete, nahm die Unterschriftenliste entgegen. Er verteidigte das Vorgehen der Stadt mit der Eile. Der Antrag zum Bau der Fotovoltaikanlage sei kurzfristig eingereicht worden, deshalb wurde der Ortschaftsrat nicht beteiligt.

Da die geplante Anlage vom Typ Agri Photovoltaik neu sei und die Verwaltung in der Kürze der Zeit die Vor- und Nachteile nicht prüfen konnte, habe man den Antrag in den Entwurf des Flächennutzungsplans aufgenommen.

Fachleute sollen Anlagen bewerten

Im Nachgang sollten Fachleute diese Pläne bewerten. Damit sollten die Stadträte eine Diskussionsgrundlage bekommen und darauf aufbauend entscheiden, ob auf der Fläche letztlich eine Fotovoltaikanlage errichtet werden soll. Denn eine Baugenehmigung ist die Aufnahme in den Flächennutzungsplan nicht.

Dreßler ging davon aus, dass es Chancen für die Anlage gibt, da sich der Stadtrat zwar gegen Riesenwindkraftanlagen ausgesprochen habe, aber grundsätzlich für die Herstellung von grünen Strom sei.

Ein Detailfoto der ersten montierte Modulreihen der Agrophotovoltaik-Pilotanlage der Demeter-Hofgemeinschaft in Heggelbach (Bodensee-Region).
Ein Detailfoto der ersten montierte Modulreihen der Agrophotovoltaik-Pilotanlage der Demeter-Hofgemeinschaft in Heggelbach (Bodensee-Region). © Solare Energiesysteme ISE

Doch der Stadtrat lehnte es mit Mehrheit ab, über den Entwurf des Flächennutzungsplans zu diskutieren und folgte einem Antrag von Eichler. Dieser forderte die Verwaltung auf, die Pläne für die Fotovoltaikanlage aus dem Entwurf zu nehmen. Das geschah nicht. Das Thema wurde vertagt.

Beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, der größten Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Europa, ist man überzeugt, dass die Vorteile solcher Anlagen überwiegen. Solche Anlagen können Landnutzungskonflikt entschärfen, sagt Claudia Hanisch vom ISE. Mit ihnen lasse sich mehr Energie erzeugen als durch den Anbau von Energiepflanzen. Zudem könne die Fläche weiter landwirtschaftlich genutzt werden.

Fraunhofer-Institut hat gute Erfahrungen gemacht

Außerdem könnten solchen Anlagen darunter wachsende Kulturen wie Beeren, Hopfen, Kräuter, Wein oder Obst vor Hagelschlag, Starkregen und starke Sonneneinstrahlung schützen. Der erzeugte Strom könnte von Landwirten genutzt werden. "Sie können sparen, indem sie ihren selbst erzeugten Strom für ihre Fahrzeuge, Kühlaggregate, Geräte zur Weiterverarbeitung der Produkte und anders nutzen", so Claudia Hanisch. Und se könnten den Strom verkaufen.

Gute Erfahrungen hätte ihr Institut auch in Fragen des Wassermanagements gesammelt. Die Module spenden Schatten und mindern die Verdunstung. "Im heißen und trockenen Sommer 2018 wurden unter der Agri-Photovoltaik-Anlage unseres Forschungsprojekts höhere Erträge erzielt als unter der Referenzfläche nebenan. Auch können die Module zum Wassersammeln eingesetzt werden", erklärt sie.

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Es gibt aber auch Nachteile: Die Module müssen sehr hoch aufgeständert werden, damit die Maschinen darunter durchfahren können. Zudem sind solche Agri-PV-Anlagen teurer als normale Freiflächenanlagen.

Ob Glashütte eine solche Anlage bekommen wird? Man wird sehen.

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