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Stadt Glashütte kauft frühere Gaststätte

Es gab zwei Anträge, den Kauf aufzuschieben. Doch eine große Mehrheit will das Gebäude zum Vereinshaus machen. Einige Bedenken bleiben.

Von Maik Brückner
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Das Goldene Glas wird zum Vereinshaus. Darauf hat sich der Glashütter Stadtrat jetzt verständigt. Das Gebäude wechselt den Besitzer.
Das Goldene Glas wird zum Vereinshaus. Darauf hat sich der Glashütter Stadtrat jetzt verständigt. Das Gebäude wechselt den Besitzer. © Archivfoto: Egbert Kamprath

Die Stadt Glashütte wird das frühere Gasthaus Goldenes Glas kaufen. Darüber hat sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag verständigt. Mit großer Mehrheit wurde die Verwaltung beauftragt, den Gebäudekomplex von Michael Schirmer alsbald zu kaufen. Zwei Initiativen, den Beschluss zu verschieben, blieben erfolglos.

So hatte AfD-Stadtrat Sven Jäpelt zu Beginn der Sitzung beantragte, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, um den neu gewählten Bürgermeister Sven Gleißberg mit einzubeziehen. Dieser wird erst in den nächsten Wochen sein Amt antreten. Für den Antrag gab es vier Ja-Stimmen, die übergroße Mehrheit lehnte ihn ab.

Wenig später befasste sich der Stadtrat mit einem kurzfristig von CDU-Fraktionssprecher Jörg Paulusch eingebrachten Antrag, an dessen Erarbeitung CDU-Mandatsträger Bernd Grahl nicht beteiligt war. Grundtenor: Bei allem Verständnis für die Interessen der Bürger der Kernstadt sollte der Stadtrat mit dem Kauf abwarten. Dafür gebe es mehrere Gründe. So sollte bei dieser folgenreichen Entscheidung Gleißberg einbezogen werden.

Außerdem sei noch nicht ausreichend über das vom Ortschaftsrat vorgelegte Nutzungskonzept für das Vereinshaus diskutiert worden, heißt es in dem Schreiben. Auch ein Wertgutachten läge noch nicht vor. Zudem vermisse die Fraktion eine Abstimmung mit dem Schützenverein. Diesen hätte man bei den Überlegungen zum Bau eines Vereinshauses einbeziehen sollen. Denn der Zustand des Schützenhauses sei "schauderhaft", wie Paulusch nach der Besichtigung befand. Es könnte nun durchaus passieren, dass auch der Schützenverein demnächst Investitionen einfordere.

CDU: Vorkaufsrecht sollte verlängert werden

Größere Investitionen in ein zweites Vereinshaus werde sich die Stadt aber nicht leisten können, so der Fraktionssprecher. Pauluschs Vorschlag: Die vorgelegten Alternativen, auch ein möglicher Neubau, sollten erneut diskutiert werden. Auch mit dem potenziellen privaten Investor, der das Goldene Glas kaufen und sanieren würde, müsste noch einmal gesprochen werden. Deshalb sollte das bereits bestehende Vorkaufsrecht nach Ansicht der CDU-Fraktion bis Ende Juni 2022 verlängert werden, so Paulusch.

Maik Lehmann, Ortsvorsteher der Kernstadt und Stadtrat der Wählervereinigung Zeitlos, erklärte, dass an einigen Gedanken etwas dran sei. Doch warum wurde der Antrag so knapp vor der Sitzung eingebracht, fragte er. Dass der Stadtrat über den Kauf abstimmen soll, sei schon länger bekannt. Paulusch verteidigte sich: Er und seine Mitstreiter seien nicht eher dazugekommen. Schließlich arbeite man ehrenamtlich.

Das Goldene Glas war nicht nur Gaststätte, sondern über viele Jahre auch ein Filmtheater. Der frühere Kinosaal befindet sich im hinteren Teil des Grundstücks.
Das Goldene Glas war nicht nur Gaststätte, sondern über viele Jahre auch ein Filmtheater. Der frühere Kinosaal befindet sich im hinteren Teil des Grundstücks. © Archivfoto: Egbert Kamprath

Lehmann nahm das zur Kenntnis, legte aber nach. Er wundere sich, dass am Antrag ganz offensichtlich der frühere Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) maßgeblich mitgearbeitet habe. Denn als Autor des von Paulusch vorlegten Schreibens sei der Name Markus Dreßler und die Stadtverwaltung Pirna vermerkt. "Da fehlen mir die Worte", so Lehmann. Stadtrat Thomas Flasche (CDU) räumte ein, dass man beim Erarbeiten des Antrags mit Dreßler zusammengearbeitet habe.

Auch der amtierende Bürgermeister Uwe Ahrendt (Grüne) nahm Stellung: Er verwies auf das Wertgutachten, wonach der Gebäudekomplex nach Einschätzung einer Gutachterin 180.000 Euro wert sei. Zudem sei Michael Schirmer als Besitzer des Gebäudes nicht bereit, das Vorkaufsrecht ein weiteres Mal zu verlängern. Das habe er ihm erklärt.

Bedenken aus dem Bauamt

Andreas Dießler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) warb für den Kauf. Die Glashütter hätten lang genug auf diese Entscheidung gewartet. Nun habe man die Chance, dieses Gebäude zu kaufen. Diese sollte der Stadtrat nutzen. Ähnlich äußerte sich Steffen Barthel (WV Johnsbach). Der Stadtrat sollte nun Mut zeigen, so Barthel.

Auch das Bauamt äußerte sich zum Gebäude, wie Ahrendt erklärte. Er zierte aus einer Stellungnahme. Demnach habe Bauamtsleiter Mario Wolf nach einer Vor-Ort-Besichtigung bereits im Januar 2020 von einem Kauf abgeraten und dies ausführlich begründete. Er verwies unter anderem auf mehrere Standards, die erfüllt werden müssten, um das Haus nutzen zu können. Eine schrittweise Sanierung werde ein "finanzielles Fass ohne Boden" sein, so Wolf. Auch die Kämmerei wies auf die Folgekosten hin, die in der Finanzplanung bisher noch nicht berücksichtigt worden seien. Für den Kauf und die Sanierung stehen allerdings Fördermittel in Aussicht.

Die Abstimmung fiel dann deutlich aus: Der Antrag der CDU-Fraktion, den Kauf zu verschieben, wurde mit zwölf zu vier Stimmen abgelehnt. Mit einem ähnlichen Votum stimmte der Stadtrat dann für den Kauf. Damit folgten die Räte einem Antrag von Jörg Prasser, Maik Lehmann, Helmut Wagner (alle WV Zeitlos) und Bernd Grahl (CDU-Mandat). Diese hatten verlangt, dass die Stadt noch in diesem Jahr ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen sollte. Dafür stimmten zwölf Stadträte, drei waren dagegen, zwei Räte enthielten sich.

Michael Schirmer, der langjährige Gastwirt des Goldenen Glases, zeigte sich erfreut über die Entscheidung des Stadtrates. Sein Kommentar: "Gott sei Dank!"
Michael Schirmer, der langjährige Gastwirt des Goldenen Glases, zeigte sich erfreut über die Entscheidung des Stadtrates. Sein Kommentar: "Gott sei Dank!" © Archivfoto: Egbert Kamprath

Dass es gleich zum Kauf kommt, liegt an der Interessenlage, erklärte Ahrendt. Denn da es neben der Stadt keinen potenziellen Käufer gibt, greife auch nicht das Vorkaufsrecht. Somit könne die Stadt das Gebäude unmittelbar kaufen.

Glashütter Ortsvorsteher freut sich

Stadtrat Lehmann begrüßte die Entscheidung. Er freue sich und versprach, dass man trotzdem weiter an den gesetzten Prioritäten bei den Investitionen festhalten wolle.

Ahrendt hingegen zeigte sich erleichtert, dass die Abstimmung nicht knapp, sondern sehr deutlich ausgegangen sei. In den nächsten Monaten werde man beraten, wie man mit dem Gebäudekomplex weiter verfahren werde.

Michael Schirmer, der das Gasthaus bis 2017 als Gaststätte betrieben hatte und Ende 2020 sein Gewerbe endgültig aufgab, zeigte sich über die Entscheidung erleichtert. Sein erster, spontaner Kommentar: "Gott sei Dank." Denn die Diskussionen um den Kauf oder Nichtkauf seien nun schon ins dritte Jahr gegangen.