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Dittersdorf: Gute Laune trotz Straßenbaustelle

Wieder einmal ist Dittersdorf bei Glashütte abgesperrt. Die Gewerbetreibenden sorgten sich um ihre Kundschaft. Zu Unrecht, wie sich jetzt zeigt.

Endlich kommt Trinkwasser aus dem Netz nach Dittersdorf. Ortsvorsteher Frank Zimmerhäckel, Fleischermeister Steffen Kaden, Bäckermeister Wolfgang Otte und Stadtrat Bernd Grahl (von links) freuen sich.
Endlich kommt Trinkwasser aus dem Netz nach Dittersdorf. Ortsvorsteher Frank Zimmerhäckel, Fleischermeister Steffen Kaden, Bäckermeister Wolfgang Otte und Stadtrat Bernd Grahl (von links) freuen sich. © Egbert Kamprath

Handel und Wandel werden im Glashütter Ortsteil Dittersdorf großgeschrieben. Im Dorf gibt es gut 30 Gewerbetreibende, sagt Bernd Grahl. Er ist Stadt- und Ortschaftsrat - und ist sichtlich stolz auf diese große Zahl. Immerhin hat das Dorf nur 411 Einwohner.

Viele Osterzgebirgler nehmen viele Kilometer in Kauf, um hier Brot, Brötchen und Wurstwaren zu kaufen oder andere Dienstleistungen zu nutzen. Das ist gut so, sagt er. Doch das ist derzeit nur eingeschränkt möglich.

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Mit diesem Schild hat der Ortschaftsrat Dittersdorf auf die Bauarbeiten und die Erreichbarkeit der Betriebe und Geschäfte aufmerksam gemacht.
Mit diesem Schild hat der Ortschaftsrat Dittersdorf auf die Bauarbeiten und die Erreichbarkeit der Betriebe und Geschäfte aufmerksam gemacht. © Egbert Kamprath

Denn wieder einmal ist das Dorf zur Großbaustelle geworden, erzählt Steffen Kaden beim Ortstermin und zeigt auf die Hauptstraße vor seiner Fleischerei. Ein großer Graben zieht sich hier entlang. Ein gewohntes Bild. Kaden kann sich noch gut daran erinnern, als der Kreis zunächst die Hauptstraße ins Tal und später die Ortsdurchfahrt saniert hat.

Einige haben sich neue Brunnen gebohrt

Jedes Mal wurde die Ortsdurchfahrt gesperrt. Nun wieder. Jetzt baut der Wasserversorger Weißeritzgruppe. Immerhin: Die Arbeiten kommen gut voran - und darüber freuen sich die Dittersdorfer. Denn auch hier sind in den letzten Sommermonaten viele Brunnen trocken geblieben. Gut 15 Mitbürger haben in den letzten Jahren neue, tiefere Brunnen gebaut. Etwa 50 hatten massive Probleme, viele haben sich Wasser aus dem Tank der Weißeritzgruppe geholt, erzählt Ortsvorsteher Frank Zimmerhäckel (Grüne).

Wieder andere hätten keine Probleme. So wie Bäckermeister Wolfgang Otte. Sein Brunnen führt Wasser. "Aus Solidarität habe ich mich aber der Forderung angeschlossen, dass unser Dorf ans Trinkwassernetz kommt", sagt er. Denn auch er erhofft sich etwas davon: Zwar hat er Wasser, doch die Auflagen, es nutzen zu können, sind hoch, sagt er und zeigt auf seine Aufbereitungsanlage. Regelmäßig kommt das Landratsamt vorbei, um die Wasserqualität zu prüfen - das kostet extra, sagt er.

Ähnlich ist es beim Fleischermeister. So ein Brunnen kostet, sagt Kaden. "Ich hatte 5.000 Euro Extra-Kosten, um alle Hygieneauflagen erfüllen zu können." Beim Bäcker war es mehr als doppelt zu teuer.

