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Glashütte: Luchauer Milchbauern bilden jetzt auch aus

Der Betrieb hat sich von nicht benötigten Immobilien getrennt und sich auf die Milcherzeugung konzentriert. Das Konzept geht auf.

Philipp Käppeler und Jan Köhler führen als Vorstände die Geschicke der Luchbergmilch in Luchau.
Philipp Käppeler und Jan Köhler führen als Vorstände die Geschicke der Luchbergmilch in Luchau. © Daniel Schäfer

Jan Köhler ist kein Landwirt, der jammert. Das gehört auch zur Philosophie der Firma Luchbergmilch in Luchau. "Unser Betrieb steht gut da, wir müssen uns nicht verstecken", sagt der 39-Jährige. Der gebürtige Oberfrauendorfer wohnt in Börnersdorf und leitet das Unternehmen seit elf Jahren. Jetzt war er Gastgeber eines Treffens des Regionalbauernverbandes. Zusammen mit Philipp Käppeler, der ebenfalls im Vorstand mitarbeitet, stellte er seinen Kollegen und der Presse das Unternehmen vor.

Der Schwerpunkt des Unternehmens, das 20 Mitarbeiter beschäftigt, ist die Milchkuhhaltung. In den Ställen stehen derzeit 500 Milchkühe sowie deren Nachzucht. Die Milchleistung liegt gegenwärtig bei 10.600 Kilogramm pro Kuh und Jahr. Insgesamt leben 900 Rinder auf dem Gelände. Die männlichen Jungtiere werden verkauft, die Kuhkälber bleiben in Luchau und werden zu Milchkühen.

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Extrem vom Milchpreis abhängig

Die Milchproduktion macht etwa dreiviertel des Umsatzes aus. Deshalb ist es für die Luchauer entscheidend, wie hoch der Preis ist, der für die Milch gezahlt wird. "Wir sind extrem davon abhängig", sagt Philipp Käppeler, der für die Buchhaltung zuständig ist. Gegenwärtig seien die Preise okay. Es gab aber auch schon Monate, da lagen die weit unten. Da habe die Arbeit nicht so recht Spaß gemacht, gesteht Käppeler.

Die Luchbergmilch bewirtschaftet aber auch 520 Hektar Ackerland und 380 Hektar Grünland rund um Luchau. "Wir haben eine gute Grasernte eingefahren, die Qualität hat gepasst. Wir können zufrieden sein", sagt Köhler. Er erwartet auch eine gute Maisernte. "Und auch mit der Getreideernte waren wir sehr zufrieden", so Köhler. Nur beim Raps habe er sich mehr erhofft, sagt der Landwirt.

Ausbilder Mathias Pretzsch (re.) und Jung-Landwirt Patrick Vogel. Der 20-Jährige ist froh, dass er die Ausbildung in seinem Wunschberuf in Luchau abschließen konnte. "Ich mag die Arbeit mit Tieren, bin von der Technik begeistert und mag die Abwechselung i
Ausbilder Mathias Pretzsch (re.) und Jung-Landwirt Patrick Vogel. Der 20-Jährige ist froh, dass er die Ausbildung in seinem Wunschberuf in Luchau abschließen konnte. "Ich mag die Arbeit mit Tieren, bin von der Technik begeistert und mag die Abwechselung i © Daniel Schäfer

Doch nicht nur mit der Ernte ist Köhler zufrieden. Im Unterschied zu anderen Agrarbetrieben ist es seinem Betrieb in den letzten Jahren gelungen, sich von allen Immobilien zu trennen, die nicht mehr benötigt werden. Es gibt keine Garagen, Scheunen oder Höfe, um deren Erhalt sich der Betrieb kümmern muss.

2018 hatte sich das Unternehmen vom Technikstützpunkt im benachbarten Cunnersdorf getrennt. "Uns gehören nur noch die Gebäude hier am Standort." Es sei selten, das vergleichbar große Landwirtschaftsbetriebe nur von einem Standort aus agieren, erzählt er. Er kenne in der näheren Umgebung keinen.

Die Firma leistet auch einen Beitrag zum Klimaschutz, sie betreibt eine Biogasanlage. Die großen Dachflächen sind verpachtet und mit Fotovoltaikanlagen bestückt. Gebaut werde in Landwirtschaftsbetrieben zwar immer was. Größere Investitionen sind in den nächsten Jahren aber nicht geplant, so Köhler. Die letzte große Neuerung - die aber nichts mit Bauen zu tun hatte - war es, eine eigene Lehrausbildung zu etablieren.

Den Anstoß dazu gab Mitarbeiter Mathias Pretzsch, der in der Firma verschiedene Aufgaben wahrnimmt und inzwischen hauptsächlich im überbetrieblichen Ausbildungsverbund mehrerer Landwirtschaftsbetriebe der Region arbeitet. Er ist froh, dass sein Chef seinem Rat gefolgt sei und nun ausbildet.

Mit dem 20-jährigen Patrick Vogel hat in diesem Jahr der erste Jugendliche seine Ausbildung in Luchau beendet. Seit diesem Sommer arbeitet der 20-jährige Cunnersdorfer in der Firma. Diese bildet gegenwärtig im dritten Lehrjahr eine Tierwirtin und im ersten Lehrjahr einen Landwirt aus.

Bewährt habe sich die Kooperation im Verbund des Agrarunternehmens Starbach, zu dem fünf Unternehmen in Sachsen gehören, so Köhler. Dieser übernimmt unter anderem den Einkauf oder den Verkauf von Weizen, erklärt Philipp Käppeler. Von Vorteil sei es auch, im Verbund mit dem Großabnehmer der Milch, der Molkerei in Leppersdorf, zu verhandeln. "Man kann auch Maschinen besser auslasten", ergänzt Köhler.

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"Diese kosten heutzutage viel Geld. Ohne große Schwester könnten wir uns große neue Maschinen nicht leisten", so Köhler. Ein weiterer Vorteil: Der Austausch von guten Erfahrungen. So wurde von einem der Partnerbetriebe ein Stall errichtet. Vorbild war der in Luchau. "Dieser hatte sich bewährt." Nur ein paar kleine Dinge, mit denen Köhlers Team nicht zufrieden ist, wurden verändert.

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