merken
PLUS Dippoldiswalde

Dresdnerin baut Tischuhr mit Mondanzeige

Sina Peschke gehört zu den Besten, die den Uhrmacher-Meisterkurs trotz Corona abschließen konnten. Für sie brachte das auch einen Vorteil.

Jörg Tamme, der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses in der Uhrmacherschule Glashütte, gratuliert Sina Peschke zu ihrer Meisteruhr.
Jörg Tamme, der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses in der Uhrmacherschule Glashütte, gratuliert Sina Peschke zu ihrer Meisteruhr. © Egbert Kamprath

Mit einem lachenden und einem weinendem Auge hat Jörg Tamme von seinen Uhrmachermeisterschülern Abschied genommen. Zum einen ist er froh, dass es wieder einmal einen starken Lehrgang gab, den er betreuen durfte. Zum anderen ist der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses etwas wehmütig, dass dieser Kurs nun vorbei ist.

Immerhin nahmen daran nicht nur Uhrmacher hiesiger Firmen teil, sondern auch Talente aus Hamburg, Kiel, Frankfurt am Main und dem fernen Belgien.

Küchenzentrum Dresden
Küchen-Profis aus Leidenschaft
Küchen-Profis aus Leidenschaft

Das Team des Küchenzentrums Dresden vereint Kompetenz, Erfahrung und Dienstleistung – und punktet mit besonderen Highlights.

Eine, die zum Erfolg des Kurses beigetragen hat, war die Dresdnerin Sina Peschke. "Wir waren eine coole Truppe", sagt sie. Die junge Frau gehört zu den Besten des Kurses. Sie hat sich schon zeitig für feine Dinge interessiert. Eigentlich wollte sie Goldschmiedin werden. "Doch es war ein bisschen problematisch mit der Ausbildung." Deshalb suchte sie weiter.

Nach der Ausbildung eine Auszeit genommen

Das führte sie zum Beruf des Uhrmachers. Was dort zu tun ist, und wie es ist, mit kleinsten Teilchen zu arbeiten, erfuhr sie bei einem Praktikum, das sie beim Luxusuhrenhersteller Lange machen konnte. "Das fand ich sehr interessant." Und da ihr Präzisionsarbeit Spaß machte, war es für sie fast folgerichtig, sich nach dem Praktikum dort um eine Lehrstelle zu bewerben. Sie wurde angenommen.

2016 schloss Sina Peschke ihre Ausbildung erfolgreich ab. Danach nahm sie sich eine Auszeit. Sie reiste durch Australien und Südostasien und stieg nach der 15-monatigen Pause 2018 wieder bei Lange ein. Dort arbeitete sie zunächst in der Vormontage, nun ist sie in der Abteilung, in der die Modelle Saxonia und Odysseus hergestellt werden, tätig.

Schon zeitig hatte sie es sich zum Ziel gesetzt, weiter an ihrer Karriere als Uhrmacherin zu arbeiten. Deshalb nahm sie Kurs auf den Meisterbrief. Ihre Überlegung: "Jetzt habe ich die Zeit. Ich bin ungebunden und kann es gut schaffen." 2019 meldete sich die heute 26-Jährige wie 13 andere für einen Meisterkurs an, den sie jetzt erfolgreich abschloss.

Corona-Lockdown hat geholfen

Ihre Meisteruhr hat der Kommission sehr gut gefallen. Ein besseres Lob hätte es nicht geben können, sagt die junge Frau. "Die Inspiration für diese Uhr kam mir auf dem Festival Fusion", erzählt sie. Dort wird nach elektronischer Musik getanzt. Über Wochen tüftelte sie an dieser Tischuhr, die nicht nur eine ungewöhnliche Form bekommen sollte, sondern auch zwei zusätzliche Funktionen.

"Diese habe ich selbst entwickelt und konstruiert", sagt die junge Frau. Die Uhr verfügt über eine Tag-Nacht-Anzeige. Ein zusätzlicher blauer Zeiger gibt zudem die jeweilige Mondphase an. Mit seiner Hilfe lässt sich ablesen, ob gerade Neu- oder Vollmond ist, ob der Erdtrabant zu- oder abnimmt. "Die größte Herausforderung war dann aber das Zifferblatt." Mit diesem ist sie immer noch nicht so richtig zufrieden.

An der Uhr selbst hat sie ein reichliches Jahr gebaut. Dazu hatte sie sich mit einem anderen Meisterschüler eine Werkstatt in Dresden angemietet. Corona hat ihr ein bisschen geholfen. "Ich konnte diese Leerzeit gut ausfüllen, in dem ich an meiner Meisteruhr gearbeitet habe", sagt sie. Denn auch sie geriet in die Kurzarbeit. "Das hat mir ein bisschen geholfen". Nun ist die Uhr fertig. Vor wenigen Tagen konnte sie diese in der Uhrmacherschule abholen. Die Tischuhr wird in ihrem Zimmer nun einen würdigen Platz bekommen, sagt sie.

Meisterausbildung trotz Corona

Auch Jörg Tamme ist von der Uhr der Meisterschülerin begeistert. Aber auch andere Uhren haben ihm gefallen. Entstanden sind unter anderem eine Sekundenpendeluhr, ein Marinechronometer mit einer modifizierten Tag- und Nachtanzeige und eine Borduhr einer MIG, die mit einem automatischen Aufzug ausgestattet wurde.

Weiterführende Artikel

Der Wundertisch aus Bärenstein

Der Wundertisch aus Bärenstein

Tischlermeister Michael Zscharschuch hat seiner Frau einen ganz ungewöhnlichen Wunsch erfüllt. Er baute einen Tisch, der sich übers Eck erweitern lässt.

Ein Belgier in Glashütte

Ein Belgier in Glashütte

Yves Schmitz wollte unbedingt in Sachsen zum Uhrmachermeister werden. Er hat es getan. Und etwas ganz Verrücktes vorgelegt.

Uhrmacher baut besonderes Meisterstück

Uhrmacher baut besonderes Meisterstück

André Heller aus dem Dippoldiswalder Ortsteil Reinholdshain wollte zeigen, was uhrmacherisch alles möglich ist. Seine Prüfer waren skeptisch.

Dieser Lebensweg macht neugierig 

Dieser Lebensweg macht neugierig 

Steffen Heerklotz hat einen großen Umweg genommen, bis er bei Lange in Glashütte gelandet ist. Eine kleine Zeitreise.

Bewährt habe sich wieder einmal die enge Zusammenarbeit zwischen der Leitung seiner Berufsschule und der Handwerkskammer. So gelang es auch unter Corona-Auflagen die Meisterausbildung reibungslos in den Schulbetrieb zu integrieren. Zwar musste die Meisterprüfung verschoben werden. Tamme ist sich aber sicher, dass man "eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden" habe.

Für Jörg Tamme heißt es jetzt: Nach dem Meisterkurs ist vor dem Meisterkurs. In ein paar Wochen startet der nächste.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde