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Glaubitzer packen den Tiger am Schwanz

Beim Stichwort Brennstoffzelle wurde der Minister hellhörig. Gestern besuchte Martin Gillo (CDU), sächsischer Wirtschaftminister, das Technologieorientierte Gründerzentrum in Glaubitz. Dort arbeitet das...

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Von Gunter Niehus

Beim Stichwort Brennstoffzelle wurde der Minister hellhörig. Gestern besuchte Martin Gillo (CDU), sächsischer Wirtschaftminister, das Technologieorientierte Gründerzentrum in Glaubitz. Dort arbeitet das Team um TGZ-Chef Sigmar Stöhr seit Anfang der 90er Jahre an der Entwicklung dieser Technologie, die für die dezentrale Stromversorgung von Gebäuden geeignet ist. Wasserstoff und Sauerstoff reagieren dabei miteinander und erzeugen Strom. Die Brennstoffzelle besitzt einen hohen Wirkungsgrad und ist emissionsarm.

„Auf dem Feld der regenerativen Energien strebt Sachsen eine starke Stellung an“, sagte Gillo. Und gerade die Brennstoffzelle berge besonders große Potenziale. „Mit diesem Produkt haben Sie den Tiger beim Schwanz gepackt“, sagte der Minister im Glaubitzer TGZ.

Noch in diesem Jahr soll in Riesa ein Betrieb zur Fertigung von Brennstoffzellen errichtet werden. 2008 bis 2010 könnte das fortschrittliche Glaubitzer Produkt auf den Markt kommen. Gillo versprach, dann bei der Beschaffung von Kapital zu helfen. Anschubfinanzierungen aus öffentlichen Mitteln lehnte Gillo allerdings kategorisch ab. Es könne nicht Aufgabe des Landes sein, als Kapitalgeber der Wirtschaft zu fungieren.

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Vermarktung schwieriger als Entwicklung

Besonders angetan war der Wirtschaftsminister vom Konzept des TGZ, auch bei der Vermarktung der neu entwickelten Produkte zu helfen. Denn oft seien die Schwierigkeiten, die Innovationen irgendwann zu verkaufen, größer als bei der Entwicklung.

Zentren wie das TGZ in Glaubitz bezeichnete Gillo als enorm wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg des Freistaats. Immerhin entständen 80 Prozent des Industriewachstums durch Innovationen. Und Sachsen nehme innerhalb der neuen Länder auf den Gebieten Forschung und Entwicklung einen absoluten Spitzenplatz ein.

42 Prozent aller Personen, die in Ostdeutschland auf diesem Feld tätig sind, so Wirtschaftsminister Gillo, entfallen auf Sachsen. Vom Niveau Westdeutschlands sei man aber immer noch weit entfernt. „Das liegt vor allem an der Unternehmensstruktur in den neuen Ländern“, begründete dies Martin Gillo. Kleine und mittlere Betriebe dominieren. Und die tun sich mit der Finanzierung von Forschung natürlich viel schwerer als große Konzerne.

In Sachsen

fehlt es an Power

Im Stechschritt besichtigte Martin Gillo das TGZ. Als die Rede auf die Unterstützung Sachsens für die Forschung auf dem Gebiet der Wasserstoffnutzung kam, reagierte der Minister weniger forsch. „Natürlich kann man immer noch mehr machen“, so der Minister einsilbig. TGZ-Chef Sigmar Stöhr hatte zuvor kritisiert, dass fast alle Bundesländer auf diesem Gebiet enorme Anstrengungen unternehmen und nannte Beispiele aus Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. „Die powern da richtig rein“, schwärmte Stöhr. Hierzulande tue sich dagegen viel zu wenig.