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Gleiche Bezahlung ist Standort-Frage

Frauen und Männer liegen im Osten deutlich weniger weit auseinander als im Westen.

© dpa

Von Wolfgang Mulke

Frauen verdienen im Beruf nach wie vor deutlich weniger als Männer. Im Bundesdurchschnitt ermittelte das Statistische Bundesamt für Frauen einen Bruttolohn von 15,56 Euro in der Stunde, für Männer von 19,84 Euro. Dies entspricht einem Unterschied von 22 Prozent. „Nur in Estland und Österreich war der Verdienstunterschied mit 30 Prozent beziehungsweise 23 Prozent noch größer als in Deutschland“, stellt der Präsident des Amtes, Roderich Engeler, fest.

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Allerdings zeigt sich beim Blick auf die einzelnen Bundesländer ein erstaunlicher Befund. In den neuen Ländern beträgt die Differenz nur acht Prozent, in den alten 23 Prozent. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern, wo die Bezahlung von Frauen und Männern mit einer Spreizung von vier Prozent nahezu gleich ist. Schlusslicht ist Baden-Württemberg, wo Männer im Schnitt 27 Prozent mehr verdienen als Frauen.

Nach Einschätzung der Statistiker hat der Ost-West-Unterschied mehrere Gründe. So liegen die Löhne in den neuen Ländern generell deutlich unterhalb des westlichen Lohnniveaus. So liegt der durchschnittliche Stundenlohn für Frauen in Mecklenburg-Vorpommern bei knapp 13 Euro. Ihre Kolleginnen aus dem Ländle kehren mit über 16 Euro von der Arbeit heim.

Schneller zurück im Job

Aber es spielen auch strukturelle Gründe eine Rolle für die eher gleiche Bezahlung. In Ostdeutschland kehren Frauen nach der Geburt eines Kindes schneller in den Beruf zurück, und mehr Frauen schaffen es in Führungspositionen. Die Lohnspannen sind noch aus einem anderen Grunde nur bedingt aussagekräftig. Denn sie sagen noch nichts über die Ursachen dieses Befundes aus. Deshalb rechnen die Statistiker noch die bekannten Einflussfaktoren bei der Lohnfindung heraus. Laut Egeler gehen zwei Drittel der Differenz auf das Konto dieser Bedingungen.

Dazu zählt zum Beispiel, dass Frauen insgesamt weniger in leitenden Positionen, aber häufiger als Männer in ungelernten Jobs arbeiten. Auch die jeweilige Branche und der Beruf haben schon vom Beginn des Berufslebens an einen großen Einfluss auf das Einkommen.

Frauen arbeiten beispielsweise häufiger in Dienstleistungsberufen und seltener in handwerklichen Sparten, in denen deutlich bessere Löhne bezahlt werden. All dies herausgerechnet, kommt das Bundesamt noch auf eine Lohndifferenz von sieben Prozent oder 1,27 Euro pro Stunde. Die Fachleute räumen aber ein, dass sie längst nicht alle denkbaren Gründe für Lohnunterschiede berücksichtigen können. Ob Frauen bei der Bezahlung tatsächlich schlechter gestellt sind, lässt sich daher nicht eindeutig nachweisen.

Statistisch eindeutig ist jedoch, dass Frauen generell und auch mit zunehmenden Alter finanziell schlechter dastehen als Männer. Sie sind häufiger von Armut betroffen und müssen auch im Alter mit geringeren Einkünften wirtschaften. Zumindest ein Teil dieser Entwicklung hängt mit der ungleichen Verteilung der Familienarbeit zusammen. Denn die Kinderbetreuung ist weiterhin vornehmlich Aufgabe der Frauen. Während sechs Prozent der Väter eine Teilzeittätigkeit ausüben, sind es 69 Prozent der Mütter. 90 Prozent der 1,6 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland sind Frauen. Die alleinerziehenden Männer betreuen oft auch nur die älteren Kinder.