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Glatte Bahnhofstreppe wird zur Sturzfalle

Zweimal hintereinander stürzte ein Berliner die regennasse Behelfstreppe hinunter. Doch die Bahn fühlt sich nicht zuständig.

Tobias Wolf

Dresden-Neustadt - Uwe Soukup wollte kürzlich am Neustädter Bahnhof eigentlich nur umsteigen. Von Zittau kommend, sollte es wenig später nach Berlin weitergehen. Doch das Umsteigen entwickelte sich für ihn zu einem Desaster. Die stählerne Behelfstreppe am Bahnsteig 9 wurde für ihn zur Sturzfalle. Er rutschte auf den glatten Stufen aus und fiel den Treppenabsatz hinunter.

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Unfallstelle war bekannt

Mit großen Schmerzen gelang es ihm, sich wieder aufzurichten. Kaum stand er auf seinen Beinen, rutschte er erneut auf der nassen Treppenkante aus. Mit blutenden Schürfwunden an der Hand und verstauchten Fingern schleppte sich der Berliner Journalist daraufhin zum Service-Schalter der Bahn. Dort meldete er den Unfall.

Die Mitarbeiter seien sehr freundlich und hilfsbereit gewesen, sagt er. „Es wirkte geradezu so, als dass sie froh waren, dass endlich mal jemand eine Unfallmeldung machen will“, erinnert sich Soukup. Die Unfallstelle schien also zumindest den Mitarbeitern der Deutschen Bahn im Neustädter Bahnhof bekannt zu sein. Dass von dieser Behelfstreppe auf der Seite Hansastraße eine erhebliche Gefahr ausgehe, wurde Uwe Soukup im Gespräch dann indirekt bestätigt.

Bahn weist Schuld von sich

Doch die Bahn-Zentrale versucht auf SZ-Anfrage abzuwiegeln. Die Schuld sieht Bahn-Sprecherin Änne Kliem nicht bei dem Unternehmen. Es handele sich um einen bedauerlichen Vorfall. Sie verweist darauf, dass Vorsorgemaßnahmen getroffen worden seien. „Wir haben die Reisenden mit Warnschildern vor der Rutschgefahr gewarnt und rutschfeste Stopper auf die Treppenabsätze geklebt, um Unfälle zu vermeiden“, sagt sie. Außerdem würden die Einsatzkräfte des Winterdienstes die Treppe mehrfach täglich streuen. Demzufolge scheint die gefährliche Treppe auch den Verantwortlichen zumindest bekannt zu sein.

Die SZ schaute sich vor Ort um. Von den angeblichen Sicherheitseinrichtungen ist weit und breit nichts zu sehen. So ist weder auf den Behelfsbahnsteigen 9 und 10 noch an der gefährlichen Treppe selbst ein Hinweis auf die Rutschgefahr zu finden. Auch die angeblich aufgeklebten Stopper erweisen sich als dreistes Ammenmärchen der Bahn.

Uwe Soukup kann das alles nicht fassen. „Die Gefahrenstelle muss schnellstens beseitigt werden“, sagt er. „Wenn da eine alte Frau runterfällt, steht die nicht mehr wieder auf.“ Dabei geht es ihm nicht um Schadenersatz für seine erlittenen Verletzungen, sondern um die Beseitigung einer offensichtlichen Gefahr. Er hat kein Verständnis für die Haltung der Bahn.

Die Ironie der Geschichte: Der Journalist vom Berliner Tagesspiegel war zuvor zur ärztlichen Behandlung seiner gebrochenen Hand in Zittau gewesen, als er sich am Bahnsteig erneut an der Hand verletzte. Die Deutsche Bahn hat sich bis heute nicht bei ihm gemeldet.