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Erste Konturen von Glashüttes Neustadt

Wie könnte ein neuer Stadtteil aussehen und wie soll er zur Kernstadt stehen? Erste Antworten darauf gab es jetzt im Stadtrat.

Diese Collage entstand in Zusammenhang mit dem Forschungsobjekt "Glashütte Neustadt".
Diese Collage entstand in Zusammenhang mit dem Forschungsobjekt "Glashütte Neustadt". © Foto: Stadt Glashütte

Die Glashütter arbeiten an einer Vision - Glashütte-Neustadt heißt sie. Entstehen soll ein neuer Stadtteil, der so attraktiv ist, dass er junge Leute und Familien anzieht. 1.500 Menschen sollen dort wohnen und möglichst auch als Fachkräften in einem der Glashütter Betriebe arbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Uhrenfirmen.

Mit dieser Idee konnten die Glashütter die Fachleute beim Ministerium für Regionalentwicklung begeistern und sich bei einem Wettbewerb 150.000 Euro sichern. Das war im Sommer 2020. Vor genau einem Jahr war der Startschuss für dieses Projekt.

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Erste Ideen für den Standort der Neustadt

Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) nahm das zum Anlass, um über das bisher Erreichte zu informieren. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der bisherigen Sitzungen und Treffen: Das Projekt Neustadt kann nur in Verbindung mit der Kernstadt - der künftigen Altstadt - funktionieren. Das heißt, die neue Siedlung soll nicht irgendwo im Stadtgebiet entstehen, sondern in der unmittelbaren Nähe zur Kernstadt.

Die farblich gestalteten Flächen kämen aus Sicht der Lenkungsgruppe für den Bau der Neustadt Glashütte infrage.
Die farblich gestalteten Flächen kämen aus Sicht der Lenkungsgruppe für den Bau der Neustadt Glashütte infrage. © Stadt Glashütte

Die Fachleute und Studenten, mit denen Glashütte zusammenarbeitet, haben dazu bereits einige Flächen ausgesucht, die nun näher untersucht werden sollen. Mit dabei sind auch Flächen, die bereits als Wohnungsgebiete im Gespräch waren, so Dreßler auf Nachfragen im Stadtrat. Anders als bisher soll dort eben keine weitere Wohnsiedlung entstehen, sondern eine neue Stadt.

Von der Neustadt soll auch die Kernstadt profitieren. "Die Kernstadt und die Neustadt sollen gleichzeitig und symbiotisch entwickelt werden", erklärte Dreßler. Beide Siedlungen sollen in Sicht-, aber vor allem in Wegebeziehung stehen. Dazu sei auch der Bau einer Seilbahn erwägt. Damit soll erreicht werden, dass in beiden Orten alle sozialen Schichten leben können.

Kernstadt soll attraktiver werden

Erreicht werden soll das, indem die Kernstadt attraktiver wird. Hier werden noch mehr Dienstleistungen angeboten. Auch in der Kernstadt soll es neue Wohnformen geben und nachhaltige und ökologische Bauformen verwirklicht werden. Als Beispiel nannte Dreßler Holzbauten, begründe Dächer und Fassaden. In beiden Stadtteilen sollen Plätze entstehen, die öffentlich genutzt werden können und die ein Quartiersgefühl erzeugen. Glashütte wird eine Stadt der kurzen Wege.

Das Radfahren soll attraktiver werden, da die Zahl der Radfahrer durch die E-Bikes in den nächsten Jahren steigen werde, so Dreßler. Auch Angebote wie Car-Sharing, also das gemeinsame Nutzen von Fahrzeugen, soll gefördert werden.

Dieses leerstehende Wohn- und Geschäftshaus am Moritz-Großmann-Platz könnte in einer ersten Phase so umgestaltet und aufgewertet werden.
Dieses leerstehende Wohn- und Geschäftshaus am Moritz-Großmann-Platz könnte in einer ersten Phase so umgestaltet und aufgewertet werden. © Stadt Glashütte

Auch zur Nutzung ortsprägender Gebäude haben sich die Forscher und Studenten Gedanken gemacht. Für das leerstehende Wohn- und Geschäftshaus am Moritz-Großmann-Platz legten erste Ideen vor, wie aufgewertet werden könnte.

Bürger sollen über Pläne informiert werden

Im nächsten Schritt werden nun die Bürger über die bisherigen Ergebnisse informiert, kündigte Dreßler an.

Mehrere Stadträte waren über die bisherigen Ergebnisse überrascht. Stadträten aus den Ortsteilen fehlte der Bezug zu ihren Heimatorten. "Was haben wir davon?", fragt Steffen Barthel (WV Johnsbach). Direkt nicht, aber indirekt. Denn es gehe um die Stärkung der Kernstadt, erklärte Dreßler. Andere Stadträte wie Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos) und Thomas Flasche (CDU) waren hingegen angenehm überrascht. Er sei am Anfang skeptisch gewesen, sehe es jetzt aber sehr, sehr positiv, so Lehmann.

Er wie auch Flasche und Barthel boten an, in den Gremien mitzuarbeiten. Auch Dreßler, der im Sommer ins Pirnaer Rathaus wechselt, zeigte sich bereit, danach weiter ehrenamtlich in den Gremien mitzuwirken.

Stadträte wollen in der Ideenrunde mitarbeiten

Eine Entscheidung, wer vom Stadtrat mitmacht, fiel noch nicht. Lehmann dürfte als Ortsvorsteher die besten Chancen haben. Die Einbindung des gesamten Stadtrates, wie von Stadtrat Andreas Dießler (WV Reinhardtsgrimma) angeregt, lehnte Dreßler ab. Das würde die Arbeit der Lenkungsgruppe verlangsamen.

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Der Lenkungsgruppe gehören neben Dreßler unter anderem Vize-Landrat Heiko Weigel, Dr. Heidemarie Russig vom Regionalen Planungsverband, zwei Professoren der TU Dresden sowie Vize-Bürgermeister Uwe Ahrendt an. Begleitet wird das Projekt von zwei Forscherteams, die aus Studenten der Architektur und Humangeografie bestehen.

Finanziert wird das Projekt durch ein Preisgeld aus dem Programm SIMUL+. Der Freistaat Sachsen hat der Stadt Glashütte 150.000 Euro für diesen, auf gut zwei Jahre angelegten, konzeptionellen Prozess bereitgestellt.

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