Baustart mit Überraschungen

Kaden und Otte wie auch die anderen Dittersdorfern waren sich bewusst, dass so der Trinkwasseranschluss des Dorfes wieder zu Straßenbauarbeiten führen wird. Doch diesmal gings es mit einer Überraschung los. Im März starteten die Arbeiten ohne Vorwarnung. Dittersdorf wurde abgesperrt, nur Anlieger durften rein.

Daran hat sich nichts geändert. Dennoch ist die Lage nun viel besser. Und das liegt auch am Plakat, das der Dittersdorfer Ortschaftsrat im Tal aufgehängt haben. "Die Händler und Gewerbetreibende in Dittersdorf haben auch während der Baumaßnahme Trinkwasserleitung weiterhin für sie geöffnet. Wir freuen uns auf ihren Besuch." Das hat was gebracht, sind sich die Dittersdorfer einig.

Auch unter den Stammkunden hat es sich herumgesprochen". Ein Großteil hat sich darauf eingestellt, die wissen, wann die Bauarbeiter Feierabend machen", sagt Fleischermeister Kaden. Erfreulich sei, dass ihm fast alle Stammkunden, die auch in Heidenau und im Osterzgebirge wohnen, treu geblieben sind. "Die früher zweimal gekommen sind, kommen jetzt einmal." Und es gibt noch einen neuen Trend: Viele kommen mit dem Fahrrad. "Das liegt wohl an den E-Bikes." Auch die Anlieferung funktioniere. Die Bauarbeiter rücken dann auch mal ihre Baugeräte zur Seite.

Auch Bäckermeister Otto sieht es gelassen: Sein Vorteil ist, dass er viele seiner Kunden mit den Bäckereiautos erreicht, die über die Dörfer fahren. Und dann gibt es noch die Märkte in Dresden, die seine Mitarbeiter dreimal in der Woche ansteuern.

Dittersdorfs Bäcker Wolfgang Otte zeigt, wie seine Desinfektionsanlage für den Hausbrunnen aussieht. Einige Tausend Euro hat sie gekostet.
Dittersdorfs Bäcker Wolfgang Otte zeigt, wie seine Desinfektionsanlage für den Hausbrunnen aussieht. Einige Tausend Euro hat sie gekostet. © Egbert Kamprath

Gut eingespielt hat sich auch der Umgang mit den Baufirmen. Selbst Stahltransporte kommen an der Baustelle vorbei, sagt Ortsvorsteher Zimmerhäckel. Die Befürchtungen, die es zunächst gab, sind unbegründet. Jeden Mittwoch, 10 Uhr, gibt es eine Beratung, sagt Grahl. Dazu ist jeder auch herzlich eingeladen. Das funktioniert.

Das bestätigt auch der Wasserversorger. Die Bauleiter seien bei erforderlichen Bauberatungen anwesend und kontrollieren den Baufortschritt und die Qualität der Bauausführung. "In diesem Zusammenhang werden Gespräche mit den zukünftigen Wasserkunden geführt", sagt Geschäftsführer Frank Kukuczka. Hier kämen auch Probleme zur Sprache, die in der Regel auch gemeinsam gelöst werden.

Bauverzug durch Corona

Die Coronapandemie sorgte zunächst für einen Bauverzug. Doch inzwischen liege man weitestgehend im Plan, so Kukuczka. Er hofft, dass die Arbeiten im ersten Quartal 2022 beendet werden. Dann wird es 150 neue Anschlüsse geben.

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Bernd Grahl, der sich für den Anschluss eingesetzt hat, hofft, dass die ersten Dittersdorfer in den nächsten Wochen ans Netz kommen. Mit dem Trinkwasser wird sich das Dorf besser entwickeln. Es kann sich an potenzielle Bauherren erinnern, die kein Trinkwasser nachweisen konnten. "Die haben kalte Füße bekommen und doch nicht gebaut."

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