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Glashütter kämpfen für ihren Edeka

Bürgermeister und Ortsvorsteher wollen die Markt-Schließung verhindern. Sie hoffen, das Unternehmen für einen anderen Standort begeistern zu können.

Von Maik Brückner
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Die Tage des Edeka in Glashütte sind gezählt - zumindest, wenn es nach den Verantwortlichen geht.
Die Tage des Edeka in Glashütte sind gezählt - zumindest, wenn es nach den Verantwortlichen geht. © Frank Baldauf

"Die angekündigte Schließung von Edeka ist für die Glashütter und auch für die Ortsteile eine Katastrophe." Glashüttes Ortsvorsteher Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos) findet klare Worte. Sollte es wirklich dazu kommen, wäre die Grundversorgung - vor allem für die älteren Bürger - nicht mehr gesichert, sagt er.

Seit die Edeka-Schließungspläne öffentlich sind, haben Kommunalpolitiker in Glashütte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das zu verhindern. Nicht nur Lehmann griff zum Telefon, um mit Vertretern von Edeka zu sprechen, auch Bürgermeister Sven Gleißberg (parteilos) tat das. Der Rathauschef traf sich mit dem derzeitigen Betreiber des Marktes, Roland Clausnitzer, und der für die Expansion zuständigen Mitarbeiterin, Mandy Damm.

"Wir hatten ein offenes und konstruktives Gespräch, worüber ich sehr dankbar bin", so Gleißberg. Er habe klar zum Ausdruck gebracht, dass viele Glashütter sehr daran interessiert sind, auch über das Jahr 2022 hinaus Edeka in Glashütte zu behalten.

Edeka setzt auf Größe. Zuletzt sind neue, größere Märkte in Altenberg und in Grumbach - unser Foto - entstanden. Gegenwärtig wird ein neuer Markt in Dipps errichtet.
Edeka setzt auf Größe. Zuletzt sind neue, größere Märkte in Altenberg und in Grumbach - unser Foto - entstanden. Gegenwärtig wird ein neuer Markt in Dipps errichtet. © Andreas Weihs

Edeka hatte vor wenigen Tagen bekannt gegeben, seinen Markt in Glashütte Ende Juni 2022 zu schließen. Das Unternehmen begründet das mit gegenwärtigen Bedingungen. Der Laden sei nicht groß genug, um den internen Vorgaben und den Wünschen der Kunden gerecht zu werden.

Kurzfristig wäre in Glashütte eine von Edeka angestrebte Erweiterung in Verbindung mit großen Investitionen – auch aus energetischer Sicht – vonnöten gewesen, erklärte Jan Hašek, Regionalleiter Expansion, in einer Pressemitteilung.

Gleißberg sieht noch Chancen, dass Edeka bleibt. Prinzipiell sei das Unternehmen an einer Erweiterung am bisherigen Standort in Glashütte interessiert. "Allerdings liegt dies nicht oder nur begrenzt in den Händen von Edeka, sondern von Dritten." Denn die angrenzenden Flächen gehören anderen Eigentümern. Zwar habe es bereits Gespräche gegeben. Diese haben aber nicht zum Erfolg geführt. Gleißberg hofft, dass sich inzwischen die Umstände verändert haben und alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung finden. Er würde sich auch gern vermittelnd einbringen.

Auf dieser Fläche - der Festwiese - könnte ein neuer Edeka entstehen. So sehen es Pläne des Ortschaftsrates vor, die dieser bereits 2016 entwickelt hat.
Auf dieser Fläche - der Festwiese - könnte ein neuer Edeka entstehen. So sehen es Pläne des Ortschaftsrates vor, die dieser bereits 2016 entwickelt hat. © Archivfoto: Frank Baldauf

Auch Ortschef Lehmann weiß, dass die Dresdner Straße die Vorzugsvariante von Edeka ist. Eine Erweiterung dort sei aber schwierig. Deshalb habe der Ortschaftsrat bereits im Mai 2016 nach Alternativen gesucht. Diese gebe es auf der Vogelwiese in der Oberstadt. Das habe die Stadt auch vom Kommunalberatungsbüro Steg prüfen lassen.

Lehmann hofft, dass Edeka eventuell hierhin ausweicht. Vonseiten des Unternehmens gebe es daran wohl auch ein Interesse, wie ihm Vize-Bürgermeister Uwe Ahrendt (Grüne) in einer der letzten Stadtratssitzungen auf Anfrage mitteilte. Auch Gleißberg sieht hier Chancen für den Standort: "Dieses Projekt gilt es, nächstes Jahr aktiv anzugehen."

Nun bleibt abzuwarten, was Bürgermeister, Ortsvorsteher und Ortschaftsrat erreichen können. "Wir werden versuchen, hier eine Lösung für unsere Einwohner - zumindest erst mal über den 30. Juni hinaus - zusammen mit Edeka zu erreichen", so Lehmann. Es könne nicht sein, dass eine weltweit bekannte Uhrenstadt ohne Lebensmittelmarkt dastehe. Das sei nicht akzeptabel.

Lehmann hofft noch auf Hilfe von Dritten: Freuen würde er sich, wenn sich die Industrie hier einbringen könnte. Schließlich arbeiten deren Mitarbeiter zum Teil in der Stadt. Vielleicht gelingt es doch noch, Flächen für eine Erweiterung Richtung Stadtzentrum zu bekommen. "Das wäre sicherlich die schnellstmögliche Lösung."